07.11.2016, 16:52 Uhr

Kärntner Flüchltingsbeauftragter: "Arbeit entscheidend für die Integration"

Udo Puschnig ist seit Februar Flüchtlingsbeauftragter in Kärnten

4.300 Flüchtlinge sind derzeit in Kärnten. Der Beauftragte hält Arbeit entscheidend für Integration.

KÄRNTEN. Rund 4.300 Flüchtlinge beziehen derzeit in Kärnten die Grundversorgung. "Das sind weniger Menschen, als wir am Jahresanfang angenommen haben", erklärt Udo Puschnig, seit Februar interimistischer Flüchtlingsbeauftragter das Landes. Man sei von 5.200 Personen ausgegangen, die im heurigen Jahr in der Grundversorgung sind. "Wir haben mit mehr gerechnet, die über den Balkan oder Italien zu uns kommen."

Kapazitäten als Puffer in Kärnten

Auf dieses Mehr an Menschen ist das Land vorbereitet gewesen. Derzeit stehen 275 Unterkünfte des Landes und 1.100 Plätze in Bundesquartieren leer. "Wir brauchen die Plätze als Puffer", so Puschnig. Schließlich könne sich die Situation rasch ändern und für einen größeren Ansturm sorgen.
Gemeinsam mit seinem Team ist Puschnig Ansprechpartner für Asylwerber und auch Quartiergeber. "Wir sind eine Behörde, aber wir wissen, dass es um Menschen geht", so der Zugang des Landesbediensteten. Immer wieder kommen Menschen mit Anliegen auf Puschnig und seine Kollegen zu. Meistens geht es um Verlegungen.
"Man muss ständig abwägen", so Puschnig. "Wenn es um die Gesundheit der Menschen geht, sehen wir ganz genau hin." Viele andere Wünsche nach Verlegungen können nicht erfüllt werden. "Die meisten wollen in die Stadt", berichtet er. Also: nach Klagenfurt oder Villach. Und: "Nach einem positiven Asylbescheid wollen 90 Prozent nach Wien gehen."
Den Hauptgrund dafür ortet Puschnig in den bereits bestehenden Communities verschiedener Nationalitäten. Und: "Oft ist es auch der Glaube, dass man in Wien eher zu einer Beschäftigung kommt."

Die Zahl in Kärnten steigt wieder

Dass im heurigen Jahr die freien Kapazitäten in den insgesamt 165 Unterkünften ausgeschöpft werden, bezweifelt Puschnig. Die Tendenz ist aber steigend: Wurden im September 72 Personen Kärnten zugewiesen, stieg die Zahl im Oktober auf 130 Leute. "Wir versuchen, die Quartiere so zu belegen, dass nicht gleich Konfliktpotenzial entsteht", so Puschnig. Man gehe sensibel mit Nationalität, Religion und anderem um. "Wir achten darauf, dass die Gruppen zusammenpassen", so Puschnig.
Das gilt auch für unbegleiteten Minderjährigen. 158 Junge sind derzeit in den fünf dafür vorgesehenen Unterkünften untergebracht. "Maximal zehn Prozent von ihnen sind leichte Problemfälle", stellt Puschnig klar.
Orientierungs- und Wertekurse sollen die Integration der Flüchtlinge erleichtern. "In den großen Quartieren haben wir bereits damit begonnen", erzählt der Flüchtlingsbeauftragte. Zielgruppe sind vor allem jene, die eine gute Aussicht auf einen positiven Asylbescheid haben. "Das funktioniert relativ gut."

Arbeit für Integration

Dass im Jänner das Integrationsleitbild in Kraft tritt, hält Puschnig für einen wichtigen Schritt – "auch, wenn es nicht nur auf Flüchtlinge abgestimmt ist." Entscheidend für eine gute Integration hält Puschnig aber eine Beschäftigung. "Wenn wir Personen in einen vollwertigen Arbeitsprozess bringen können, ist ein großer Schritt getätigt", ist Puschnig überzeugt. Auch die deutsche Sprache könne man an einem Arbeitsplatz rascher lernen. "Die Herausforderung wird sein, die Menschen in Regelberufen zu integrieren", sagt er klar. "Wir müssen die Möglichkeit für Ausbildung und Tätigkeit schaffen."

Zur Sache - Flüchtlinge in Kärnten

Zirka 4.300 Personen sind derzeit in Kärnten in der Grundversorgung – sie stammen aus 13 Nationen.

Mit 1.880 Personen sind Afghanen die größte Gruppe, gefolgt von Syrern (840), Irakern (600) und Iranern (230).
103 dieser Personen gelten als Staatenlose.

3.893 Leute sind Asylwerber, 154 sind Asylberechtigte und 140 sind subsidär schutzberechtigt.

Untergebracht sind die Leute in der Grundversorgung in Quartieren in ganz Kärnten – insgesamt gibt es 165 davon.

135 Unterkünfte sind für Selbstversorger. 25 Unterkünfte sind Vollquartiere und fünf gibt es für minderjährige Flüchtlinge.
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