Pride Festival Salzburg
"Sichtbarkeit erhöhen und den Dialog fördern"
- Conny Felice über ihre Aufgaben als HOSI-Geschäftsführerin und das Pride-Festival.
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Conny Felice von der HOSI Salzburg über das bevorstehende Pride-Festival, die Sichtbarkeit der queeren Community und warum man die "Szene" nicht mit der "Community" verwechseln darf.
SALZBURG. Miteinander reden, Miteinander feiern - so lauteten bereits im Vorjahr die Leitgedanken des Pride-Festivals. Für die Geschäftsführerin der HOSI Salzburg, Conny Felice, haben diese Worte heuer an noch größerer Bedeutung gewonnen. Denn vor allem in den sozialen Medien ortet Felice eine Zunahme an Anfeindungen, die sich gegen die queere Community richten. Umso wichtiger sei es, in den Dialog zu treten und das Miteinander in der Gesellschaft zu fördern, sagt Felice. Im Interview spricht sie über das Programm des Pride-Festivals, die Sichtbarkeit der queeren Community und aktuelle Herausforderungen.
Frau Felice, das Motto des "Pride Festivals" lautet "Be visible", es geht also um das Sichtbarmachen. Wie steht es um die Sichtbarkeit der queeren Community in Salzburg?
CONNY FELICE: "Wir haben mittlerweile eine sehr große Sichtbarkeit. Wobei es immer um die Frage geht, wer hat diese Sichtbarkeit? Wir als HOSI sind in Salzburg sehr sichtbar und auch andere einzelne Akteure aus der Szene, die sich eigenständig entwickelt haben und Veranstaltungen durchführen. Sichtbarkeit heißt jedoch nicht, dass deswegen mehr Menschen ein Coming-Out hatten.
Um die HOSI herum gibt es eine Szene, also Menschen und Gruppierungen, die sichtbar sind. Man darf jedoch die Szene nicht mit der viel größeren, der breiten Community verwechseln. Community sind auch die vielen Menschen, die nichts mit der Szene zu tun haben, aber sehr wohl LGBTQIA+ sind. Die Szene ist nicht die Kern-Zielgruppe der HOSI, das wird von manchen leider missverstanden. Und ja, das ist auch für mich immer wieder ein Spagat.
Aber mein Arbeitsauftrag beziehungsweise unsere primäre Aufgabe als HOSI ist klar: nämlich zu schauen, dass es LGBTQIA+ Menschen in Salzburg gut geht, dass wir ein respektvolles Miteinander in der Gesellschaft möglich machen, dass die Community in Salzburg einen guten Platz hat, dass Jugendlichen die Angst vor einem Coming-Out genommen wird und auch deren soziales Umfeld kein Problem damit hat. Dazu braucht es viel Dialog. Das ist in meiner Priorität ganz weit oben. Mein Auftraggeber ist die Community, nicht die Szene."
- Das Programm des heurigen Pride-Festivals umfasst mehr als 40 Veranstaltungen
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Die HOSI Salzburg gibt es seit 44 Jahren. Eine Zeitspanne, in der sich viel getan hat, in der viel erreicht wurde und in der sich auch die Themenlagen innerhalb der Community verändert haben. Was sind die aktuellen Herausforderungen, die die HOSI beschäftigen?
CONNY FELICE: "Was die rechtliche Gleichstellung betrifft, sind wir recht weit oben. Da hat man sehr viel erreicht. Was fehlt, ist aber die gesellschaftliche Gleichstellung im alltäglichen Leben. Eine der größten Herausforderungen derzeit ist Social Media, denn das ist manchmal Gift für die zwischenmenschliche Kommunikation.
Generell herrscht oft eine sehr eingeschränkte Darstellung der LGBTQIA+ Community in den Medien, vielfach werden nur die bunten Bilder transportiert, das, was eben sichtbar ist. Die Community ist aber viel mehr und an diesem breiten Bild werden wir weiter arbeiten, das ist unsere Herausforderung und unsere Strategie und die verfolgen wir konsequent."
Inwieweit hat sich dabei auch der Aktivismus verändert?
CONNY FELICE: "Wir als HOSI sind, wie viele andere auch, mitverantwortlich für die Schaffung von einem respektvollen Umgang in der Gesellschaft. Will ich mit den Menschen erwachsen auf Augenhöhe kommunizieren, muss ich mit den Regeln der Gesellschaft umgehen.
Die HOSI ist längst aus der Pubertät draußen, den Aktivismus, den wir machen, den machen wir ja nicht aus einer Bedürftigkeit heraus. Aktivismus soll einen Mehrwert für alle, für die Gesellschaft, bringen. Ich kann nicht nur für die Szene was machen, das ist nicht der Auftrag der HOSI. Mein Auftraggeber ist die Community. Und das geht nur, wenn wir neben diesen bunten, schrillen Bildern auch Dinge darstellen, die den Alltag widerspiegeln, die oft ganz banal sind."
