HTL Wels: „Sebastian ist eine Kämpfernatur“
Nach Horrorunfall in den Sommerferien: Rollifahrer schafft Matura!

Ist stolz auf die geschaffte Matura: Elektrotechniker Sebastian Raab im Rollstuhl mit seinen Unterstützern (v.li.) Klassenvorstand Friedrich Holzinger, Antriebstechnik-Lehrer Harald Zeiringer und Diplomarbeits-Betreuer Kurt Spießberger, Mitschüler Lorenz Pichler und Direktor Bertram Geigl.
  • Ist stolz auf die geschaffte Matura: Elektrotechniker Sebastian Raab im Rollstuhl mit seinen Unterstützern (v.li.) Klassenvorstand Friedrich Holzinger, Antriebstechnik-Lehrer Harald Zeiringer und Diplomarbeits-Betreuer Kurt Spießberger, Mitschüler Lorenz Pichler und Direktor Bertram Geigl.
  • hochgeladen von Dietmar Spöcker

Zuerst der Riesen-Schock, dann die Freude über eine außergewöhnliche Leistung! „Es war ein kleines Wunder“, sagt Klassenlehrer Harald Zeiringer darüber, was Sebastian Raab nach einem Schicksalsschlag widerfahren ist und er schließlich vollenden konnte. Doch der Reihe nach.

Es war Donnerstag, der 2. August 2018, mitten in den Ferien: Der 18-jährige Eferdinger erleidet einen Motorradunfall, der in seinem Leben „schlagartig alles ändern“ sollte, denn von nun an ist er komplett querschnittgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Und das nur wenige Monate vor seiner Matura.

Schock für Familie, Klassenkameraden und Lehrkräfte

Für ihn, seine Familie, aber auch für die Klassenkameraden der 5BHET und seine Lehrkräfte ist das ein gehöriger Schock! Es folgen zwei Monate Aufenthalt im Wagner-Jauregg-Krankenhaus in Linz und ein fast viermonatiger Reha-Aufenthalt in Bad Häring in Tirol.
Hier zeigte sich zum ersten Mal, was eine echte Klassengemeinschaft ist: Rund die Hälfte der Burschen der 5BHET besuchten ihn mit ihrem Klassenvorstand Friedrich Holzinger, unterstützten Sebastian, munterten ihn auf.

Bis er endlich in der letzten Schulwoche vor den Semesterferien wieder an die HTL Wels zurückkehren konnte. Anfangs langsam, bereitete dem angehenden Elektrotechniker doch das stundenlange Sitzen Mühe, dann wurde es immer besser. Unterstützt von der gesamten Klasse, insbesondere von seinen Mitschülern Martin Grünbacher und Michael Pechhacker, ging es unter großer Anstrengung und Willenskraft Schritt für Schritt aufwärts.

Eigenes Computerprogramm für Sebastian

Zuerst galt es, sich auf die Diplomarbeit zu konzentrieren, die in nur zwei Monaten fertiggestellt werden sollte. Mit neuem Thema – „Prozessvisualisierung eines autonomen Überholvorgangs“ – und neuem Betreuer Kurt Spießberger arbeitete Sebastian zuerst im Krankenbett, später zuhause intensiv daran, mussten doch bei der Programmierung auch äußere Einflüsse wie Geschwindigkeitsbegrenzungen und Gegenverkehr beachtet werden. Dazu brauchte es allerdings ein eigenes, sündteures Computerprogramm, das Spießberger beim Ingenieurbüro Dr. Kahlert organisieren konnte – und Dr. Kahlert stellte das Ganze für Sebastian sehr günstig zur Verfügung.

Das Unterfangen gelang trotz des unglaublichen Zeitdrucks, die Diplomarbeit konnte zeitgerecht fertiggestellt werden, auch wenn es für alle Beteiligten eine "stressige G'schicht" war!

Nun ging es daran, das versäumte halbe Schuljahr aufzuholen. Klassenvorstand Holzinger: „Sebastian ist eine Kämpfernatur, er absolvierte mit unglaublicher Disziplin Woche für Woche ein oder zwei Prüfungen.“ Bis feststand: der vom Motorrad- zum Rollifahrer Mutierte kann im September zur Matura antreten!

Bestandene Matura für Sebastian Raab

Doch vorher sollte es noch auf Maturareise gehen, und zwar zum X-Jam auf die Halbinsel Lanterna bei Porec in Kroatien. „Zwei Mitschüler haben mich in den Bus hineingehoben“, erinnert sich Sebastian Raab an diese „fesche Woche“.

Im Oktober dann der Bildungshöhepunkt: Sebastian Raab besteht die Matura! Fritz Holzinger: „Sebastian hat eine unglaubliche mentale Stärke gezeigt, und durch die großartige Unterstützung seiner Mitschüler hat gleichzeitig die Klasse gezeigt, dass sie reif ist!“

Und jetzt? „Ich möchte Anfang 2020 entweder ein Studium aufnehmen oder arbeiten, aber am Beginn einmal 20 Stunden, um hineinzukommen“, erzählt der Maturant der Elektrotechnik, der sich vorstellen kann, als Konstrukteur oder Programmierer in einem Büro anzufangen. Mit dieser Einstellung sollte es ihm nicht schwerfallen, einen Job zu bekommen.

Autor:

Dietmar Spöcker aus Wels & Wels Land

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