13.11.2017, 09:36 Uhr

Sepp Eisenriegler: Wer billig kauft, kauft teuer!

Sepp Eisenriegler bei seinem Vortrag in Thalheim.
Thalheim bei Wels: Saal am Marktplatz |

Am 7. November lud die FAIRTRADE-Arbeitsgruppe in Kooperation mit der Marktgemeinde Thalheim den bekannten Konsumkritiker und Buchautor Sepp Eisenriegler ein, um über seine Erfahrungen mit Sollbruchstellen bei Elektronikgeräten und einem seiner Meinung nach fehlerhaften Wirtschaftssystem zu referiert. Über 100 Besucherinnen und Besucher waren der Einladung in den Saal am Marktplatz gefolgt und zeugten davon, dass das Thema bereits in der Bevölkerung angekommen ist.


„Wer billig kauft, kauft teuer!“ – dieser Spruch ist bekannt und Sepp Eisenriegler bestätigt diese Aussage mit nur wenigen Ausnahmen. Er betreibt seit vielen Jahren in Wien die Reparatur- und Servicewerkstatt R.U.S.Z, wurde vielfach für seine Bemühungen ausgezeichnet und ist derzeit führendes Mitglied einer Expertengruppe, die sich mit einer neuen EU-Norm zur Minimierung der geplanten Obsoleszenz beschäftigt, die ab dem Jahr 2020 in Kraft treten soll.

Durch Billigprodukte, die grundsätzlich nur für einen kurzen Verwendungszeitraum produziert werden, generieren wir Unmengen von Elektroschrott. Diese Geräte können zum Teil nicht repariert werden und landen im Müll. Aber auch das derzeitige Wirtschaftssystem wäre auf langlebige Produkte nicht vorbereitet. Dazu fehlen Fachkräfte und nicht zuletzt die Infrastruktur. Eine grundlegende Änderung des derzeitigen Systems hin zu qualitativ hochwertigen und langlebigen Gebrauchsgegenständen wie zum Beispiel Waschmaschinen, würde neue Arbeitsplätze im Service- und Reparaturbereich schaffen – so lange Ersatzteile zur Verfügung stehen.

Sepp Eisenriegler plädiert für eine Kreislaufwirtschaft, wodurch wertvolle und immer seltener werdende Rohstoffe wiederverwendet werden können, ohne diese teuer importieren zu müssen. Europa könnte so gemäß einer Studie langfristig von diesen Importen völlig absehen.

Österreich ist im Hinblick auf das Sammeln und Wiederverwerten bereits gut aufgestellt und Einrichtungen wie die Umweltprofis bzw. die LAVU führen über die Altstoffsammelzentren schon heute beachtliche Mengen an benötigten Rohstoffen wieder dem Kreislauf zu. Im zweiten Teil des Abends wurden auch regionale Initiativen der Volkshilfe (ReVital), vom Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung (FAB) und das Repair-Cafe der diözesanen Einrichtung Mensch & Arbeit in Wels präsentiert. Hier werden bereits Arbeitsplätze durch das Reparieren von Alt-Geräten geschaffen und die Menschen zur Selbsthilfe motiviert um die Lebensdauer von so manchem Radio oder von einer Kaffeemaschine zu verlängern.
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