In 44 Jahren 39 mal live in Wien
Abschieds-Show der Toten Hosen im Ernst Happel-Stadion
- hochgeladen von Oliver Plischek
Die Legende der Toten Hosen, die begann einst im kultigen Ratinger Hof in Düsseldorf 1982. 44 Jahre später stehen Andreas Frege aka Campino (sein Spitzname seit einer Bonbonschlacht im Klassenzimmer), Michael Breitkopf, Andreas von Holst, Andreas Meurer und – seit 1998 – Vorn Ritchie noch immer gemeinsam auf der Bühne. Allerdings unter dem Fan-Damoklesschwert einer Abschiedstournee gemäß dem Motto „Trink aus. Wir müssen gehen!“ Da darf Wien natürlich nicht fehlen. Eine Stadt, zu der die Toten Hosen ein besonderes Naheverhältnis haben. Das Mega-Konzert am 12. September 2026 mit über 55.000 Fans, gleichzeitig das Ende der Europa-Tour, war bereits der 39. Gig der Jungs in der Bundeshauptstadt. Da werden Erinnerunen wach, an die Arena, ans Chelsea, ans U 4 und natürlich an die Kurhalle Oberlaa. „Wer immer damals nach dem Konzert in der Kurhalle die Straßenbahn angezündet hat – das war geil!“ – Campino mit spitzbübischem Lächeln im punkig-anarchistischen Originalton.
Eine Song-Auswahl nach einer so langen Karriere zusammenzustellen ist eigentlich gar nicht einfach, die Hosen sind allerdings Profis, die wissen, was sich die Fans erwarten. Unterhaltung allerdings mit Haltung, die Campino & Co. schon seit jeher ausgezeichnet hat. Nach den Support-Acts Buster Shuffle (aus UK), Leftovers (aus Wien) und den Donots starten die Hosen mit ihrem ersten Song „Opel-Gang“, der Original-Opel ist übrigens auf dem von Star-Fotograf Andreas Gursky konzipierten Album-Cover von „Trink aus“ abgelichtet. Ein nahtloser Übergang zum neuen Power-Track „Die Show muss weitergehen“. 16 Studio-Alben hat die Düsseldorfer Band in den letzten 4 Jahrzehnten veröffentlicht, nahezu aus jedem Album steht ein Song auf der Setlist des 2,5 Stunden langen Konzerts. Von Fan-Favourites wie „Altes Fieber“, „Bonnie & Clyde“, „Hier kommt Alex“ oder „Unter den Wolken“, Balladen wie „Alles aus Liebe“ und „Alles wird vorübergehen“ (mit Handy-Lights im ganzen Stadion) bis hin zu den Sauf-Hymnen „Eisgekühlter Bommerlunder“ oder „Bier, Schnaps und Wein, und wir hören unsere Leber schreien“ (aka „Bis zum bitteren Ende“).
Beim Live-Spektakel der Hosen erhält allerdings auch die Hochkultur einen prominenten Platz. „Punk in Bildern“, so bezeichnet Campino die aktuelle Ausstellung der Wiener Albertina über Pablo Picasso und Francis Bacon, die er im Rahmen einer Privatführung gemeinsam mit Direktor Ralph Gleis, Bassist Andi Meurer und Fotograf Andreas Gursky besucht hat. Nicht der erste Ausflug in die Kulturszene. 2005 spielten die Toten Hosen im Burgtheater eine MTV Unplugged Session, und ein Jahr später betrat Campino selbst die Theaterbühne im Berliner Admiralspalast, als Mackie Messer in der „Dreigroschenoper“ unter der Regie von Klaus Maria Brandauer. Als Polly Peachum on stage: Birgit Minichmayr, die später seine Freundin wurde und mit ihm den größten Hosen-Hit „Tage wie diese“ schrieb. In Wien wurde sie erstmals seit 2012 (!) von Campino auf die Bühne geholt, zum romantischen Duett „Auflösen“.
Die politische Message der Band ist eindeutig: „Wenn man auf einem Konzert der Toten Hosen ist, dann ist man schlichtweg auf einem Anti-Nazi-Konzert“, so Campino zum neuen Song „Was ist mit uns los“, einer progressiven Abrechnung mit dem Hass, der Unzufriedenheit, den Lügen und den Echokammern unserer Welt. Im Zugabenteil läuft dann noch das Ärzte-Cover „Schrei nach Liebe“, heute aktueller denn je.
Im dreiteiligen (!) Zugabenteil darf natürlich der Party-Spirit nicht auf der Strecke bleiben, und das mit einem Schuss Melancholie. Als zweiten Überraschungsgast präsentierte Campino die griechisch-deutsche Sängerin Vicky Leandros. Da flossen sogar bei hartgesottenen Hosen-Fans leicht die Tränen, als die beiden den auch auf dem Bonus-Album „Alles muss raus“ erhältlichen Schlager-Hit „Ich liebe das Leben“ trällerten. Ebenso beim gemeinschaftspreisenden Song „Freunde“, der die gesamte Fan-Community inkludiert.
Der exzessive Abend endet mit der traditionellen Liverpool-Hymne „You´ll never walk alone“. Aber war das tatsächlich das letzte Konzert in Wien? Die Toten Hosen touren dieses Jahr jedenfalls noch in Argentinien und 2027 auf diversen Festivals bzw. in Graz, Konstanz und Düsseldorf. Ein kompletter Abschied von der Bühne sieht anders aus. „Trinkt´s aus, wir kommen wieder?!“
www.oliverplischek.at
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Hier gehts zu den aktuellen
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.