Vorarlberg – Esther Bitschnau
Von der Kindergartenpädagogin zur Vollzeit-Bergbäuerin aus Leidenschaft
- Esther Bitschnau, Landesbäuerin von Vorarlberg
- Foto: Bäuerinnen Vorarlberg
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Vor 26 Jahren begann für Esther Bitschnau ein Lebensweg, den sie sich ursprünglich nicht so vorgestellt hatte. Heute lebt sie gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden Töchtern auf 1.100 Metern Seehöhe und bewirtschaftet einen Bio-Mutterkuhbetrieb im Vollerwerb.
VORARLBERG/BARTHOLOMÄBERG. Das Leben auf dem Bergbauernhof bedeutet für Esther Bitschnau harte körperliche Arbeit, wenig Freizeit und wenig Lohn. Ehrlicherweise war die Landwirtschaft nicht von Anfang an ihre Berufung. Doch eines stand von Beginn an fest: Ohne starken familiären Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Anpacken wäre der Betrieb nicht zu führen.
"Die Liebe zu einem Bergbauern mag wohl überlegt sein, kann ich aber jeder Frau nur empfehlen. In den ersten Jahren wurden wir noch tatkräftig von meinen Schwiegereltern unterstützt. Mit der Zeit übernahmen wir jedoch immer mehr Verantwortung. 2009 stieg zunächst mein Mann Andreas in den Vollerwerb ein, und 2015 folgte ich ihm."
Tiere halten sich nicht an Feiertage
Heute kann die Vorarlberger Landesbäuerin mit Überzeugung sagen: Die Mühen haben sich gelohnt. Sie dürfe an dem schönsten Ort arbeiten, den sie kenne. Umgeben von imposanten Bergketten und einer einzigartigen Naturlandschaft verbringt sie ihre Tage dort, wo andere Menschen Urlaub machen. "Und wir dürfen einer Tätigkeit nachgehen, die wir lieben – zumindest meistens."
- Foto: Land Vorarlberg
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Warum nur meistens? Weil die Landwirtschaft keine geregelten Arbeitszeiten kennt. Freizeit und Erholung sind oft Mangelware. Tiere, Wetter und Natur halten sich schließlich nicht an Wochenenden oder Feiertage.
Vom Fotomotiv zur artgerechten Haltung
Für Fotografen und Werbung bietet der Bitschnau-Hof eine traumhafte Kulisse. Die horntragenden Mutterkühe und die neugierigen, süßen Kälber sind beliebte Fotomotive. Sie richten das Augenmerk auf die artgerechte Haltung, die der Familie sehr wichtig ist: Die Kälber bleiben bis zu einem Alter von acht Monaten bei ihren Müttern und wachsen inmitten der Herde auf.
- Foto: privat
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Ein idyllisches Leben also? Ja und nein. Hinter der romantischen Kulisse steckt viel Arbeit. Die für Vorarlberg typische Dreistufen-Landwirtschaft und ihre steilen Hänge, die sich über ein großes Gebiet erstrecken, erfordern viel Zeit, viel Handarbeit und spezielle, bergtaugliche Maschinen. Die Bewirtschaftung der Flächen ist dadurch deutlich aufwendiger als in anderen Regionen.
"Deshalb bewirtschaften wir ’nur’ 27 Hektar Grünland und vier Hektar Wald – für unsere Verhältnisse eine Herausforderung, die nur mit viel Einsatz zu bewältigen ist."
Mit 35 Rindern und einigen Kleintieren gerät sie an manchen Tagen durchaus an ihre Grenzen. Kommen dann noch finanzielle Sorgen oder unvorhersehbare Herausforderungen hinzu, wird es manchmal schwierig, die Motivation aufrechtzuerhalten. Und das zunehmende Alter sowie die ersten Rückenschmerzen machen die Sache auch nicht leichter.
- Foto: privat
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Genau in solchen Momenten hilft Esther Bitschnau ihr ursprünglicher Beruf als Kindergartenpädagogin. Dort hat sie gelernt, Tagesabläufe zu strukturieren, Ziele konsequent zu verfolgen und nicht aufzugeben, wenn es schwierig wird. Ein wenig Träumerei und eine große Portion Vertrauen in eine positive Zukunft gehören allerdings ebenfalls dazu.
Kompetent? Ja, sicher!
Ist sie als Quereinsteigerin fachlich kompetent genug? Diese Frage hat sich Esther Bitschnau oft gestellt. Nach vielen Jahren Erfahrung auf ihrem Hof kann sie sie heute mit gutem Gewissen beantworten: Ja. Einen Mutterkuhbetrieb im Berggebiet unter schwierigen Rahmenbedingungen seit elf Jahren erfolgreich im Vollerwerb zu führen, ist eine Leistung, auf die sie stolz sein darf.
- Foto: privat
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"Sie haben mich aufgenommen"
Und woher nimmt sie die Motivation für das ehrenamtliche Engagement? Die Bäuerinnenorganisation verbindet Frauen mit ähnlichen Ideen, Werten und Interessen. Seit ihrem Zuzug nach Bartholomäberg waren es die Bäuerinnen im Ort, die Esther Bitschnau eingeladen und als vollwertiges Mitglied aufgenommen haben. Dort hat sie starke, motivierte Frauen kennengelernt, die sich mit viel Engagement für die Anliegen der Landwirtschaft einsetzen und ihre Interessen nach außen tragen. Sie machen ihre wertvolle Arbeit sichtbar, tauschen Erfahrungen aus und suchen gemeinsam nach Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit.
- Foto: Bäuerinnen Vorarlberg
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Für Esther Bitschnau ist die Bäuerinnenorganisation nicht nur ein starkes Frauennetzwerk, sondern auch ein Stück Heimat. Wenn Menschen mit gleichen Interessen zusammenkommen, sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen, kann Großes entstehen. Sie freut sich, als Landesbäuerin mit so vielen engagierten und innovativen Frauen landes- und bundesweit zusammenarbeiten zu dürfen. Der Austausch, die gemeinsamen Anliegen und das gelebte Miteinander zeigen ihr immer wieder, wie wertvoll Zusammenhalt ist und was möglich wird, wenn Menschen an einem Strang ziehen.
"Genau diese Erfahrungen haben auch meinen eigenen Weg geprägt. Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur die harte Arbeit, sondern vor allem das, was wir gemeinsam geschaffen haben. Nun bleibt die Hoffnung, dass unsere Begeisterung, unser Fleiß und unsere Ausdauer auch auf die nächste Generation übergesprungen sind und vielleicht dürfen wir eines Tages unseren Hof in junge, motivierte Hände übergeben."
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