28.11.2017, 00:00 Uhr

Wirtschaft trifft Feuerwehr: Im Notfall Helfer und Partner der Firmen

Beim Plusregion-Unternehmer-Talk waren sich alle einig: Eine Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Feuerwehren ist für alle Beteiligten von Vorteil – am Ende sogar für die ganze Gesellschaft.

In den meisten Unternehmen am Land gibt es sie: Freiwillige Feuerwehrfrauen und -männer, die nicht nur in der Freizeit alarmiert werden. Ob und wie Einsätze in der Dienstzeit möglich sind, das haben wir mit Unternehmern und Vertretern der heimischen Feuerwehren im Rahmen des Plusregion Unternehmer-Talks ergründet.

PLUSREGION (ap). Nicht wegzudenken ist ihr unermüdlicher Einsatz für die Gesellschaft. Doch auch Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren in der Plusregion gehen selbstverständlich auch ihren eigentlichen Jobs nach.

Der Notfall kennt keine Dienstzeit

Im Alarmierungsfall ist man darauf angewiesen, dass – trotz Dienstzeit im Job – genügend Helfer erscheinen, um mit den Einsatzfahrzeugen auszurücken. Neben den demografischen Gegebenheiten, wonach viele Feuerwehrler nicht in ihrem Heimatort arbeiten und demnach nicht kurzfristig ausrücken können, könnte auch fehlende Akzeptanz zur Freistellung der Mitarbeiter im Einsatzfall von Unternehmen zum Problem werden.


Nicht so in der Plusregion

„Das Problem haben wir in der Plusregion Gott sei Dank nicht. Hier zeigen die Firmen durchaus viel Verständnis für ihre Mitarbeiter bei der Feuerwehr“, weiß Malermeister Mario Aspetzberger aus Straßwalchen, der einen Großteil seiner Freizeit im Freiwilligendienst bei der Feuerwehr als stellvertretender Hauptwachekommandant bestreitet. Einer dieser verständnisvollen Unternehmer ist Hanspeter Stangl, Juniorchef der Firma Stangl Reinigungstechnik. Unter seinen Mitarbeitern befinden sich an allen drei Standorten insgesamt rund 20 Florianis, die – wenn es irgendwie möglich ist – für Einsätze freigestellt werden.
„Die Freiwilligen leisten einen derart wichtigen Beitrag für die Gesellschaft – das muss man einfach unterstützen“, so Stangl, der selbst seit seinem elften Lebensjahr bei der Feuerwehr aktiv dabei ist. „Wenn es sich um Großeinsätze,, beispielsweise nach Überflutungen, Murenabgängen oder andere Katastrophen handelt, die vielleicht mehrere Tage in Anspruch nehmen, dann können das unsere Mitarbeiter durchaus abschätzen, wie lange sie dem Betrieb mit ihrer Arbeitskraft fernbleiben. In stressigen Zeiten oder wenn mehrere Leute aus einer Abteilung im Einsatz sind, ist das natürlich schon wichtig, dass der Betrieb keinen zu großen Schaden durch den Arbeitsausfall nimmt“, argumentiert Stangl. Für das Engagement um die Freiwillige Feuerwehr wurde seine Firma im Vorjahr als feuerwehrfreundliches Unternehmen ausgezeichnet. „Der Award wird nur alle zwei Jahre übergeben und das Unternehmen muss dafür extern von einer Feuerwehr nominiert werden. In unserem Fall erfolgte die Nominierung durch den Löschzug Steindorf. Man kann sich also gar nicht selber dafür bewerben und muss Kriterien – wie Arbeitskräfte im Notfall freistellen sowie eine generelle Unterstützung der Feuerwehren – erfüllen “, so Stangl.


Übungen am Firmengelände

Auch wenn er selbst nicht bei der Feuerwehr aktiv ist, betont Bernit-Geschäftsführer Jörg Wagner, wie wichtig es ist, die Freiwilligen zu unterstützen. „Wir lassen bei uns im Unternehmen sehr gerne Übungen durchführen. Zum einen, um eine realistische Einsatzsituation zu Trainingszwecken zu bieten, zum anderen aber auch im Hinblick auf den Ernstfall. Wenn die heimischen Feuerwehrleute über unseren Betrieb und die sehr speziellen örtlichen Bedingungen – bei uns ist der Produktionsbereich sehr dunkel und zwischen den Maschinen schwer zugänglich – bescheid wissen, dann können Sie im Einsatzfall auch besser reagieren“, so Wagner, der auch seine im Betrieb angestellten Feuerwehrmänner bei Bedarf – und wenn es die Arbeitsplanung irgendwie erlaubt– freistellt.


