„Yes Virginia“-Tour
Dresden Dolls live in der Wiener Arena
- hochgeladen von Oliver Plischek
„All good things come in threes“ – Das scheint das Motto der Dresden Dolls zu sein. Zumindest in Wien. Drei Auftritte hintereinander in der österreichischen Bundeshauptstadt: Am Karlsplatz mit dem „Open Piano“, in der Szene Wien und als Main Location die nahezu ausverkaufte Wiener Arena. Mit der hat die Sängerin Amanda Palmer ein besonderes Verhältnis. Als Austauschstudentin lernte sie mit 20 einen jungen Punk Goth kennen, der spielte Szeneführer und zeigte ihr einige kultige Plätze in Wien, darunter den Friedhof der Namenlosen und eben die Arena Wien.
Das war noch einige Jahre vor der Gründung der Dresden Dolls. Ihren Bandkollegen, Drummer Brian Viglione (mit dem sie nie liiert war), lernte Amanda Palmer im Jahr 2000 bei einer Halloween-Party in Boston kennen. Ihren Sound bezeichneten sie gerne als „Brechtian Punk Cabaret“ (um nicht in die Gothic-Ecke klassifiziert zu werden). Das erste Album „The Dresden Dolls“ (mit den Hits „Coin-Operated Boy“ und „Girl Anachronism“) erschien 2003, das zweite „Yes Virginia“ 2006, also vor 20 Jahren. Genau wie Taylor Swift erhielten Amanda & Brian durch Ablauf dieser Frist ihre Urheberrechte an den Aufnahmen zurück und spielten daher ihre Tracks neu ein. „Our songs have grown in conversation with the audience, like children“, so die Band in einem aktuellen FM4-Interview. Die Dresden Dolls haben eigentlich nur zwei echte Studio-Alben eingespielt, trotzdem waren sie immer wieder on Tour. Amanda Palmer selbst nahm auch einige Solo-LP´s und EP´s auf, darunter das Twin Peaks-referenzierte Album „Who killed Amanda Palmer“ und sogar ein David Bowie-Tribute.
Im Mittelpunkt der Europa-Tour 2026, die – welche Ehre – in Wien startete, steht naturgemäß das neuaufgenommene Album „Yes Virginia“, dessen Titel sich auf die Antwort eines Briefes der achtjährigen Virginia O´Hanlon an die New York Sun 1897 bezieht. Die treuherzige Frage: Gibt es den Weihnachtsmann wirklich? Die Themen des Albums sind weniger weihnachtlich: Sexueller Missbrauch, Alkoholismus oder der erste Orgasmus am Morgen. Umso intensiver und unkonventioneller das Auftreten und die modische Extravaganz der beiden Masterminds. „Die Songs existieren unabhängig von unserem Aussehen“, so Amanda Palmer bei einer ihrer zahlreichen Anekdoten während der über zweistündigen Show.
Auf der Setlist: „Sex changes“, „Backstabber“, die auf TikTok populären „Alcoholic Friends“ und „Necessary Evil“. Support Agnes Verano aus Berlin sorgt bei den Balladen „Delilah“ und „Sing“ für Harfen-Harmony. Und natürlich darf der Konnex zu Bertolt Brecht nicht fehlen, im Vorspann bereits mit dem „Alabama Song“, später mit einer mystisch-zauberhaften deutschen Version der „Seeräuber Jenny“ aus der „Dreigroschenoper“. Tja, Amanda Palmer studierte einst Germanistik in Deutschland. Und lässt mit Grauzones „Ich möchte ein Eisbär sein im kalten Polar“ den straighten NDW-Electro-Punk wiederauferstehen.
Im Zugabenteil der Hit aus der Marmeladen-Werbun - „Coin Operated Boy“ („der zahlt immerhin die Krankenversicherung“, so Amanda Palmer in einem Falter-Interview“) - und das Nine Inch Nails-Cover „Hurt“. Mit Trent Reznor standen die Dresden Dolls 2005 als Support zum ersten Mal auf der Arena-Stage. Jetzt ist ihnen der Status als Headliner nicht mehr zu nehmen, vielleicht auch bald mit neuen Songs…
www.oliverplischek.at
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