Auge in Auge mit der Gewitterfront
Mein gefährlichster Klick in Kroatien

Manchmal schreibt das Leben die besten Geschichten – und die Fotografie hält sie fest. Was als entspannter Spaziergang in der Nähe von Rijeka begann, entwickelte sich innerhalb von Minuten zu einem Wettlauf gegen die Elemente.

Es war das Jahr 2016. Ich war mit meiner Spiegelreflexkamera unterwegs, um die idyllische kroatische Landschaft einzufangen. Die Luft war ruhig, bis sich am Horizont diese gewaltige Wand aufbaute. Eine Unwetterfront, so massiv und bedrohlich, dass sie die Gipfel der Berge regelrecht zu verschlingen schien. Ich war wie gebannt von diesem Anblick, hob die Kamera und drückte ab. In diesem Moment realisierte ich noch nicht, wie schnell die Natur umschalten kann.

Das Grollen im Nacken

Der Wind drehte schlagartig. Ein eisiger Hauch peitschte mir entgegen, und aus dem fernen Grollen wurde ein furchteinflößender Donner. Die ersten Blitze zuckten über den Himmel. Plötzlich stand ich vor der Entscheidung: Schutz suchen oder die Flucht nach Hause antreten? Ich entschied mich für den etwa einen Kilometer langen Rückweg – eine Entscheidung, die mich kurz darauf zweifeln ließ.

Der Starkregen setzte ein und die Blitzeinschläge kamen bedrohlich näher. Während ich rannte, suchten meine Augen verzweifelt nach Deckung, doch das Gelände bot keinen echten Schutz. Fast hätte ich mich für die letzte Sicherheitsmaßnahme entschieden:

Die Gewitter-Schutzposition: In die Hocke gehen, die Füße eng nebeneinanderstellen, um die Schrittspannung zu minimieren, den Kopf einziehen und die Arme um die Beine schlingen. Man macht sich so klein wie möglich, um kein exponiertes Ziel für den Blitz zu bieten.

Ein Abenteuer ohne Zeugen

Völlig durchnässt, außer Atem und mit klopfendem Herzen erreichte ich schließlich meine Unterkunft. Drinnen saß meine Familie gemütlich im Wohnzimmer und beobachtete das Naturschauspiel durch das Fenster – völlig ahnungslos, welches Drama sich nur wenige hundert Meter entfernt abgespielt hatte.

Dieses Foto ist für mich mehr als nur ein Bild. Es braucht keine KI, um künstliche Welten zu erschaffen. Es wurde klassisch mit dem Fotoapparat festgehalten und im Kopf entwickelt. Es erinnert mich daran, dass die Fotografie untrennbar mit dem Erlebten verbunden ist. Ein Moment, in dem die Zeit für eine Millisekunde stillstand, während die Welt um mich herum im Chaos versank.

Nikon D7000

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