„Glaubenskirche im Gespräch…“ zu Novemberpogrom und neuen Radikalismen
„Es gibt immer das Wort davor“

Pfarrerin Anna Kampl im Interview mit Historiker Martin Krist vom Netzwerk erinnern.at
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„Ich glaube schon, dass man aus der Geschichte lernen kann. Die Frage ist, ob man das will.“ Es gelte jedenfalls äußerst wachsam zu sein, dass sich Geschehnisse wie unter den Nazis nicht wiederholen. Sagt der Historiker Martin Krist bei der zweiten Auflage der Gesprächsreihe „Glaubenskirche im Gespräch mit…“, diesmal zum Thema „Aus der Geschichte lernen“. Zeitzeugin Erika Kosnar appellierte, niemals aufs Mensch-Sein zu vergessen

27 Ermordete, 88 Verletzte! 6.547 verhaftete Männer, 4.000 geplünderte oder zerstörte Geschäfte. 2.000 geplünderte Wohnungen. Und zerstörte Synagogen – wie etwa der in Schutt und Asche gelegte Simmeringer Tempel in der Braunhubergasse. Das ist die Wiener Bilanz des Novemberpogroms von 1938.

„Es war ein Probelauf für die Nationalsozialisten, was alles möglich ist“, so Krist bei „Glaubenskirche im Gespräch mit….“, diesmal bewusst am Abend des 9. November und damit am 81. Jahrestag des Pogroms angesetzt. Ein Probelauf, der aus Sicht der Nazis erfolgreich verlaufen ist. Denn auch, wenn in der Bevölkerung den an den Juden begangenen Verbrechen nicht allgemein zugestimmt wurde, definitiver Widerstand regte sich nicht.

„Junge Menschen zu kritischen Menschen machen“

Umso wichtiger sei es, die Gesellschaft von heute und insbesondere die Jugend über diese Verbrechen zu informieren, um ähnliche Geschehnisse bestmöglich zu verhindern. Ein völliges Immunisieren dagegen sei wohl nicht möglich, aber „wir können versuchen, junge Menschen zu kritischen Menschen zu machen“ – die bei entsprechenden Entwicklungen nicht einfach zusehen, so Krist, der sich als Wien-Koordinator des Netzwerks erinnern.at dem Gedächtnis der Verbrechen des Nationalsozialismus und dem Kampf gegen ein Wiederaufflammen totalitären Denkens verschrieben hat.

Demokratie zu selbstverständlich geworden

Ein Kampf, der für den Historiker zuletzt in Europa, insbesondere Osteuropa, aber auch Österreich, neue Aktualität erlangt habe. Ob sich Vergleichbares wie das NS-Regime wiederholen könnte, wird Krist von Pfarrerin Anna Kampl gefragt. „Ich hoffe nicht. Aber sicher bin ich mir nicht.“ Nachsatz: „Ich fürchte, dass wir lange zu optimistisch waren.“ Werte wie Demokratie und Gewaltenteilung seien zu lange als Selbstverständlichkeit – und nicht als wesentliche Werte, für die es einzutreten gelte – gesehen worden.

„Die Sprache von manchem Politiker…“

Und dann sei da natürlich noch die Sprache – als untrüglicher Gradmesser, wenn eine Gesellschaft sich ins Radikale zu verändern beginne. „Es gibt immer das Wort davor, die Taten davor“, betont Krist. Und heute sei „die Sprache von manchem Politiker“ jedenfalls so, dass man nur wenig Lernen aus der Geschichte vermuten könne. Umso wichtiger sei es, nicht einfach zuzuschauen oder wegzuhören, wenn neue Radikalismen gepredigt werden. Die Überzeugungstäter werde man nur selten von ihrer Ideologie abbringen, ihre Zuhörerinnen und Zuhörer müsse man aber erreichen. „Wir müssen dagegenhalten, dagegen auftreten“ – in der Bildung, im Privaten und natürlich auch in der Politik.

„Späte Rache am Adolf“

Erika Kosnar hat als Kind noch den Simmeringer Tempel besucht – und dessen Zerstörung ebenso noch in Erinnerung wie das Bild, als Jüdinnen und Juden gezwungen wurden, Straßen zu reiben, oft mit ihren Zahnbürsten, und dabei von Schaulustigen bespuckt, mit Wasser überschüttet, geschlagen und getreten wurden. Heute ist sie – mittlerweile hochbetagt – unermüdlich an Schulen als Zeitzeugin unterwegs. „Ich verwende meine Lebensgeschichte nicht zum Nachtrauern, sondern zum Nutzen der nächsten Generation. Im Mai 2020, zum 75. Jahrestag der Befreiung von den Nazis, soll sie am Heldenplatz eine Rede halten. „Eine späte Rache am Adolf“, erzählt sie voll spürbarer Vorfreude. Um den Zuhörerinnen und Zuhörer in der Glaubenskirche zugleich einen Spruch ihres Vaters als allgemeingültige Richtschnur mitzugeben: „Wenn Du im Leben alles vergisst – vergesse nie, dass Du ein Mensch bist.“

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