- Die Pride-Parade/der CSD wird am 7. September vom Bahnhofsvorplatz durch die Stadt in Richtung Unipark-Nonntal führen.
- Foto: Archivfoto: Lisa Gold
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Zwischen 30. August und achten September steht Salzburg während des "Pride Festivals" im Zeichen des Regenbogens. Das Programm umfasst rund 40 Veranstaltungen, vom Gottesdienst, Kochen, Workshops bis zum Poetry Slam und Drag Bingo. Worauf wurde bei der Zusammenstellung geachtet?
CONNY FELICE: "Das Pride-Festival ist der Spiegel unseres Jahresprogramms. Wir führen alle Programmpunkte aus dem Vorjahr weiter, zusätzlich sind neue Sachen hinzugekommen, wie die Schnitzeljagd oder die queere Oper. Die Intention dahinter ist, dass wir Sichtbarkeit und Dialog schaffen wollen. Sichtbarkeit ist eine Einbahn. Dialog ist etwas, das in beide Richtungen funktioniert. Und für Dialog braucht es mehr als nur Partys, da braucht es eben die Workshops, die wir haben.
Beim Festival ist ganz viel mit Substanz dabei. Zu meinen persönlichen Highlights gehört sicher der Gottesdienst, weil das ein starkes Zeichen ist. Ebenso die queere Oper und natürlich das HOSI-Fest und die Pride-Parade."
- Zum Programm des Pride-Festivals gibt es ein eigenes Programmheft
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Mit welchem Gedanken möchten Sie am Abend nach dem Pride-Festival ins Bett gehen?
CONNY FELICE: "Dass es ein anstrengendes, aber höchst friedliches und beeindruckendes Festival war. Dass die Salzburger Community mit dem Festival, das für alle Menschen offen ist, ein schönes, buntes Zeichen im Spätsommer gesetzt hat."
Bei der Pride-Parade/CSD, die vom Bahnhofsvorplatz zum Unipark Nonntal führt, geht es darum, für Gleichberechtigung, Vielfalt, Akzeptanz und einen respektvollen Umgang miteinander einzutreten. Vielfach hört und liest man immer wieder den Begriff "Toleranz". Wie gehen Sie mit diesem Begriff um, kann es das Ziel sein, "toleriert" zu werden?
CONNY FELICE: "Toleranz ist für mich die Null-Linie. Unterhalb von Toleranz ist bereits etwas, das nicht gut ist. Und ja, dass wir überhaupt noch über Toleranz diskutieren müssen, ist eigentlich ermüdend. Wichtiger als Toleranz sind Begriffe wie Akzeptanz, Respekt, Solidarität. Wir müssen auf diese Respekt-Ebene, der respektvolle Umgang ist für uns das Wichtige. Aber das kann man nicht einfordern. Da muss ich selbst einen Beitrag leisten, sonst funktioniert das nicht. Das geht nur, indem ich das vorlebe und es so für andere erkennbar wird. Das ist die Strategie dahinter. Da müssen wir hin."
- Conny Felice, HOSI-Geschäftsführerin: "Unser Auftraggeber ist die Community, nicht die Szene"
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Wo soll die HOSI in fünf Jahren stehen? Welche Dinge wollen Sie erreicht haben, woran wollen Sie sich messen lassen?
CONNY FELICE: "Wenn ich es gesamtgesellschaftlich sehe, dann hoffe ich, dass wir in fünf Jahren keinen Rückschritt gemacht haben. Und dass die Hass-Kommentare im Netz nicht zu stark werden, das ist mein Ziel. Ich glaube, dass es uns grundsätzlich in Salzburg nicht so schlecht geht und für uns als HOSI noch eine gute Vernetzung mit unterschiedlichsten Akteuren möglich wird. Dazu ist es notwendig, in der Gesellschaft möglichst viele Verbündete für unsere Anliegen zu finden. Denn wenn ich meine Botschaft nur an die Szene richte, ist das zu wenig, um das politisch und rechtlich Erreichte abzusichern. Da brauche ich diese Verbündeten in der Gesellschaft.
Und ein Punkt, mit dem sich die queere Community oft sehr schwertut, ist, dass wir nicht auf alles reagieren müssen, und nicht alles eine Kränkung ist, was so ausschaut. Das ist für mich schon etwas Wichtiges, weil sonst ist man immer in dieser Getriebenheit und in dieser reaktiven Haltung. Da ist mir lieber, ich rede mit jemandem, den ich bisher nicht erreicht habe und der uns vielleicht wohlgesonnen ist. Denn unsere Energie nur für die Kritiker und Kritikerinnen zu verschwenden, halte ich für eine völlig falsche Strategie."
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