Es geht uns gut

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Hoffentlich ist Ihnen - so wie mir - bewusst, wie gut es uns eigentlich geht. Und damit meine ich: wirklich gut. Denn die wenigsten von uns müssen sich Gedanken darüber machen, ob und wie wir den nächsten Tag überleben werden. Erst an Tagen wie diesen, an denen uns Bilder in Zeitungen und im Fernsehen begegnen, die von Hunger und Elend berichten, relativieren sich wieder die Dinge. Relativiert sich wieder unser Leben. Denn in Ostafrika droht einer halben Million Kindern der Hungertod, laut UN sind fast elf Millionen Menschen von der Hungerkatastrophe betroffen. Die Folgen der Dürre am Horn von Afrika werden immer dramatischer, denn die gesamte Region ist der schlimmsten Dürre-Periode seit sechzig Jahren ausgesetzt.

„Das große Drama ist Somalia“, so der österreichische Caritas-Präsident Franz Küberl. Unermessliche Trockenheit falle mit einer „entsetzlichen politischen Situation“ zusammen, was einem Super-Gau für die Bevölkerung gleichkomme. Immer mehr Somalis sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und nach Kenia zu flüchten. Für viele ein Marsch in den Tod. Ältere Kinder tragen jüngere Geschwister, die Schwächsten bleiben irgendwann zurück…

Vor einigen Tagen las ich auf kurier.at einen Bericht über die hochschwangere Weheleey Osman Haji aus Somalia, deren letzter Hoffnungsschimmer ein Lager in Kenia war, von dem man ihr erzählt hatte. Doch 80 Kilometer vom Flüchtlingscamp Dadaab entfernt setzten die Wehen ein und die 33-Jährige brachte ein Mädchen zur Welt, dem sie den Namen Iisha schenkte, was frei übersetzt „Leben“ bedeutet.

Doch auch ein Erreichen des kenianischen Lagers Dadaab sichert das Überleben nicht, denn die Helfer im größten Flüchtlingslager der Welt sind heillos überfordert. Für 90.000 Menschen angelegt, drängen sich dort mittlerweile mehr als 400.000 Verzweifelte. Und werden täglich mehr. Die UN spricht seit fast 30 Jahren erstmals von einer Hungersnot.

Unsere Welt, das Leben, jeder Augenblick ist zerbrechlich. Wir haben das unglaubliche Glück, NICHT in einem Land geboren worden zu sein, in dem das Überleben keine Selbstverständlichkeit ist. Ist uns eigentlich bewusst, wie privilegiert wir sind? Unsere sogenannten Probleme sind – so sie nicht gesundheitlicher oder existentieller Natur sind – keine wirklichen Probleme in Vergleich zu dem, was nun den Menschen in Afrika widerfährt.

Afrika. Kleine Menschenkörper. Schokofarbene Haut, die wie Leder ihre ausgehungerten, mageren Körper umspannt. Große dunkle Augen, die fragend in jene ihrer Mutter blicken und nicht verstehen können, was da mit ihnen und ihresgleichen geschieht. Was haben diese Kinder in ihrem zarten Alter bereits verbrochen, um ein solches Leid über sich ergehen lassen zu müssen? Krieg. Wo ist da die Hoffnung auf eine Welt, die voller Liebe und Schönheit steckt? Es sind die internationalen Helfer, die diesen Menschen Trost und Mut spenden und ihnen vielleicht auch den Glauben an ein besseres und glücklicheres Leben zurückgeben. Ihnen den Glauben an Hoffnung und Liebe wiederschenken.

Szenenwechsel nach Österreich. Der Sommerschlussverkauf ist in vollem Gang. Wie leichtfertig werden fünfunddreißig Euro für irgendein x-beliebiges Kleidungsstück ausgegeben, das - kaum erstanden - schon wieder in den tiefsten Tiefen unseres Schrankes verschwindet. Fünfunddreißig Euro bedeuten für die meisten von uns nicht die Welt, doch in Afrika entscheiden sie über Leben und Tod. So gesehen kann der Verzicht auf ein belangloses Shirt eine Familie in Afrika einen Monat lang ernähren. Aber wer weiß, ob das Geld überhaupt dort ankommt, wo es tatsächlich benötigt wird, mögen nun die einen denken. Und die anderen: Selbst wenn ich spende, so ist das doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

All diese Argumente haben ihre Berechtigung und sind auch mir nicht fremd. Und doch frage ich mich angesichts der tragischen Bilder, die uns in Zeitungen und Fernsehen nun schon seit Tagen begleiten: Haben wir, die wir in solch einem Überfluss leben, dass wir Lebensmittel in Massen vernichten, weil sie unserem Standard nicht mehr entsprechen – haben wir nicht verdammt noch mal die Pflicht, einen kleinen, einen winzig kleinen Beitrag für jenen Teil der Welt zu leisten, der nicht jenes Glück hatte? Stell dir vor, du kämst in deinem nächsten Leben in Afrika zur Welt…

Jeder einzelne von uns, so polemisch das nun klingen mag, hat bis zu einem gewissen Grad die Macht über Leben und Tod. Wir können wegsehen und Erklärungen finden, weshalb Hilfe nicht möglich ist. Oder wir können in unserem bescheidenen Rahmen handeln und das Beste hoffen. Hoffen, dass wir einen kleinen Mosaikstein hinzufügen können, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Schenken wir Iisha und ihrer Mutter ein klein wenig Hoffnung auf Leben.

Denn Hoffnung wird niemals auszurotten sein. Keine Religion, kein Krieg, keine Atombombe kann sie jemals vernichten. Sie wird überall wieder von Neuem sprießen. Und sei der Boden noch so unfruchtbar, sei der Samen auch noch so dünn gesät, würde die Trockenheit noch so lange andauern. Sie überdauert Zeiten der Krankheit, Trauer und Not und hilft uns, den Blick wieder nach vorne zu wenden. Und mit der Hoffnung ist es so wie mit der Liebe. Wenn du sie weiterschenkst, wird sie eines Tages zu dir zurückkommen…

Caritas-Präsident Franz Küberl zum KURIER: “Wir müssen jetzt rasch handeln -- ehe es zu spät ist. Die Hilfe für die verzweifelten Menschen ist eine echte Nagelprobe für das Weltgewissen.”

Handeln wir also und schenken Hoffnung. Denn: Es geht uns gut…

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Noch mehr Lesestoff gibt's hier: http://www.gesundheit.co.at/

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Gerd Altmann/dezignus.com / pixelio.de

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