23.10.2017, 09:30 Uhr

Wenn die Nachbarn mitfeiern, darf es lauter werden: Wohnzimmerkonzert in der Schelleingasse

In der Schelleingasse trat das Monika Zöchling Quartett auf.

Das Monika Zöchling Quartett spielt fetzigen Jazz und nachdenkliche Balladen: In gemütlich, heimeliger Atmosphäre begeisterte die vierköpfige Band vor knapp 25 Zuschauern.

WIEDEN. Laute Musik, Freitagabend, in einer Altbauwohnung, ist - nur so als Geheimtipp - mit Sicherheit eines der zuverlässigsten Rezepte für den Beginn eines langandauernden, heiter bis ekelhaften Nachbarschaftsstreits. Nichtsdestotrotz: Es ist Freitagabend, Schelleingasse 52, Altbauwohnung. Gerade noch wird der Bass gestimmt, das letzte Gitarrensolo geprobt, das Schlagzeug erhält das obligatorische Feintuning. Und die Nachbarn, die werden an diesem Abend nicht über Lärm klagen, die Nachbarn, die feiern einfach mit.

"So einfach ist das", erklärt Karin Berger. In ihrer Wohnung sollen an diesem Abend das "Monika Zöchling Quartett" ein Wohnzimmerkonzert geben. Damit das im Haus keinen Ärger gibt, sitzen die restlichen Bewohner des Hauses einfach mit auf der Couch und lauschen einem Mix aus Jazz, Blues und Wiener Lied. Tische raus, Sessel rein, ein paar Kerzen, gedimmtes Licht, ein paar Getränke, Knabberzeugs: Manege frei!

"Ich hab mir gedacht, so etwas gibt's vielleicht in Paris...."

Knapp 25 Personen finden sich in Bergers Wohnzimmer ein, neben den Bewohnern des Hauses hat sie über das Nachbarschaftsnetzwerk "FragNebenan" zum Konzert eingeladen. Sabine Wagner von 'dein Wohnzimmerkonzert' organisierte die Band. Ein paar Kürbisse vor ihrer Eingangstür weisen den Weg ins Wohnzimmer, die großen, weißen Flügeltüren sind weit geöffnet. An jener Stelle, wo für gewöhnlich der Wohnzimmertisch seinen Platz findet, spielen an diesem Abend Monika Zöchling, Hannes Jamnig, Reinhard Schweiger und Alex Laloux. An Mikro, Bass, Schlagzeug und Gitarre begeistern sie auf Englisch und Wienerisch, mit fetzigem Jazz und nachdenklichen Balladen.

"Ich hab mir gedacht, so etwas gibt's vielleicht in Paris. Es freut mich umso mehr, dass es das auch auf Wienerisch gibt", verrät Besucher Matthias während der Pause. Auch Sitznachbar David ist von der Atmosphäre beim Mini-Konzert begeistert. Beide sind das erste Mal bei einem Auftritt in so kleiner Runde - beide wohl aber nicht zum letzten Mal.

Ein Ständchen zum 11. Geburtstag

Allen Grund zur Freude hat auch Natalie. Das Pflegekind von Berger bekommt an diesem Abend nicht nur ein Livekonzert frei Haus, sondern feiert auch noch ihren 11. Geburtstag. Vom Monika Zöchling Quartett gibt's hierzu extra ein Geburtstagsständchen.

Zwei Stunden lang spielt und singt die vierköpfige Band über Whats-App Kosenamen etwaiger Liebschaften, über Taxifahrer, über dies und jenes, diverse Bekanntschaften und Geschichten aus dem Alltag. Zur Zugabe heißt es dann: Sessel beiseite, Hintern hoch und Fersen auf den Altbauparkett. In der musikalischen Nachspielzeit darf das Tanzbein geschwungen werden - allen voran Gastgeberin und geborene Frohnatur Berger.

"Super"

Nachdem sich die dritte Zugabe dem Ende zuneigte, macht sich das Quartett auf Richtung Balkon zur wohlverdienten "Tschick danach", das Wohnzimmer leert sich langsam. Berger strahlt über's ganze Gesicht, nippt an ihrem Bier, ob es so ein Konzert bald wieder geben werde? "Sofort!". Und auch die Band schätzt sich glücklich. Wohnzimmer- und Straßenkonzerte gibt es eigentlich nur als "Special", erklärt Zöchling. Aber, so die Stimme der Band, "wir machen das irrsinnig gerne". Die Atmosphäre in so einer kleinen, heimeligen Runde sei eben, "sehr intim, sehr persönlich. Alles ist hautnah, du spürst dich irgendwie, das ist echt schön". Jamnig, neben Bassist auch Spezialist darin, mit wenigen Worten, Alles sagen zu können, umschreibt den Abend  so: "Super". Alle lachen, keiner widerspricht.

Und, aufgepasst, "voll wichtig: Wir fangen demnächst an, ein Album zu produzieren". Nächstes Jahr im Frühjahr soll die Platte der vier fertig sein. Der Titel ihres Debutalbums? Wird nicht verraten!
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