20.12.2017, 18:00 Uhr

Feiern im Kloster oder am Strand

Weihnachtsstimmung einmal anders: Harald Schobesberger mit seinen Mitarbeitern auf den Malediven. (Foto: Schobesberger)

Verreisen oder im Kloster feiern: Alternativen zum Weihnachtsfest in der Familie.

BEZIRK (csw). "Es sind vorwiegend Paare, die über Weihnachten wegfahren, gelegentlich auch Singles", weiß Harald Schobesberger, Geschäftsführer des Reisebüros "Bunte Urlaubswelt" in Schörfling. Die Buchungslage sei gut, einen Boom gäbe es allerdings nicht. Und wohin zieht es Menschen, die Weihnachten nicht in der Familie feiern können oder wollen? "Ganz oben stehen bei uns die Malediven – bedingt durch die zwei Tauchschiffe, die wir dort haben", erklärt Schobesberger. Danach folgen mit Thailand und Sri Lanka weitere asiatische Länder. Auf Platz drei: die Seychellen, danach kommen die Kanarischen Inseln. Gebucht würden die Reisen bereits im Sommer, los gehe es dann am 22. oder 23. Dezember, so Schobesberger. Nicht alle zieht es in die Ferne: "Es gibt auch einige, die Winterurlaub in den österreichischen Alpen oder in Südtirol buchen."
Generell ortet Schobesberger den Trend, dass viele junge Leute wieder im Reisebüro buchen. Als Grund dafür vermutet er das Bedürfnis nach Sicherheit, auch finanzieller.
Weihnachten in Gemeinschaft erleben kann man von 23. bis 25. Dezember im Geistlichen Zentrum im Mutterhaus der Franziskanerinnen in Vöcklabruck. Das Angebot besteht seit mehr als zehn Jahren, die Gäste kommen aus ganz Österreich. 20 Teilnehmerinnen haben sich heuer angemeldet. "Wir sind voll", sagt Sr. Stefana Hörmanseder, die die Gruppe begleitet. "Heuer kommen nur Frauen – von 21 bis 93 Jahren." Die 21-Jährige feiere seit Jahren hier mit ihrer Mutter Weihnachten. Nur ein Teil der Gruppe mache übrigens mit, um die Einsamkeit zu bekämpfen.


Suche nach Spiritualität

"Der Fokus liegt auf dem Spirituellen", erklärt Sr. Stefana. "Die meisten suchen ein vertieftes Feiern von Weihnachten." Neben Meditation und Beten stehen das gemeinsame Vorbereiten und Feiern im Mittelpunkt. "Wichtig ist aber auch freie Zeit für Stille und Rückzug, damit Weihnachten im Herzen ankommen kann." Am Heiligen Abend werden die Kerzen am Christbaum angezündet, das Weihnachtsevangelium gelesen und Stille Nacht gesungen, danach setzt man sich gemütlich zusammen und besucht die Mette im Haus. Geschenke sind nicht wichtig. "Das Geschenk ist Jesus selber."

ZUR SACHE

Was hilft gegen Stress, Einsamkeit und Enttäuschung?
Erwartungen und Wünsche in der Familie offen aussprechen und einen Kompromiss suchen.
Auf die eigenen Bedürfnisse achten, sich selbst etwas Gutes tun und Zeit für sich selbst nehmen.
• Die eigenen Wünsche und Erwartungen herunterschrauben: Was ist für mich/uns stimmig? Was macht Weihnachten für mich/uns aus? Was wird nur praktiziert, weil "es halt so Brauch ist"? Was kann weggelassen werden?
• Wenn Konflikte vorhanden sind: Zeit nehmen und in ruhiger Atmosphäre ansprechen.
• Bei Messfeiern in der Kirche kann man Gemeinschaft erleben.
Die Telefonseelsorge ist auch am Heiligen Abend und an den Feiertagen rund um die Uhr unter der kostenlosen Notrufnummer 142 erreichbar.

KOMMENTAR

von Christine Steiner-Watzinger

Weihnachten, ein Fest des Friedens
Kekse backen, Geschenke kaufen, Christkindlmärkte besuchen, Wohnung putzen, Christbaum schmücken: Die "stillste Zeit im Jahr" ist für viele die hektischste. So vieles muss vorbereitet werden. Schließlich soll alles perfekt sein, wenn das Christkind kommt. Kein Wunder, dass manche da nicht mitmachen wollen und den Tannenbaum gegen den Palmenbaum tauschen. Sie suchen Erholung am Meer statt Weihnachtsstress und tagelanger Familienfeiern. Weihnachten einmal anders. Warum nicht? Denn das "Wo" spielt eine untergeordnete Rolle. Das Christkind kommt überall, wenn man es nur lässt – egal, ob zu Hause im Kreis der Familie oder am Strand gefeiert wird. Wichtig ist die Botschaft, die die Engel im Weihnachtsevangelium verkünden: "Auf Erden ist Friede". Diesen Frieden kann die Welt gut brauchen.
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