25.10.2016, 15:30 Uhr

"Bald wird es hier nur mehr Reiche geben"

Ein Seegrundstück am Wallersee zu mieten, ist mit dem neuen Bewirtschaftungskonzept des Landes empfindlich teurer geworden. (Foto: Foto: Franz Neumayr)

Unter den Pächtern von Seegrundstücken am Wallersee herrscht immer noch Unmut.

Das wurde bei einer Versammlung der Pächtergemeinschaft IG Wallersee am Samstag deutlich. Das neue Seen-Bewirtschaftungskonzept sieht eine – teils empfindliche – Pachtpreiserhöhung vor, der Großteil der Verträge ist aber unter Dach und Fach. "Es gibt nur mehr Einzelfälle, in denen wir uns noch nicht einigen konnten", heißt es dazu von LH-Stv. Christian Stöckl.

"Aus Angst, den Pachtgrund zu verlieren, haben natürlich viele unterschrieben", kontert einer der Pächter. Fakt sei aber, dass es mit der Pachtpreiserhöhung von 3,60 Euro auf – je nachdem, ob es sich um eine Wiese, eine Wiese mit Gerätehütte oder eine Wiese mit Häuschen handelt – sechs, acht oder zehn Euro pro Quadratmeter ja nicht getan sei. "Denn aufgrund der neuen Flächenberechnung, die sich an der mittleren Wasserstandslinie orientiert, sind viele Pachtgundstücke plötzlich enorm gewachsen, zumindest auf dem Papier. Denn in der Realität stehen diese zusätzlichen Quadratmeter während eines Teils des Jahres ja unter Wasser", ärgert sich der Betroffene.


Pacht de facto vervielfacht

In der Praxis bedeute das für ihn selbst etwa, dass anstelle von 650 Euro Pacht – "Und ich sehe ein, dass das zu wenig ist" – nun 3.600 Euro fällig werden. In einem anderen Fall habe sich die Pachtfläche mit der neuen Berechnung von 500 auf knapp 900 Quadratmeter erhöht – der Betroffene muss nun statt 416 Euro 4.630 Euro Pacht bezahlen. Hinzu käme, dass nicht alle Grundstücke die gleiche Qualität aufweisen – was die Lage und damit auch die Sonnenstunden betreffe, aber auch bei der Aufschließung. Denn während einige Grundstücke mit dem Auto angefahren werden können, sind andere nur auf einem längeren Fußweg erreichbar. "All das sollte bei der Pacht berücksichtigt werden, man kann doch nicht alle Grundstücke über einen Kamm scheren", so der Pächter.

"Einige werden aufgeben"

Er will nun noch einmal das Gespräch mit LH-Stv. Christian Stöckl suchen. Denn dass es den Pächtern um die Verteidigung von Priviliegien gehe, das stimme nicht. "Wir sind bereit, eine angemessene Pacht zu zahlen – aber alles mit Maß und Ziel. Wir sind keine Zigarren rauchenden Bonzen. Mit der neuen Pachtpolitik läuft die Politik Gefahr, dass immer mehr der derzeitigen Pächter sich das Grundstück am See nicht mehr leisten können. Dann werden es wirklich nur mehr Reiche sein, die sich das leisten können."
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