15.10.2014, 10:25 Uhr

Stadtbaumeister für Sanierung der "Goldenen Ente" mit Salzburger Handwerkspreis ausgezeichnet

Wolfgang Hiegelsperger, Geschäftsführer der Sparte Gewerbe und Handwerk der WKS, Josef Mikl, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk der WKS, Karl Schilchegger jun. und sen., Firma Schilchegger GmbH & Co KG, Eben. (Foto: WKS)

Platz zwei und drei gingen an ein Pinzgauer und ein Pongauer Unternehmen – auch die Anerkennungspreise gingen ins "Innergebirg".

Auch heuer kürte die Wirtschaftskammer Salzburg wieder herausragende Leistungen aus Salzburgs Gewerbe und Handwerk. „Trotz des großen internationalen Konkurrenzdrucks erbringen Salzburgs Handwerksbetriebe zahlreiche herausragende Leistungen. Die Jury hatte es daher auch heuer besonders schwer, unter den hochwertigen Einreichungen die Besten zu küren“, betont Spartenobmann Josef Mikl.

"Unsere Klein- und Mittelbetriebe sind zu technisch ausgefeilten Lösungen ebenso fähig wie zu künstlerischen oder klassisch-handwerklichen. Längst haben sich die Betriebe modernste Planungs- und Fertigungstechnologien angeeignet. Das Zusammenwirken von Top-Ausbildung und Know-how in den Betrieben ermöglicht den Salzburger Handwerkern Erfolg auch im überregionalen Wettbewerb", so Mikl.

Im Rahmen der Meisterbriefverleihung – im übrigen an knapp 200 neue Meister ihres Faches – am kommenden Samstag werden auch die diesjährigen Handwerkspreise von der Wirtschaftskammer Salzburg feierlich überreicht. Der Öffentlichkeit vorgestellt wurden die Preisträger bereits am Dienstag.

Die Preisträger



1. Platz: Stadtbaumeister Franz Haubner Bau GmbH & Co KG, Salzburg, mit der Generalsanierung des Hotels „Goldene Ente“ in der Salzburger Altstadt

Zum Siegerprojekt wurde die Sanierung des Hotels Goldene Ente in der Salzburger Altstadt durch Stadtbaumeister Franz Haubner gekürt. Das Gebäude stellte bereits einen baulichen Problemfall in der Altstadt dar. Vorherige Sanierungsbemühungen waren gescheitert und Teile des Gebäudes drohten einzustürzen. Schließlich wurde eine Generalsanierung durch Stadtbaumeister Haubner mit größtmöglicher Umsicht und handwerklichem Können umgesetzt. Während der Umbauarbeiten wurden historische Elemente freigelegt und nach Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt etc. wiederhergestellt. Auf der rückwärtigen Hoffassade wurde der Vollwärmeschutz entfernt und ein altstadtgerechter Putz händisch aufgebracht. Die gesamte restliche Fassade wurde saniert, um das Gesamtbild der historischen Struktur wiederherzustellen. Weiters wurden die Fenster saniert bzw. ausgetauscht und alle Versorgungsleitungen sowie Kühl- und Lüftungsanlagen neu errichtet. Zusätzliche Herausforderungen waren die beengten Platzverhältnisse in der Goldgasse sowie die extrem kurze Bauzeit von knapp sechs Monaten (23 Wochen).


2. Platz: Niederegger & Haslinger GmbH & Co KG, Bruck an der Glocknerstraße, mit der Energiezentrale für die Wohnanlage „Rosa Zukunft“ in Salzburg

Das Projekt „Rosa Zukunft“ zeigt, wie Bauen im Jahr 2020 Standard sein könnte. Diese Anlage ist die erste Österreichs, die direkt auf die Energienetze reagieren kann. Die Wohnanlage verfügt über vier verschiedene eigene Energiequellen: ein mit Gas betriebenes Miniblock-Heizkraftwerk, eine Wärmepumpe mit sechs Tiefenbohrungen, einen Fernwärmeanschluss und eine Photovoltaik-Anlage. Eine Besonderheit ist der Pufferspeicher, der 90.000 Liter Wasser fasst und einer der größten ist, die je im österreichischen Wohnbau verwendet wurden. Die Aufstellung dieses Speichers war logistisch und technisch eine besondere Herausforderung. Dieser Pufferspeicher ist der Mittelpunkt des Kreislaufes. Hat er die maximale Temperatur erreicht, können im Winter alle Bewohner drei Tage lang allein über den Pufferspeicher mit Warmwasser versorgt werden. Zu den besonderen Herausforderungen zählten die Verschaltung der verschiedenen Energiesysteme und das Zusammenspiel der einzelnen Energiequellen. Sämtliche Arbeiten − vom Einbau bis zum Funktionieren der verschiedenen Energiequellen − wurden von der Firma Niederegger & Haslinger ausgeführt.


