10.12.2017, 15:54 Uhr

FH Wels: Rote Rüben gegen Blutdruck

Gemeinsam gegen Bluthochdruck: Otmar Höglinger (Studiengangsleiter Lebensmitteltechnologie & Ernährung) und Thomas Weber (Präsident der Österreichischen Hochdruckliga, Klinikum Wels-Grieskirchen). (Foto: privat)

Lebensmitteltechnologen der FH OÖ sagen den Zivilisationskrankheiten den Kampf an.

WELS. Der Welser FH-Studiengang „Lebensmitteltechnologie und Ernährung“ beschäftigt sich in seiner Forschung mit der Entwicklung von Ernährungsweisen, die Zivilisationskrankheiten vorbeugen oder lindern können. Zu den Schwerpunkten zählen Diabetes, Karies und Bluthochdruck. Jetzt konnten die Forscher gemeinsam mit dem Klinikum Wels-Grieskirchen zeigen, dass der Saft der Roten Rübe den Blutdruck erfolgreich senkt.
In einer kürzlich abgeschlossenen Studie konnte gezeigt werden, dass Rote Rüben-Säfte mit einer physiologisch wirksamen Konzentration an Inhaltsstoffen den Blutdruck bei jungen gesunden Probanden absenken kann. Diese Forschungsergebnisse wurden am Hypertonie-Kongress in Mailand vorgestellt und jetzt im Journal of Hypertension veröffentlicht.
Die Studie wurde von Otmar Höglinger (Studiengangsleiter „Lebensmitteltechnologie und Ernährung“) und Thomas Weber (Kardiologe am Klinikum Wels Grieskirchen und Präsident der Österreichischen Hochdruckliga) geleitet. Dabei handelte es sich um eine Interventionsstudie an jungen gesunden Menschen. Die Probanden tranken entweder einen Roten Rübensaft mit einer besonderen Konzentration an Inhaltsstoffen oder ein Placebogetränk.

Nitrathältige Nahrung senkt Blutdruck

Eine der wirksamen Komponenten ist Nitrat. Dieses Nitrat wird im Körper unter Mitwirkung des Speichels im Mund zur aktiven Substanz NO (Stickstoffmonoxid) umgewandelt. Dieses Stickstoffmonoxid führt zu einer Entspannung des Gefäßmuskels und damit zu einer Reduktion des Blutdruckes. „Nitrat wird auch in unserem Körper aus der Aminosäure Arginin gebildet, aber besonders im Alter lässt die Eigenproduktion nach. Deshalb ist es besonders für ältere Menschen wichtig, darauf zu achten, genügend Gemüse mit einem entsprechenden Nitratgehalt zu essen“, sagt Höglinger.
Die Menge an wirksamen Inhaltsstoffen ist in der Roten Rüben sehr abhängig vom Standort, der Düngung und der Sorte. Daher kann auch einfacher Rübensaft nicht zur Anwendung kommen.

Neue Studie an Bluthochdruck-Patienten

Die Messung des Blutdruckes erfolgte bei den Probanden durch eine 24-Stundenmessung, wobei alle 30 Minuten der Blutdruck bestimmt wurde. „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen sehr deutlich, dass der Blutdruck selbst bei Personen ohne erhöhten Blutdruck deutlich abgesenkt werden kann und auch alle beteiligten Probanden darauf angesprochen haben. Das Besondere an dem verwendeten Roten Rübensaft war, dass die Konzentration der Inhaltsstoffe durch Aufkonzentrieren so eingestellt wurde, dass physiologische Effekte erzielbar waren“, so Höglinger weiter. Die erhaltenen Ergebnisse sind so vielversprechend, dass nun eine Studie an Personen mit erhöhtem Blutdruck vorbereitet wird.
Bluthochdruck gehört zu den größten Risikofaktoren für einen frühen Tod durch Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Blutdruck wird über zahlreiche Mechanismen reguliert, dazu zählen neben Kreislaufreflexen und der Nierenfunktion auch Hormone wie das sympathische Nervensystem. Zudem gibt es eine Reihe von Risikofaktoren, die Bluthochdruck begünstigen, wie familiäre Veranlagung, Übergewicht, Bewegungsmangel, salzreiche Ernährung, Rauchen, Stress usw.

Blutdruck ist durch Ernährung beeinflussbar

Dass der Blutdruck auch durch Ernährung beeinflussbar ist, wurde unter anderem durch die „DASH Diät“ (Dietary approaches to stop hypertension) gezeigt. Das Konzept setzt dabei auf Gemüse, Obst, Fisch und eiweißreiche Lebensmittel, wie Linsen und Bohnen. Fleisch dient nur als Beilage, vorwiegend als Hühnerfleisch. „Da wir durchschnittlich bis zu 9 Gramm Salz am Tag essen, die Empfehlungen jedoch bei der Hälfte liegen, ist auch eine Reduktion der Salzmenge oft mit einer Blutdrucksenkung verbunden. Eine Gewichtszunahme von 10 Kilogramm erhöht den Blutdruck um rund 3 mmHg. Dies entspricht einem um zwölf Prozent erhöhtem Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko und einem um 24 Prozent erhöhtem Risiko für Schlaganfall“, erklärt Höglinger.

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