Bürgerspital St.Veit an der Glan: Die Ökonomisierung des Kulturareals - Show me the way to the money

Bürgerspital: Großer Innenhof  [c] Franz Waditzer
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Text: Franz Waditzer Fotos: Franz Waditzer

Das St. Veiter Bürgerspital ist eine städtebauliche Kuriosität: Eine um einen langgestreckten Hof gelagerte, zweigeschossige gotische Bautengruppe aus dem 14. Jahrhundert bildet heute einen völlig in sich geschlossenen urbanen Raum in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums, ein Dorf in der Stadt, das heute bereits als Kulturareal genützt wird

Noch heute wird die Villacher Vorstadt durch zwei Stiftungen des 14.Jahrhunderts dominiert: Das Klarissinnenkloster von 1321 und das bald danach errichtete Bürgerspital. Das “hospitale extramuros de sancto Vito” wurde 1321 von Dietmut, einer frommen St. Veiter Witwe, gestiftet. Ein- und zweigeschossige Bauten säumen einen langgestreckten Innenhof. Die Zugänge sind durch ein Ost- und ein Westtor gesichert. Der Gebäudekomplex wurde im 17. Jahrhundert erweitert und mit Lauben und Arkaden versehen. Nach dem Brand von 1829 erfolgte eine Instandsetzung des Bürgerspitals.

Nordseitig ist die heute profanierte gotische Spitalskirche in die Anlage einbezogen. 1351 wurde die Kirche zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1422 stifteten die Bürger von St. Veit eine Kaplanstelle mit ewiger Meßlesung. Acht Tafeln des gotischen Altars mit der Darstellung der Vituslegende befinden sich heute im Klagenfurter Landesmuseum. Der barocke Hochaltar wurde 1931 in die damals gerade fertiggestellte Klagenfurter Christkönigskirche gebracht. Der dreihundertfünfzig Jahre alte Altar der aufgelassenen Bürgerspitalskirche ist eines der besten Werke der barocken Kärntner Altarbaukunst .

Armenhaus und Wiesenmarkt

Um 1880 bekam jeder Bewohner des Bürgerspitals am Samstag nach dem Mittagessen einen von der Gemeinde festgesetzten Betrag. Zur Auszahlung wurde die kleine Bürgerspitalsglocke geläutet. Sie klang, laut Dr.Weberitsch, wie eine Arme-Sünder-Glocke, recht wehmütig. Mit dem Geldbetrag wurden auch kiloweise Kaffee, Mehl, Erbsen, Bohnen, Hirse, Zucker, Schmalz, Schweinefett und Reis an die Bewohner des Bürgerspitals verteilt.

"Zu Beginn des Wiesenmarktes (Michaelimarktes) wurden zu jener Zeit im Bürgerspital die Hausfluren und Holzlagen ausgeräumt, auf Holzschragen lange Bretter gelegt und Papier darüber gebreitet, denn Buchhändler hatten den Platz für vierzehn Tage gemietet. Die Bretter wurden mit Buchbinderwaren, alten und neuen Büchern, Kalendern mit farbigen Bauernregeln und Instrumenten jeglicher Art belegt. Die Wände wurden mit farbigen Bildern behängt, die mit Holzzwickern auf gezogenen Schnüren festgehalten wurden. Man sah Heiligen- und Kaiserbildnisse, Nachbildung alter Meister, dabei wieder Farbendrucke moderner Bilder, Kupferstiche, Steindrucke, alte Madonnenbildnisse neben den bedenklichsten Laszivitäten, " bemerkte Dr.Sebastian Weberitsch in seinen Lebenserinnerungen.

Startwohnungen und urbaner Kulturraum

Von 1984 bis 1987 wurde die Anlage umfassend renoviert und weiterhin für Wohnzwecke, vor allem für sogenannte Startwohnungen, genützt. Im Herbst 2004, nach einer neuerlichen Renovierung, wurde das Bürgerspital als urbanes Kulturzentrum eröffnet.

Die Musikschule bekam in den alten Gemäuern eine neue Heimat. Die einstige Kirche dient nun seit Jahren als Veranstaltungsraum. Proberäume, ein Tonstudio und Theaterräume ergänzen das Angebot. Der Innenhof ist für Freiluft-Veranstaltungen nutzbar. Im Bürgerspital wurde auch Raum für einen gehobenen Gastronomiebetrieb geschaffen. Klaus Dolleschall und sein Küchenchef Christopher Scheiber haben 2010 das ehemalige Restaurant PrincS neu übernommen, leicht adaptiert und zusätzlich mit einer umfangreichen Vinothek bestückt: Ihr Lokal heißt Vitus Restaurant-Vinothek.

