Telfs trauert um Prof. Sepp Schwarz

2009 bei Auswählen des Fasnachtsplakates für 2010 | Foto: Dietrich
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TELFS. Prof. Sepp Schwarz ist tot. Am ersten Weihnachtstag verstarb der weit über Tirol hinaus bekannte Künstler aus Telfs im Alter von 96 Jahren. Die Marktgemeinde verliert einen Ehrenbürger und „großen Sohn".
Der Sterbegottesdienst für Prof. Sepp Schwarz war am Montag in der Pfarrkirche Peter und Paul.

Nachruf Prof. Dir. Sepp Schwarz - von Bgm. a.D. Helmut Kopp 
als Ehrenobmann des Telfer Schleicherlaufens
"Die Telfer Fasnacht verliert mit Prof. Sepp Schwarz eine herausragende Persönlichkeit der Tiroler Pädagogen, den Doyen der Tiroler Künstlerschaft, einen begeisterten Tiroler und Telfer, den Gott in der Heiligen Nacht zu sich in die ewige Heimat abberufen hat.
Sepp Schwarz war und ist für uns Fasnachter eine herausragende Persönlichkeit, zumal er unser Brauchtum ein Leben lang als Gesamtkunstwerk betrachtet hat. Er hat mit Anton Föger das Fundament der reichhaltigsten Chronik alpenländischer Fasnachten gelegt, diese Chroniken künstlerisch illustriert, das heute noch verwendete Fasnachtssignet geschaffen und seit 1955 durch alle Fasnachten die künstlerisch herausragenden Fasnachtsplakate entworfen. So hat er als letztes Werk für die Fasnacht 2015 den Plakatentwurf dem designierten Fasnachtsobmann übergeben.
Sepp Schwarz ist Träger des österreichischen Graphikerpreises und wurde durch den Direktor der weltweit bekannten Albertina, Dr. Walter Koschaztky, als begnadetsten Holzschneider Österreichs bezeichnet.
Sepp Schwarz ist 1945 als Lehrer mit seiner Familie nach Telfs gekommen und bis zu seiner Pensionierung als Lehrer, Schulleiter, bildnerischer Erzieher auch im Bundesgymnasium Telfs tätig gewesen. In über 3.000 Holzschnitten hielt er Motive der Weltliteratur wie Ernest Hemingway, Cervantes fest. Ein besonderes Anliegen war ihm unser tradierter Glaube, den er in biblischen Zyklen, die ikonografische Gestaltung der Heiligen wie Petrus und Paulus, Sebastian, der Darstellung kirchlicher Feste und Orte wie Moritzen, Prozessionen, den Mariendarstellungen, der Weihnachtskrippe und den Stationsbildern in der Auferstehungskirche fest hielt. Zum Tiroler Brauchtum und hier besonders die Telfer Fasnacht, die er als Gesamtkunstwerk betrachtete wozu er selber Schleicherhüte entwarf, schuf er unzählig viele Holzschnitt- und Aquarelldarstellungen aller Gruppen. Bis ins hohe Alter saß er am Balkon des Geburtshauses Vinzenz Gredler‘s und beobachtete dort den Zug der Fasnacht und machte gleichzeitig Skizzen für seine Fasnachts-Motive.
Sepp Schwarz zeichnete sich als Pädagoge dadurch aus, als dass er viele Schülertalente entdeckte und förderte - wie Walter Pichler, Helmut Margreiter, Manfred Ebster, Gerald Grassl -, die ohne ihn nicht denkbar wären.
Sepp Schwarz hat in unserer örtlichen Gemeinschaft gelebt und dabei in vielen Vereinen mit Ehrenurkunden oder Kunstwerken zur Illustration von Vereinschroniken beigetragen. Dies alles war für ihn eine selbstverständliche unentgeltliche Verpflichtung.
Als nicht besonders begabter Schüler von Sepp Schwarz durfte ich ihn über 60 Jahre kennen und begleiten und habe an ihm seine persönliche Bescheidenheit, seine unglaubliche Disziplin im künstlerischen Schaffen, seine große Verantwortung für seine Schüler, seinen wachen, suchenden, kreativen und künstlerischen Geist, sein Familienleben mit seiner Gattin Maria und seinen fünf Kindern - die ihm in seiner künstlerischen Schaffenskraft nacheiferten und heute zu den anerkannten Künstlern Österreichs zählen, wie Brigitte Ammer, Ludwig und Werner Schwarz - geschätzt.
Sepp Schwarz hinterlässt ein großes Werk an Aquarellen, Holzschnitten, Graphiken und Kleinplastiken und wird damit über das Grab hinaus für uns weiterleben."

NACHRUF (Quelle: telfs.eu)
Prof. Sepp Schwarz wurde am 17. Februar 1917 in Brandenberg im Bezirk Kufstein geboren und kam 1946 als Lehrer nach Telfs, das ihm zur neuen Heimat wurde. Sepp Schwarz war künstlerisch vielseitig tätig, machte sich aber vor allem als Grafiker und Holzschneider einen Namen. Er stellte in zahlreichen europäischen Städten aus und war mehrfach Preisträger österreichischer Grafikwettbewerbe. Seine Werke finden sich in den bedeutendsten Sammlungen. Albertina-Direktor Walter Koschatzky bezeichnete Schwarz als den "größten Holzschneider Europas". 2013 wurde in der Telfer Villa Schindler auf Initiative von Annemarie Fisch-Schindler ein Museum mit ausgewählten Werken des Meisters eingerichtet.
Trotz internationaler Erfolge blieb Sepp Schwarz Telfs, wo er eine Familie gründete und als Lehrer und Schulleiter tätig war, zeitlebens treu. Als Kunsterzieher förderte und prägte er zahlreiche kreative Persönlichkeiten. So war etwa auch der 2012 verstorbene Documenta-Teilnehmer Walter Pichler sein Schüler.
Besonders fühlte sich Sepp Schwarz, der bis ins hohe Alter unermüdlich künstlerisch tätig war, dem Telfer Schleicherlaufen verbunden. Die Figuren des alten Fasnachtsbrauches tauchen immer wieder in seinem Werken auf. Alle Telfer Fasnachtsplakate seit 1950 waren seine Schöpfungen.
Für Bürgermeister Christian Härting bedeutet das Ableben von Prof. Schwarz einen großen Verlust für die Marktgemeinde: „Ich danke unserem großen Künstler und Ehrenbürger besonders auch für seine Treue zu Telfs und dass er den Namen seiner Heimatgemeinde in die Welt hinaus getragen hat. Wir sind stolz, dass Prof. Schwarz unser Mitbürger war. Es wird uns eine große Ehre sein, auch das Plakat der kommenden Fasnacht 2015 mit einem Motiv von Sepp Schwarz zu gestalten. Unser Mitgefühl gilt der Familie, vor allem Gattin Maria, der ich mein herzliches Beileid ausdrücken möchte.

2009 bei Auswählen des Fasnachtsplakates für 2010 | Foto: Dietrich
Verabschiedung auf dem Friedhof nach dem Gottesdienst | Foto: Dietrich
Prof. Sepp Schwarz 2009 | Foto: Dietrich
Prof Sepp Schwarz beim Anfertigen eines Holzschnitts, 2003. | Foto: Schatz
Foto von 2012 beim 95. Geburtstag von Prof. Schwarz mit Bgm. Härting und Gattin Maria. | Foto: MGT/Dietrich
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