24.10.2016, 16:57 Uhr

"Geköpft, gesteinigt, verbrannt oder bei lebendigem Leibe begraben..." - Stadtführung "Gruseliges Salzburg" mit Sabine Rath

Salzburg: Salzburg | SALZBURG, 20 Uhr, eine Menschentraube hat sich rund um Sabine Rath gebildet und wartet gespannt darauf, was nun passieren wird. Die Dämmerung bricht langsam an. Pünktlich zu Beginn der Führung fallen die ersten Regentropfen. Sabine Rath sieht’s gelassen und erklärt der Gruppe: „Jeder bekommt das was er verdient – und das Wetter ist immer so wie seine Gäste“ – Galgenhumor wie er für diesen Anlass nicht besser passen könnte. Wir starten beim Friedhof St. Peter, wo wir bereits mit der ersten ernüchternden Tatsache konfrontiert werden: Salzburgs berühmte Katakomben waren nicht mehr und nicht weniger als Einzugsbehausungen, die für touristische Zwecke zu antiken Grabstätten hochstilisiert wurden. Das wichtigste bei einer Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt, sei, zwischen Mythen bzw. Legenden und historischen Begebenheiten zu differenzieren.

Bei einer „Gruselführung“ durch Salzburg, erfahren wir so manch ein Geheimnis aus der düsteren Vergangenheit. Mit viel Elan führt uns die diplomierte Touristikfachfrau, durch die dunklen Gassen der Altstadt. In der Herrengasse, kommen wir an einem der ältesten Bordelle Europas vorbei, wo früher angeblich besonders die hohe Geistlichkeit des Erzbistums zum bestehenden Klientel gehörte. Am Henkershaus machen wir den ersten Halt und erfahren mehr über den Henker und seine Tätigkeit als Organhändler, Totengräber uvm., Wir setzen unseren Weg fort in die Krottachgasse, wo der Stolpergeist die Menschen wieder auf den richtigen Weg brachte und erreichen schließlich den Waagplatz, wo einst der Pranger stand. Bei öffentlichen Hinrichtungen am Residenzplatz, die als Spektakel galten, konnte man Glücksbringer in Form von Knochensplittern oder Blutspritzern auffangen. Die Tatsache, dass wegen Überbevölkerung, Armut und Kriminalität damals zahlreiche Frauen, aber noch viel mehr junge Männer hingerichtet wurden, lässt einen aufatmen im 20./21. Jahrhundert geboren zu sein.

Von recht genauen Beschreibungen der gängigsten Foltermethoden kommen wir zu Hinrichtungen und Geschichten über Hexen, die am Gaisberg-Plateau mit dem Teufel wilde Orgien gefeiert haben sollen - es wird kein pikantes Detail ausgespart, ja sogar das Rezept um eine vermeintlich unerwünschte Person ins Jenseits zu befördern, wird uns noch mit auf den Weg gegeben. Die gebürtige Steirerin, Sabine Rath, für die Salzburg mittlerweile zur eigentlichen Heimat geworden ist, führt ihre Tätigkeit mit so viel Begeisterung und Engagement aus, dass man von Beginn an von ihrem Enthusiasmus für Salzburgs Vergangenheit infiziert ist. Mit ihren Erzählungen schafft sie es, so manch ein schauderhaftes Gefühl herbei zu zaubern. Die letzte Station bildet die Getreidegasse, wo wir noch mehr über die sogenannte „peinliche Befragung“, die so gut wie immer mit dem Tod endete, über uns ergehen lassen müssen.

Wer noch mehr über Kotkönige und Latrinenmeister erfahren will oder wissen möchte, was ein „Scheisstag“ ist oder wie man sich vor der sogenannten „Trud“ schützen kann, der sollte sich Zeit für diesen schaurig-schönen Spaziergang durch die Salzburger Altstadt nehmen!
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.