"Ich habe schon Staatspräsidenten geführt"

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SCHÄRDING. Warum ihm die Entscheidung schwer fiel, womit er Kinder ins Museum locken will und was er von virtuellen Welten hält erzählt er im Interview.

Sie beerben ja Nobert Leitner, der die Funktion des Stadtmuseumsleiters mehrere Jahrzehnte inne hatte. Ein schweres Erbe?
Ludwig Vogl: Nein, ist es auf keinen Fall. Norbert Leitner hat das Museum in einem guten Zustand hinterlassen. Und ist sehr kooperativ. Wenn Fragen auftauchen, dann ist kann ich mich jederzeit an ihn wenden. Darüber hinaus haben wir im Stadtmuseum zwei hauptberufliche Mitarbeiter, die das Tagesgeschäft machen. Ich bin in erster Linie für das Organisatorische zuständig, und diese Aufgabe ist, aufgrund meiner Tätigkeit als Ausstellungsleiter der Oö. Landesausstellungen, nichts Neues für mich.

Ihr Vorgänger wollte ja schon länger seine Tätigkeit als Kustos niederlegen. Es fand sich aber lange Zeit kein Nachfolger. Wieso ist es in der heutigen Zeit so schwer Ehrenamtliche für eine solche Aufgabe zu finden?
Ehrenamtliches Engagement ist ein Zeitaufwand, den viele heute nicht mehr auf sich nehmen wollen. Aber ohne Ehrenamt funktioniert eine Gesellschaft, wie wir sie heute haben, nicht. Ehrenamtliche Tätigkeiten sind eine Stütze für die Gesellschaft – und für mich selbstverständlich.

Was hat Sie dazu bewogen, die Stadtmuseumsleitung zu übernehmen?
Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich hab mir lange damit Zeit gelassen. Denn wer mich kennt, weiß, dass ich keine halben Sachen mache. Wenn ich ein Amt übernehme, dann zu 100 Prozent. Und die große Frage hier war für mich der Faktor Zeit. Da habe ich einige Gespräch mit Kulturstadtrat Christoph Danner und Bürgermeister Franz Angerer geführt, wie wir es anlegen können, dass es funktioniert. Da ich ja auch noch voll im Beruf stehe. Als die Frage der Zeit geklärt war, habe ich mich in erster Linie auf die schöne und interessante Aufgabe gefreut, die vor mir liegt. Denn das Stadtmuseum zu führen, ist mehr als spannend – vor allem, da ich ja auch Schärdinger bin.

Welche Mittel stehen dem Stadtmuseums-Kustos zur Verfügung?
Es gibt kein konkretes Budget. Das wird je nach Anlass besprochen und angelegt. Ich habe hier eine gute Gesprächsbasis mit Kulturstadtrat und Bürgermeister. Die Stadtpolitik ist sehr interessiert daran, dass das Stadtmuseum erhalten bleibt.

Was zeichnet das Stadtmuseum Schärding aus?
Schon alleine durch seinen Standort, im ehemaligen Burgtor, ist das Museum als Gebäude Zeitzeuge der Schärdinger Vergangenheit und sehenswert. Und ein Rundgang durch das Museum gibt einen kompakten Überblick der Entwicklung der Stadt, über alle Zeitspannen hinweg – von der Steinzeit über die Römerzeit, Renaissance bis hin Barock und Neuzeit. Man taucht dabei regelrecht in die Geschichte ein.

Ihr Lieblingsraum im Museum?
Hab ich eigentlich keinen. Das ganze Ensemble an sich macht den besonderen Reiz aus.

Wie sieht eigentlich die Besucher-Frequenz aus?
Ich habe darüber noch keinen so großen Überblick. Aber obwohl die Besucherzahlen ein wichtiger Faktor sind, ist mir etwas anderes noch wichtiger: die Akzeptanz der Besucher. Da habe ich lieber weniger Leute, die jedoch empfehlen das Museum weiter.