3. Platz: Kurt Schilchegger GmbH & Co KG, Eben, für die energietechnische Versorgung des neuen Towers der Austro Control am Salzburg Airport

Die elektro- und EDV-technische Versorgung des hochsensiblen Towers stellte an die ausführende Firma höchste Ansprüche. Es gibt kaum vergleichbare Gebäude in dieser Komplexität. Der Tower wird über zwei getrennte Stromnetze versorgt und inkludiert eine höchst komplizierte EDV-Anlage. Der Schaftbau des Turmes erfolgte in Gleitbauweise – die Herausforderung bei dieser Bauweise waren die Einlegearbeiten im Schichtbetrieb. Für die Befestigung der Betoneinlegedosen mussten spezielle Sonderkonstruktionen entwickelt werden. Alle Stockwerksverteiler mussten mit Ringleitungen versorgt werden, damit die Verteiler von zwei Seiten versorgt werden konnten. Realisiert wurde das Ganze dadurch, dass die Hauptverteiler, die Zuleitungen und die Steigschächte im Schaft sowie die Kabelwege brandschutztechnisch getrennt durch unterschiedliche Brandabschnitte geführt wurden. Dadurch können die Normalnetz-, Haustechnik- und USV-Hauptverteiler gekoppelt werden, sollte an der „Wurzel“ im Gebäude ein Fehler entstehen. Alle Kabel mussten durch Überspannungsableiter gegen Blitzeinwirkung geschützt werden. Alle EDV-Auslassdosen werden von zwei verschiedenen Anlageräumen versorgt. Wie auch bei der Elektroinstallation wurden die Kabel brandschutztechnisch auf getrennten Wegen und Steigschächten geführt. In der gesamten Anlage wurde ein Lichtwellenleiter(LWL-)Einblassystem verlegt.

Das Gebäude wird mit zwei getrennten Stromnetzen versorgt, die auch untereinander koppelbar sind. Dazu muss eine Seite mit einem Aggregat und die andere Seite über das Ortsnetz gespeist werden. Die Integration des neuen Flugsicherungskontrollturmes in das Energie- und Datennetz erfolgte über ein LWL-Einblassystem und zusätzlich durch unzählige Fernmeldekabel. Um den bestehenden Flugbetrieb zu gewährleisten, wurden während der Bauarbeiten alle Anlagen parallel eingebunden.

Anerkennungspreise gehen an drei Projekte


Bernadette Fritzenwallner, Kleinarl, mit der „Altausseer Lederhose“

Bei dem Projekt handelt es sich um die Arbeit einer Säcklerin, die auf einer alten Tradition basiert und in überzeugender Weise beherrscht wird. Die Altausseer Lederhose besteht aus schwarzem Hirschleder. Die ersten Arbeitsschritte waren das Zeichnen und der Zuschnitt der Hosenteile. Nach dem Zuschneiden des Zubehörs (Latzstock, Latzbunduntertritt, Leisterl, Messerleisterl, Taschenuntertritt, Taschenpassepoil und Taschensäcke) wurden die einzelnen Teile geklebt und der Bund gesteppt. Alle Stickereien wurden von Hand gemacht. Nach dem Besticken sind alle Teile abgesteppt und zusammengenäht worden. Die Arbeitszeit für diese Lederhose betrug rund 90 Stunden.


Steger Bautauf GmbH, Uttendorf, mit der Errichtung des neuen „Hannoverhauses“ in Mallnitz

Die Steger Bautauf GmbH hat das Hannoverhaus in extremer Höhenlage sowie unter schwierigen meteorologischen Bedingungen errichtet und gekonnt in die Umgebungslandschaft integriert. Das neue Hannoverhaus befindet sich in der Gemeinde Mallnitz am Etschsattel auf 2.566 Meter Seehöhe und wurde als Ersatz für das nicht mehr sanierbare alte Hannoverhaus errichtet. Die Hütte ist ein wichtiger Stützpunkt entlang des Tauernhöhenweges und verfügt über 100 Plätze im Gastronomiebereich sowie 60 Schlafplätze. Das Gebäude hat eine leicht überhängende Ostfassade und drei unterschiedlich geneigte Dachflächen. Die Tiefgeschosse wurden in den vorhandenen Hang eingebettet und in Stahlbetonbauweise errichtet. Die oberen Geschoße wurden in Holzmassivbauweise ausgeführt. Die Fassade wurde mit Lärchenholzschindeln belegt, wodurch ein sehr hochwertiger und ökologischer Wandaufbau erzielt werden konnte. Die größten Herausforderungen bei diesem Projekt waren die Witterungsverhältnisse im Hochgebirge und die Versorgung der Baustelle mit Baumaterial. Dazu wurde eine eigene vier Kilometer lange Materialseilbahn errichtet. Der Baukran und andere Geräte wurden für den Transport mit der Materialseilbahn in Einzelteile zerlegt und auf dem Berg wieder zusammengebaut. Um ein Entmischen des Betons während der Seilbahnfahrt zu verhindern, musste mit Betonzusatzmitteln eine geeignete „Rezeptur“ gefunden werden. Durch die überhängende Ostfassade, die drei verschiedenen Dachneigungen und die Schlafräumlichkeiten im Dachbereich ergaben sich mehrere komplexe Verschneidungen, die bautechnisch sauber und ohne Abdeckleisten gelöst werden mussten.


Werner Sedivy, Niedersill, mit dem Neuaufbau eines „Doktorwagens“

Bei dem Projekt von Werner Sedivy handelt es sich um eine vielfältige Sattlerarbeit unter Verwendung verschiedenster Materialien. Der Himmel und das Verdeck aus Baumwollstoff sind dem Original nachempfunden und in Maßarbeit angefertigt. Am Rand des Klappverdecks wurden Ziernägel angebracht. Die Rückenlehne wurde mit schwarzem Leder bezogen und in Rautenheftung bespannt. Die Sitzpolster und die kleine Bank wurden ebenfalls mit Leder bespannt und mit Ziernägeln umrandet. Am Sockel des Sitzbereichs sowie an den Seitenteilen findet man feine Hinterlegearbeiten, die in liebevoller Handarbeit angefertigt wurden.
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