Eine Forderung an die Politik

„Dass der Ernstfall nicht nur Theorie, sondern ganz schnell Realität werden kann, zeigt sich mit rund 80 Einsätzen pro Jahr. Gerade in der jüngsten Vergangenheit, als ein Haus in Steindorf gebrannt hat, waren viele Mitarbeiter aus umliegenden Firmen im Einsatz“, weiß Adi Schmidt, selbstständiger Elektrotechniker und stellvertretender Ortsfeuerwehrkommandant bei der FF Straßwalchen. Seit 28 Jahren ist er aktives Mitglied und froh über die derzeitige Situation: „Wenn wir die Unterstützung seitens der Gemeinden, die Einsatzstärke und die Qualität der Ausbildungsarbeit – von der Jugendarbeit bis zu den Übungen – weiterhin so erhalten können, dann müssen wir zufrieden sein“, so Schmidt. Und Mario Aspetzberger ergänzt: „Einzig die hohe Politik müsste sich noch Gedanken machen. Eine Ausgleichszahlung oder ein Bonus-Malus-System für entgangene Arbeitsleistung im Katastropheneinsatz ist schon lange im Gespräch, diese Diskussionen schlafen aber nach jedem
Akutfall schnell wieder ein.“

„Nachrechnen will ich gar nicht“

Auch wenn die Einsatzleiter darauf achten, dass einzelne Helfer wieder rasch an den Dienstort zurückkehren können, kommen im Extremfall schon einige Stunden Arbeitsausfall zusammen. „Als Unternehmer rechnet man das aber nicht nach. Ich bin selbst beim Einsatz wenn es möglich ist“, betont der Reinigungsprofi Hanspeter Stangl. „Und eigentlich sind es nicht nur wir Firmen, die geben, sondern wir bekommen ja auch von den Feuerwehren einiges zurück. Beispielsweise erhielten unsere Mitarbeiter eine kostenlose Feuerlöscherschulung samt Vorführung. So können sie im Ernstfall nicht nur in der Firma richtig reagieren, sondern auch zuhause.“


Frauen stehen durchaus ihren Mann

Nicht ohne Bedeutung bei ihrer Jobwahl war für Manuela Weiser dass es sich bei der Firma Stangl um einen „Feuerwehrfreundlichen Arbeitgeber“ handelt. „Ich bin seit meinem zehnten Lebensjahr bei der Feuerwehr. Wenn ein Unternehmen Verständnis für dieses Engagement zeigt, dann hat man gleich eine emotionale Verbindung“, schmunzelt die Feuerwehrfrau in Richtung ihres Chefs. Ihr Papa ist bei der Feuerwehr und auch ihr Freund – „ich bin also schon ein bissl vorbelastet“, so Weiser, die davon überzeugt ist, dass Frauen in dieser männerdominierten Welt eine gleichwertige Funktion einnehmen können: „Ich mache nichts anderes als meine männlichen Kollegen und habe neben allen technischen Grundausbildungen auch die Atemschutzausbildung.“


Feiwilligenengagement als Hindernis?

Die Frage, ob Bewerber, die bei der Feuerwehr sind, im Rahmen eines Vorstellungsgespräches im Betrieb einen Nachteil haben, verneint Bernit-Firmenchef Wagner klar: „Wer seine Freizeit unentgeltlich in den Dienst der Allgemeinheit stellt, der ist von der Persönlichkeit her schon sicher ein wertvoller und loyaler Mitarbeiter. Und wenn die Firma dieses Engagement auch unterstützt, dann trifft man sich auf einer emotionalen Ebene, die für beide Seiten nur positiv sein kann“, so Wagner.


Ein DANKE an die Gemeinden

Generell waren sich beim Unternehmer-Talk der Plusregion alle einig: Die Gemeinden unterstützen die Feuerwehren wo immer es ihnen möglich ist – von modernsten Feuerwehrhäusern bis hin zur Unterstützung bei Anschaffungen. „Nicht zu unterschätzen ist auch die Arbeitsleistung der Gemeindebediensteten. Sie dürfen nicht selten während ihrer Dienstzeit ausrücken oder nach dem Akutfall Aufräumarbeiten am Ort des Geschehens übernehmen. Das ist eine nicht zu unterschätzende Leistung“, so Adi Schmidt.


Wenn der Chef kein Verständnis hat

Vereinzelt gibt es sie aber doch – die Chefs, die nichts für Einsätze während der Dienstzeit übrig haben: „Denen kann man das oft gar nicht verübeln, weil wenn man nicht selbst bei der Feuerwehr ist, kann man die Bedeutung schwer einschätzen“, so Stangl und Aspetzberger ergänzt: „Diese Unternehmer sind aber herzlich dazu eingeladen, sich beim Kommandanten im Ort zu informieren, wenn ein Mitarbeiter nach einer Freistellung fragt. Dann kann man auch abklären, unter welchen Rahmenbedingungen das für alle passt.“
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.