Was haben Sie als nächstes für Ausstellungen geplant?
Ich bin erst seit einem Monat da, da habe ich die Welt noch nicht umgerissen. Aber es gibt gute Gespräche mit Privatpersonen, die einen tollen Fundus daheim haben. Und auch Gespräche mit dem Stadtarchiv, das einige interessante Exponate besitzt, die dort ja nicht frei zugänglich sind.

Wie wollen Sie frischen Wind in das Stadtmuseum bringen, oder braucht's das eh nicht?
Ich habe da schon einige Ideen, aber ganz große Veränderungen braucht's nicht. Das Museum ist gut aufgestellt. Was wir bestimmt einmal angehen werden, ist eine zeitgemäße Präsentation der Objekte. Mir ist in einem Museum immer wichtig, dass diese selbsterklärend sind. Also Raumtexte, Exponatsbeschreibungen vorhanden sind. Die Besucher sollen sich nicht fragen: Was ist denn jetzt das für ein Bild? Auch das Thema Kulturvermittlung ist zu überdenken, sprich: Führungen. Dann will ich die Museumspädagogik erweitern. Soll heißen: Schulklassen sollen ein gutes Programm erhalten. Denn die Kinder sind schließlich die zukünftigen Besucher. Ich denke da an die spielerische Aufbereitung unterschiedlicher Themenbereiche.

Sie sind ja auch Ausstellungsleiter der Oö. Landesausstellungen für die Kulturabteilung im Amt der Oö. Landesregierung. Lässt sich das gut mit den anstehenden Tätigkeiten als Stadtmuseumsleiter verknüpfen?
Ja, die Schnittmenge ist da riesengroß. Denn ich profitiere dabei von meinen vielfältigen Erfahrungen, den ich als Landesausstellungsleiter gemacht habe. Etwa bei der konservatorischen Betreuung der Exponate. In Sachen PR und Marketing, da habe ich etliche Interviews und Fernsehauftritte hinter mir. Aber auch in Punkte Personalführung, Ausstellungsgestaltung, der Zusammenarbeit mit Wissenschaftern und Kulturvermittlung habe ich viel Erfahrung. Ich habe sicher schon 2.500 Führungen gemacht – auch mit Staatspräsidenten. Und zu guter Letzt verfüge ich über ein großes Netzwerk.

Was braucht ein Stadtmuseumsleiter? Drei Worte.
Ein umfassendes, geschichtliches Wissen, kommunikative und rhetorische Fähigkeiten und organisatorisches Geschick.

Wie viel Zeit muss man in ein Amt wie die Stadtmuseumsleitung investieren?
Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Je nach Anlass mal mehr, mal weniger. Ich muss ja als Leiter nicht immer vor Ort sein. Es wird sich auf jeden Fall zu einpendeln, dass es sich mit meiner hauptberuflichen Tätigkeit gut verträgt. Dazu braucht's aber eine gewisse Planung.

Wo sehen Sie das Stadtmuseum Schärding in 20 Jahren?
Ich bin überzeugt, dass die multimediale Welt, wie überall, auch im Stadtmuseum Schärding Einzug halten wird. Aber eines ist klar: Keine virtuelle Wirklichkeit wird je den Besuch im Museum selbst ersetzen.

Öffnungszeiten des Stadtmuseums

Das Stadtmuseum ist von 1. Mai bis 30. Oktober jeden Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Eintrittspreise: Erwachsene zahlen 2,20 Euro, Karten für Kinder ab 6 Jahren und ermäßigte Karten kosten 1,50 Euro. Führungen werden nur während der Öffnungszeiten und nach Anmeldung beim Tourismusverband Schärding unter info@schaerding.info oder Tel. 07712/4300 0 angeboten.
Telefonisch ist das Stadtmuseum Schärding unter folgender Nummer während der Öffnungszeiten erreichbar: 07712/3154 700. Infos gibt's auch unter www.stadtmuseum.schaerding.at

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