Lebst du noch oder läufst du schon? ;-)

  • Foto: © Stefan Bayer / PIXELIO (www.pixelio.de)
  • hochgeladen von Gabriele Kolup

Hoffentlich hat Sie der Frühling auch schon ein wenig wachgerüttelt? Ich persönlich mutiere in den Wintermonaten ja immer zum Eichkatzerl – am liebsten würde ich nur schlafen und ab und zu futtern… Figurtechnisch ist das natürlich eine eher ungünstige Form des Überwinterns, denn kommt Frühling, kommt Panik. Und da stellt sich mir unweigerlich die Frage: Leben Sie noch oder laufen Sie schon?

Es muss ja nicht gleich der Vienna City Marathon sein. Schon eine kleine Runde um den Häuserblock, die man abwechselnd gehend und laufend in Angriff nimmt, kann der Startschuss zu einem neuen Leben sein! Auch ich war lange Zeit felsenfest davon überzeugt, dass mir dieses verdammte Läufer-Gen fehlt. Was das betraf, hatte der liebe Gott wohl einige Erbinformationen in meinen Chromosomen, die das Laufen von Training zu Training leichter machen sollten vergessen. Ich hielt mich für so etwas Ähnliches wie ein Montags-Auto, denn mit jedem Mal schien mir das Joggen schwerer zu fallen. Doch ich bin der lebende Beweis dafür, dass man nie die Hoffnung aufgeben sollte und sich selbst jemand, der stets der Ansicht war, dass ihm "das Laufen einfach nicht liege", innerhalb eines Jahres in eine begeisterte Läuferin verwandeln kann.

Begonnen hat alles im vergangenen Jahr bei einem der Lauftreffs des DM Frauenlaufs, initiiert von Ilse Dippmann, die 1988 denn Startschuss zum ersten österreichischen Frauenlauf gab. Durch ihr großes Engagement und ihren unermüdlichen Einsatz wurde aus einem Experiment mit 440 Starterinnen die größte Frauenlaufveranstaltung Kontinentaleuropas mit Sage und Schreibe 25.000 Teilnehmerinnen. Woche für Woche traf ich hier auf Gleichgesinnte. Wir keuchten und schwitzten Seite an Seite die Hauptallee entlang, überholt von Fiakern und anderen „Sprintern“. Motiviert durch die wundervollen Trainerinnen lernten wir, unseren fiesen inneren Schweinehund zu überlisten. Und ich will nichts beschönigen: In den ersten Wochen war es wirklich harte Arbeit. Nicht nur körperlich, sondern auch mental. Werdende Läufer sind begnadete Hypochonder. Egal wo’s gerade sticht oder ziept – das sauerstoffunterversorgte Gehirn hat sogleich eine der zahlreichen Ärzteserien parat, in der Lungenembolie & Co. ausführlich abgehandelt worden sind.

Zu Beginn begann sich mein Körper schon nach den ersten paar Laufminuten gegen diese Art der Fortbewegung zu wehren. Die Waden brannten und wurden schwer wie Blei, mein Herz stolperte hektisch vor sich hin und meine Lunge spielte den Asthma-Blues. Klar ist, dass Ihre ersten Trainingsrunden vielleicht noch kein Runners-High einläuten werden, aber irgendwann, ja, irgendwann wird man quasi zum Selbstläufer. Man läuft und läuft und läuft (okay: man trippelt und trippelt und trippelt) und – siehe da: das Herz beruhigt sich wieder ein wenig, die Lungenflügel werden übermütig und wissen vor lauter Sauerstoff gar nicht mehr, wie ihnen geschieht und selbst die Waden haben Erbarmen, werden weicher und stampfen gemeinsam mit den Senkfüßen einen melodischen Rhythmus auf den brennenden Asphalt.

Und schon nach wenigen Wochen, wenn die Schritte kraftvoller und federnder geworden sind, wenn die Lunge nicht mehr asthmatisch nach Luft schnappt, sondern in gleichmäßigen Atemzügen die frische Morgenluft genießt – dann, ja dann beginnt es erst wirklich Spaß zu machen. Mit einem Mal drücken sich die Füße aktiv und kraftvoll vom Boden ab, die Schritte werden größer und kraftvoller, die Arme schwungvoller, der Bauch angespannter. Direkt ein bisserl athletisch fühlt man sich dann.

Laufen wurde ein wichtiger Teil meines Lebens. Auch bei Regen. Weil es mich abhärtet. Physisch und psychisch. Auch an schlechten Tagen, an denen ich mich am liebsten in meiner Höhle verkriechen würde. Gerade an diesen Tagen, weil es mir in Erinnerung ruft, dass auch wieder gute kommen werden. Einen neuen Weg einzuschlagen, den ausgetretenen, vertrauten Pfad zu verlassen – selbst wenn man weiß, dass er einen ganz sicher nicht ans Ziel führen wird – ist mühsam und macht Angst. Aber das Laufen hat mich gelehrt, dass für jede Strapaze irgendwann der Lohn winkt. Auf Anspannung folgt Entspannung, auf Disziplin Zufriedenheit und Erfolg. Es ist ein spannendes Ausbalancieren von körperlichen Grenzen. Das Wissen darum, dass Anstrengungen auf mich zukommen, wird nach und nach zu einer täglichen Herausforderung. Mein Leben fühlt sich nun einen Hauch abenteuerlicher an und ich habe gelernt, die Zügel fest in der Hand zu halten.

Laufen hat etwas ursprüngliches, einen Hauch von Mystik. Es ist, als könnte ich mir Stück für Stück, Schritt für Schritt, Meter für Meter ein neues Leben erobern. Vieles von dem, das ich niemals für erreichbar gehalten hätte, scheint nun im Rahmen des Möglichen. Der Lauf zu mir selbst ist nicht nur von Erfolgserlebnissen und Glücksgefühlen geprägt. Doch das Leben gleicht einem Rennen. Du musst das Ziel, das gewünschte Endergebnis fokussieren. Schwierigkeiten oder Lebensumstände, die mich bisher immer in die Opferrolle drängten, sehe ich nun an manchen Tagen nicht mehr als unabänderlichen Zustand sondern als Ausgangssituation. Nichts muss so bleiben, wie es ist. Leben ist Bewegung. Leben ist Entwicklung.

Ich glaube, ich habe begriffen, weshalb viele, die das Laufen erst einmal für sich entdeckt haben, dabei bleiben: Weil es dich der Natur näherbringt. Du erlebst hautnah den Rhythmus der Jahreszeiten, riechst das frischgemähte Gras, den Duft der Blüten, schmeckst den Regen, spürst die Kraft der Sonne auf deiner Haut. Laufen tut so unheimlich gut, weil es dich auf Umwegen auch dir selbst näher bringt. Du beginnst, in dich hineinzuhorchen, lernst, dich wieder mehr zu spüren. Ob im Training oder im Leben. Laufend entdeckst du dich und die Welt. Du lernst, gegen das Unwohlsein, den Schmerz, deine verdammte Bequemlichkeit anzurennen. Es ist, als würde sich der dunkle, schwere Vorhang lüften. Dahinter die Zukunft. Ein gewundener Weg, der dich durch dunkle Wälder führt aber auch entlang von glitzernden Seen, in denen sich Sonne und Mond spiegeln und dir zulächeln. Ein dichter Blütenteppich federt deine Schritte, die von Tag zu Tag leichter, spielerischer werden. So soll es sein, so kann es bleiben…

(Text: © Gabriele Kolup)

Bildquelle: © Stefan Bayer / PIXELIO (www.pixelio.de)

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