Corinna Antelmann
"Heimat in sich selbst finden"

Corinna Antelmann schreibt und lebt in Ottensheim.
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  • Foto: Dirk Skiba
  • hochgeladen von Gernot Fohler

OTTENSHEIM. Corinna Antelmann (geb. 1969) stammt aus Bremen und lebt seit 2006 in OÖ. Die Schriftstellerin studierte Film, Literatur, Musik und Psychologie an der Universität Hildesheim.

BEZIRKSRUNDSCHAU: Sie haben sich in ihrem Roman "Hinter die Zeit" (Wien, 2018) mit dem Thema Heimat auseinandergesetzt. Was ist Heimat?
Antelmann: Meine Protagonistin sucht nach Heimat jenseits von Grund und Boden durch Selbsterkundung. Dieser Ansatz gefällt mir: Heimat in sich selbst finden. Darüber hinaus sehe ich unseren Planeten als Heimat. Die Raumfahrt ermöglichte die Erde von außen zu erblicken. Das gibt Hoffnung, dass die Spaltung der Menschheit einmal bedeutungslos wird.

Sie leben in Ottensheim. Fühlen Sie sich hier daheim?
Ottensheim ist eine lebendige Gemeinde, die danach strebt, dass alle Bewohner gehört werden. Ich bin viel herumgezogen, habe aber selten erlebt, dass dieses Bedürfnis so ernstgenommen wird. Das schlägt sich atmosphärisch nieder. Ich fühle mich mit offenen Armen empfangen. So gesehen bin ich in Ottensheim daheim.

Was halten Sie davon, wie in OÖ "Heimat" diskutiert wird?
Ich verstehe den Wunsch nach einer Heimat, die sich an einen Ort bindet. Gerade weil es für mich einen solchen Ort nie gab. Mein Großvater war Bauer und hätte seinen Grund in Schlesien nie verlassen. 1945, nach der Befreiung Deutschlands, erwarteten ihn tote Kühe und verendete Hühner. Aber er wollte festhalten, was er vorher als Heimat bezeichnet hatte. Nicht einmal ein Jahr später trat er ein weiteres Mal die Flucht an. So lernte ich Heimat über den Verlust von Heimat kennen, entkoppelt von einem Fleckchen Erde. Ich bin dankbar dafür.

Wie wird "Heimat" in Deutschland behandelt?
In Deutschland hat sich in den 13 Jahren sicher einiges geändert. Mein Empfinden war immer, dass der Begriff Heimat in Deutschland negativ besetzt und in Oberösterreich stärker ausgeprägt ist. Ich bin im Norden aufgewachsen, in Bremen. Auch hier gibt es ein Interesse an Stadtgeschichte und Traditionen wie Pikebrennen oder der Eiswette. Das wird zelebriert, würde jedoch nicht als Heimatpflege beschrieben werden. Die Beschäftigung mit Brauchtum und Dialekt ist aber eine wertvolle Haltung.

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