Ein sehr langer Weg von Hintertux nach Schmirn und zurück

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Wo: Tuxer Joch, 6293 Tux auf Karte anzeigen

Tux/Schmirn (fw). Bis 1483 haben die Hintertuxer ihre Toten auf der anderen Seite des Tuxer Jochs begraben. Der Pfarrzwang wollte das so. Außerdem existierte unterhalb der Alpeiner Scharte bzw. oberhalb der Geraer Hütte ein Bergwerk. Es ist eine Wanderung auf historischen Wegen. Reinhard begleitet mich.

Mehr als 500 Jahre später ist der Parkplatz der Hintertuxer Gletscherbahnen Startpunkt für eine historische Wanderung. Durch den Wald steigen wir auf bis zur so genannten „Isse“. Auf 1.695 m trifft der Waldweg hier auf den Weg von der Bichlalm. Linker Hand geht’s über eine Forststraße zum Sommerberg, rechts durchs Weitental zum Tuxer Joch. Wir entscheiden uns für Variante zwei, passieren den „Schleierwasserfall“ und wandern durch das Weitental mit dessen herrlicher Blütenpracht und vorbei an vielen Murmeltieren. Bis auf wenige Meter kann man sich den kleinen Nagern nähern, ehe sie wieder in ihrem Bau verschwinden. Als wir beim Tuxer Joch-Haus auf 2.340 m Seehöhe ankommen, sind gut zwei Stunden seit unserem Start vergangen. Man stelle sich vor, hier einen Sarg samt Leichnam tragen zu müssen, ... allein der Weg aufs Tuxer Joch wäre schon sehr mühevoll.

„Wer war eigentlich der oder die letzte Verstorbene aus Hintertux?“, fragt mich Helga Beermeister vom Tourismusverband Wipptal beim Essen am Tuxer Joch. Ihre Recherchen für eine Publikation zur Alpingeschichte des Bergsteigerdorfes Schmirntal sind der eigentliche Grund für diese Tour. Ich würde ihr gerne weiterhelfen, aber „das weiß niemand. Matrikenbücher zum Eintragen von Geburten, Hochzeiten oder Todesfällen hat es erst nach dem Konzil von Trient (1545 – 1563, Anm.) gegeben. Fix sind nur allerhand Erzählungen darüber“. Gemeinsam mit ihr und ihrer Freundin Doris steigen wir an unzähligen Lärchen vorbei vom Tuxer Joch ab. Nach Kaffee und Kuchen im Gasthaus Kasern (nicht nur ungewöhnlich groß, sondern auch sehr gut) geht’s durch einen Waldsteig weiter zu unserem Nachtquartier in Toldern. Diese Ferienwohnung ist wohl nicht vergleichbar mit jener Kammer beim „Steckholzer“, die bis ins 15. Jahrhundert Nachtlager für die „Fruitschaft“ (Verwandtschaft) war, bevor am nächsten Tag die letzten Kilometer bis zum Friedhof warteten. „Hans Stockhammer, der ehemalige Chronist von Steinach am Brenner hat uns bei den Dreharbeiten für eine Dokumentation im Jahr 2003 erzählt, dass immer mehr Menschen auf dem letzten Weg eines Toten mitgingen, je näher der Begräbniszug zur Kapelle von Mauern (zu Ehren der heiligen Ursula und der 10.000 Jungfrauen, Anm.) kam.“ An die Begräbniszüge erinnern heute drei gusseiserne Kreuze am Friedhof von Mauern.

Tag zwei: Ein Stück Tiroler Bergbaugeschichte

Das Gasthaus „Olpererblick“ in Toldern trägt aus gutem Grund diesen Namen, denn man blickt direkt auf die Hinterseite des 3.476 m hohen Berges und den benachbarten Fußstein. „Ihr müsst rein ins Wildlahnertal und kommt in dreieinhalb Stunden zur Geraer Hütte unterhalb der Alpeiner Scharte“, erklärt uns Wirtin Kathrin. Die vielen Fotomotive am Weg lassen aber schnell viereinhalb Stunden daraus werden. Auf dem Weg Nr. 525 zur Hütte über das „Steinerne Lamm“ verlieren wir zudem a) im Schneefeld die Wegmarkierung und b) aufgrund einiger Klettereien beim Abstieg vom Grat mindestens 20 Minuten Gehzeit.

„Da oben steht noch eine Stütze. Die Seilbahn ist unter Aufsicht der Nationalsozialisten (von Zwangsarbeitern) in den Kriegsjahren für ein Bergwerk errichtet worden. Geplant war der Abbau von Molybdän (für die Rüstung), aber in Betrieb genommen wurde es nie“, sagt Reinhard. Er war vor drei Jahren erstmals auf der Hütte. Von hier aus würde man über die Alpeiner Scharte auf über 2.900 m Seehöhe zur Olperer Hütte und weiter zum Schlegeis-Stausee kommen. Wir wollen aber wieder nach Hintertux.

Nach einer Hütteneinkehr geht’s wieder 200 hm bergauf zum „Steinernen Lamm“ und über die „Peter-Habeler-Runde“ zur Kaserer Scharte. Da müssen Täler durch- und Schneefelder überquert werden. Sobald man diese 500 hm bergab und rund 400 hm wieder bergauf hinter sich hat, dauert der Rückweg bis zur Sommerbergalm oberhalb von Hintertux zwar noch mindestens zweieinhalb Stunden, aber mit Ausnahme weniger Anstiege ist dann Schluss mit den vielen Höhenmetern bergauf. Wichtig: Ausreichend Wasser und Jause sollte man auf alle Fälle mithaben.

An der Kaserer Scharte angekommen, geht der Blick geradeaus hinüber zur Frauenwand und runter in Richtung Kleegrubenscharte. Sollte sich am Weg bergab Durst bemerkbar machen – Quellwasser aus einem Bächlein gibt es erst wieder auf halbem Weg von der Kleegrubenscharte runter zur Sommerbergalm. Dafür schmeckt es dann umso besser.

Bis zur Ankunft auf der Sommerbergalm um 16.45 waren wir mit einigen Zwischenstopps zum Fotografieren, Essen und Trinken insgesamt neuneinhalb Stunden unterwegs. Wir empfehlen daher eine zweite Übernachtung auf der Geraer Hütte. Deshalb darf der allerletzte Abstieg mit der Gondelbahn genossen werden. Es war ein langer, mühevoller und schöner Weg.

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