Kommentar
Und sonst so?

Christian Marold
RZ-Chefredakteur

Woran merkt man, dass bald der Winter bei uns Einzug hält? Die Terminauswahl bei den Autowerkstätten für die Reifenwechsel wird immer weniger. Die örtlichen Skivereine starten ihr erstes Schneeschnuppern an den bekannten Gletscherskigebieten. Die Winterjacken werden vorsorglich hergerichtet. Das Chaos zu Hause, die passenden Mützen, Schals und vor allem Handschuhe zu finden, bricht aus. Ski und Skischuhe werden auf Passform und Qualität geprüft. Man macht sich Gedanken, ob man eine Familienskisaisonkarte kaufen soll oder nicht.

Und sonst so? Diese Woche enden die Herbstferien. Alle können sich vom ersten Schulstress nach der Sommerpause erholen. Bekanntlich geht es nach den Herbstferien in einer intensiven Taktung mit Schularbeiten und Prüfungen bis Weihnachten weiter. Da muss kurz durchgeatmet werden.
Und sonst so? Die Weihnachtsbeleuchtungen in den Gemeinden werden angebracht, damit man als Bürger nach der immer noch sinnlosen Zeitumstellung ab 17.30 Uhr wenigstens bis zur nächsten Straßenkreuzung Häuser, Menschen und alles andere wichtige erkennen kann.

Und sonst so? In vielen Geschäften wird schon fast aufdringlich daran erinnert, dass die Adventszeit bald beginnt. Adventskalender - vom kleinen Ein-Euro- bis hin zu knapp an die 50-Euro-teuren - werden angepriesen. Lebkuchen, der schon seit Anfang September in den Regalen steht, wird von sämtlichen Halloween-Artikeln überschattet.

Und sonst so? Man verabredet sich für einen gemütlichen Kinoabend oder trifft sich in seiner Stammkneipe und plaudert über das verloren gegangene Spiel seiner Mannschaft oder freut sich über den letzten Sieg. Egal, zu plaudern gibt es genug. Andere treffen sich zu jährlichen Schlachtpartie. Einmal im Jahr eine Blutwurst oder ein Schweinsbraten mit Kruste, das muss sein. Dazu gibt es ja, um das schlechte Gewissen zu beruhigen, ein gesundes Sauerkraut und einen Klaren zum Verdauen – mindestens einen.

Und sonst so? Ach ja, bald sind in den USA die Präsidentschaftswahlen. Könnte spannend werden. Zwei Männer, die eigentlich schon ihre Rente genießen könnten, treten an und wollen so ein Land mit ihren jungen, dynamischen Ideen vertreten und repräsentieren. Bei über 300 Millionen Einwohnern fragt man sich als Außenstehender, ob die Auswahl wirklich so gering ist, dass genau diese zwei Kandidaten antreten müssen.

Und sonst so? Na ja, sonst jammern wir in unserer Region auf einem sehr hohen Niveau. Wir leben in einem Land, wo kein Krieg herrscht oder es keine Nahrungsknappheit gibt. Somit müssen wir auch nicht flüchten. Unser Gesundheitssystem ist im Vergleich zu anderen Ländern hervorragend. Es geht uns in Summe also gut.

Selbst mit der bewussten Ausklammerung der derzeitigen Pandemie sind oben beschriebenen Ereignisse Realität. Das heißt, diese alltäglichen Sorgen und Bedürfnisse tangieren uns, als würde es die Pandemie nicht geben. Und bei all den wirtschaftlichen und kulturellen Schicksalsschlägen, die dieses Virus bisher mit sich gebracht hat, ist unser Wohlbefinden und unser Lebensstandard immer noch immens hoch.

Ach ja, und sonst sollten wir gerade in der bevorstehenden stillen Jahreszeit nicht die vergessen, die unsere Hilfe jetzt mehr denn je benötigen. Das Wort Nächstenliebe endet nicht vor der eigenen Haustür oder nach Beendigung eines Lockdowns. #miahebanzämma und so weiter sind keine digitalen Kurzzeitphänomene. Zumindest sollten sie keine sein. Die Wahrheit liegt bekanntlich irgendwo in der Mitte.

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