25.08.2016, 10:39 Uhr

"Lassen wir die Altstadt aus und bauen zuerst die Strecke Salzburg-Nonntal nach Hallein""

Entlang der roten Linie könnte nach derzeitigem Stand der Diskussion die Trasse verlaufen. (Foto: Grafik: Herbrich Consult)

Neuen Schwung in die ewige Diskussion um die Salzburger Stadtregionalbahn bringt Salzburg AG-Aufsichtsratsvorsitzender Christian Struber.

Struber schlägt vor, die Debatte um die unterirdische Verlängerung der Bahn durch die Salzburger Innenstadt hintanzustellen, und sich dem kostentechnisch leichteren Teil vom Nonntal weg nach Hallein zu widmen. "Gemeinsam Mit Salzburg AG-Vorstand Horst Ebner haben wir diese Idee in unserer jüngsten Sitzung eingebracht", so Struber.


"Vielleicht brauchen wir die Innenstadt-Variante dann gar nicht mehr"

Der Vorteil liegt für ihn auf der Hand: "Dieser Teil ist technisch wesentlich unproblematischer und kann theoretisch in einem ersten Entwicklungsschritt auch mit Elektrobussen gelöst werden – nicht mit Oberleitungen, sondern mit einer im Boden verlegten Leitung. Technisch gibt es dazu viele Möglichkeiten." Vielleicht noch wesentlicher: Auch diese Strecke hat zwar eine Vorlaufzeit, bei der Trassenführung gibt es laut Struber allerdings keine Diskussionen. "Wir könnten damit das Landessportzentrum an den öffentlichen Verkehr anbinden. Und wer weiß: Wenn wir den Pendlern zwischen Hallein und Salzburg-Nonntal – von wo aus man ja leicht zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln in der Landeshauptstadt umsteigen kann – eine atraktive Alternative zum Auto bieten, kommen wir vielleicht sogar drauf, dass wir die unterirdische Variante vom Hauptbahnhof durch die Stadt gar nicht mehr benötigen", so Struber.

LR Hans Mayr: Wenn wir gesamte Strecke planen, dann bin ich dabei"

Bei Verkehrslandesrat Hans Mayr (SBG) kommt der Vorschlag durchwegs gut an. "Damit hätten wir für die Zielgruppe der Pendler zwischen Hallein und Stadt Salzburg ein tolles Angebot. Nicht gelöst wird damit aber der Strom an Pendlern aus dem Flachgau, die am Hauptbahnhof umsteigen müssen, um in den Süden der Stadt zu gelangen." Deshalb sei es wichtig, "jetzt den Mut zu haben, die gesamte Strecke zu planen. Wenn man sich darauf einigen kann, dann bin ich dabei", so Mayr zur Idee, die Strecke Salzburg-Nonntal bis Hallein bei der Realisierung vorzuziehen. Die Kostenschätzung für die Stadtregionalbahn beläuft sich laut den Berechnungen von Stadtregionalbahnbeauftragtem Willi Rehberg auf rund 900 Millionen Euro.

Bgm. Heinz Schaden: "Ich sehe den Segen nicht"

"Wenig Fantasie" hat der Vorschlag Strubers in den Augen von Salzburgs Bgm. Heinz Schaden (SPÖ): "Gut, wir sparen uns das Durchbohren des Zentrums. Die Anbindung aus Hallein in die Landeshauptstadt funktioniert ja mit der S-Bahn schon jetzt sehr gut. Ich sehe den Segen dieser Idee nicht wirklich." Außerdem halte er es "für nicht so gescheit", neben dem bestehenden Oberleitungssystem ein anderes Stromleitungssystem zu installieren. "Die nächste Stufe wird ohnehin sein, dass unsere jetzigen Obusse ohne Oberleitung, sondern mit Akkus fahren, die nachts in der Remise aufgeladen werden."

Wo die Trasse verläuft

Wo genau im Nonntal die Stadtregionalbahn – oder die Elektrobusse – starten könnten, ist offen. Ein bestehender Trassenvorschlag führt über die nun von LH Wilfried Haslauer, Bgm. Heinz Schaden und Mayr favorisierte "Zwerglgartenvariante" unter der Salzach durch, beim Klausentor in den Mönchsberg und bleibt im weiteren Verlauf auch im Berg – bis es im Nonntal wieder ans Tageslicht geht. Über die Alpenstraße – hier ist noch offen, ob in der Mitte und auf einem aufgeschüttetn Gleiskörper, oder am Fahrbahnrand – schnurgerade nach Anif. "Dort gibt es Gespräche mit Bgm. Gabrielle Gehmacher, denn sie wünscht sich die Trasse näher an den Siedlungen als derzeit vorgesehen", weiß Stadtregionalbahnbeauftragter Willi Rehberg.

Längere Fußwege für Obus-Umsteiger

In der "Zwerglgartenvariante", die nördlich der Staatsbrücke unter der Salzach durchführt, sieht Rehberg den Vorteil, dass die Innenstadt weniger in Mitleidenschaft gezogen wird. Nachteil: "Die Anbindung ist schlechter, die Menschen müssen mehr Fußwege in Kauf nehmen." Weil die Bahn großteils im Berg verlaufen würde, wären die Ausgänge in etwa dort, wo man auch aus der Mönchsberggarage herauskommt. Auf Seite der Linzer Gasse sind ein Ausgang direkt an der Salzach neben dem Café Bazar und ein weiterer an der Theatergasse vorgesehen.
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