07.09.2016, 11:24 Uhr

RMagazin Schmuckstück: Burg Freundsberg – Heimatmuseum der Stadt Schwaz

Die Burg Freundsberg in Schwaz (Foto: Anton Prock)

Lieblingsort für viele Schwazer mit einer ereignisreichen Historie: Die Burg Freundsberg ist wunderschön erhalten und beheimatet heute das Heimatmuseum der Stadt Schwaz und eine Burgschenke.

Auf einem rund 170 m über dem Talboden gelegenen Hügel erhebt sich die Burg Freundsberg, von den Schwazern als Schlössl bezeichnet. Die Ursprünge gehen ins 12. Jahrhundert zurück, als die Herren von Freundsberg dort den Stammsitz ihrer Familie errichteten. Sie hatten den Gerichtssitz inne und wohnten dort bis 1467. Dann übertrugen sie ihren Besitz an den Tiroler Landesfürsten Erzherzog Sigmund den Münzreichen und wechselten nach Mindelheim in Süddeutschland.

Erzherzog Sigmund von Österreich, Graf von Tirol, nannte die Burg Siegmundsruh, was sich jedoch nicht durchsetzte. Er ließ 1472-1475 die Anlage im Stil der Spätgotik umbauen. Es folgten verschiedene Besitzer, denen Freundsberg als Pfand übergeben wurde.

Vom ersten Turm um 1170 ist noch das untere Drittel des Bergfrieds erhalten. Um 1250 wurde der Turm erhöht. Damals entstanden auch die Mauern des Palas, des Wohnbereichs, der heute das Langhaus der Schlosskapelle beherbergt. In der Pestzeit wurden 1634-1637 der Palas und die Kapelle zur neuen Schlosskirche umgebaut, die dem Pestheiligen Jakobus d. Ä. sowie den Vierzehn Nothelfern geweiht ist.

Ein Teil der Anlage ist heute ein Gastronomiebetrieb. Der schon von Weitem sichtbare mächtige Bergfried beherbergt das sehenswerte Heimatmuseum, dem wir uns nun kurz zuwenden. Hier wird die Vergangenheit von Schwaz in würdigem Rahmen dokumentiert. Ein Gang durch das Museum ist ein Gang durch die Geschichte der Stadt. Vorrangig sind natürlich die Erinnerungsgegenstände an die Zeit des Bergbaus, den Abbau und die Verarbeitung von Silber und Kupfer ab Beginn des 15. Jahrhunderts. Neben Schlägel und Eisen, den beiden wichtigsten Arbeitsgeräten der Knappen, sind zahlreiche andere Behelfe sowie Lampen, Mineralien, Modelle, Abbildungen etc. zu sehen.

Eine weitere Abteilung ist der Tradition gewidmet. Dazu gehört u. a. das Schützenwesen mit Fahnen, Trommeln sowie Bildern. In diesem Zusammenhang sind auch die Freiheitskämpfe von 1809 zu sehen, bei denen Schwaz fast zur Gänze durch Feuer zerstört wurde. Alte Gasthausschilder, Schmiedearbeiten, Zunftzeichen etc. erinnern an ehemalige Wirtschaftsbetriebe, die Schwaz ihren Stempel aufdrückten. Dazu gehörte etwa die Majolikafabrik. Auch der Kunst von der Barockzeit bis in die Gegenwart mit Werken von Anna Maria Moser (1758-1838), Ludwig Penz (1876-1918) und anderen Künstlern ist ein Abschnitt gewidmet. Eine weitere Abteilung befasst sich mit der Zeitgeschichte der Bezirkshauptstadt.

Erzherzog Sigmund ließ im fünften Stockwerk eine kleine Wohnung einrichten, bestehend aus Vorraum, Küche, Trinkstube und Schlafgemach. Im Schlafgemach sind noch die farbenfrohen Wandmalereien von Jobst Weninger, entstanden um 1475, erhalten. Da Freundsberg ja eine Jagdburg war, können hier Abbildungen von Jägern und einheimischen Jagdtieren, umrahmt von Ranken, besichtigt werden.

Für kulinarische Bedürfnisse gibt es die Burgschenke, deren Herzstück der einstige Rittersaal ist. Besonders empfehlenswert ist der Ausblick, liegen doch Schwaz und das Inntal der Burg zu Füßen.


Zum Autor:

Anton Prock ist nicht nur Direktor der NMS 1 Jenbach, sondern auch Kunsthistoriker und als solcher seit über 20 Jahren in der Ausbildung der Tiroler Fremdenführer tätig. In Kürze erscheint ein Führer durch Schwaz in Form einer Broschüre. Mehr Informationen auf www.antonprock.at
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