Das Bürgerspital ist als Kulturareal durchaus ausbaubar. Als innerstädtisches Kulturviertel hat das Dorf in der Stadt schon Geschichte: Über Initiative von Bgm. Gerhard Mock fanden im Bürgerspital eine ganze Serie von Jugendkonzerten statt. Dabei traten arrivierte Gruppen ebenso auf wie solche, die vor dem Sprung “on stage” standen. Es „groovte“ im St. Veiter Kulturareal.

Das Kärntner Festival Alter Musik, die seit 2003 bestehende Trigonale, glänzt mit außergewöhnlichen Spielorten rund um St. Veit. Die Bürgerspitalskirche ist ein Spielort der Trigonale.

Für exquisite Events, Vernissagen, Ausstellungen und Konzerten bietet der Kulturraum Bürgerspital heute den ganz besonderen Rahmen und glänzt mit Extravaganz, Stil und malerischem Ambiente.

Neben der Musikschule beherbergt das Bürgerspital auch den Filmklub St.Veit.

Kulturelle und wirtschaftliche Reorganisation durch Kulturmanagerin

Sowohl der zentrale Innenhof und auch der kleinere Hof des Bürgerspitals können zu einem urbanen Freiluft-Erholungsraum entwickelt werden. Einerseits kann die Beliebtheit der Höfe mit einem leicht variableren, gastronomischen Angebot auf moderatem Preisniveau gesteigert werden. Andererseits könnten Hofmöbel außerhalb des Lokalbereichs wie die MQ-Enzis für eine vermehrte Besucherfrequenz im Kulturareal sorgen. Die Enzis sind kombinierbare Multifunktionsmöbel, die vom Architektenteam PPAG (Anna Popelka und Georg Poduschka) entworfen wurden. Die Veranstaltungen und Aktivitäten im Bürgerspital müssen ausgebaut und gebündelt werden und das STAMA Team um eine erfahrene Kulturmanagerin erweitert werden, die neue Prozesse und Aufgaben im Rahmen von vorher besprochen Zielen in der gesamten Stadt aber primär im Kulturareal Bürgerspital implementiert . Auch die Nutzung der Bürgerspital Höfe soll ihr obliegen, wie die Einbindung der Musikschule, des Filmklubs und der Trigonale Veranstaltung in ein völlig neues Konzept. Die Vorgabe muss knallhart lauten: Frequenzsteigerung und damit verbunden ein sichtbarer wirtschaftlicher Nutzen.

Eine erfahrene Kulturmanagerin plant, entwickelt und steuert Kulturprojekte oder Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Im Bereich Kulturverwaltung kooperiert sie mit der lokalen Kulturszene, stellt die Kulturprogramme zusammen, verwaltet die kulturell genutzten Räume und berät kulturelle Initiativen, Vereine oder Privatbühnen. Wenn sie in kommunalen Kultureinrichtungen beschäftigt ist, ist sie für das durchführen der verwaltungsreformerischen Maßnahmen zuständig, koordiniert den Kultur- und Bildungsbereich oder leitet das Kulturzentrum, das Kulturareal. Außerdem arbeitet sie mit den Ämtern für Fremdenverkehr und Tourismus zusammen, in St.Veit/Glan mit dem STAMA , das seit vielen Jahren ein schlagkräfiges Team ist. Im Kulturmarketing bedarf es aber einer erfahrenen Kulturmanagerin, die die vorhandenen Ressourcen sichtet, ausbaut und auch ökonomisch auf feste Beine stellt. Reine Touristiker und Marketingleute mögen ihre Qualitäten haben. Die Stadt hat eine derart reiche kulturelle Vergangenheit. Die effizientest zu nützen, hat das STAMA in St.Veit nicht geschafft. Eine Kulturmanagerin mit strengen Zielvorgaben kann das Kulturareal Bürgerspital auf eine gehobene ökonomische Basis heben mit Synergieeffekten für den Hotel- und Gastrobereich in unmittelbarer Umgebung des Areals und im Areal.

Literatur:

Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes St.Veit, 1931, Dr.Karl Ginhart

Aus dem Leben des Doktor Sebastian Weberitsch, 1947, Dr.Sebastian Weberitsch

Stadtführer St.Veit an der Glan, 1987, Herausgeber Verschönerungsverein St.Veit/Glan

St.Veit an der Glan, 1997, Andreas Besold, Wilhelm Deuer, Heinz Ellersdorfer,
Kurt Grafschafter, Wilhelm Wadl, Anton Wieser

St.Veit/Glan Die Kärntner Herzogstadt, Illustrierter Stadtführer, 2001, Andreas Besold u. Kurt Grafschafter

Link:

http://www.restaurant-vitus.at/

http://filmclub-stveit.at/

http://www.trigonale.com/

http://www.clubsanktveit.at/club-stveit/F_MICE/img/Factsheet_Buergerspital.pdf

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