Balladenabend
Gruselig, makaber, morbid: Die Faszination alter Dichtkunst ist ungebrochen

Thomas "Sam" Samhaber in seinem Element als Balladenerzähler.
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  • Thomas "Sam" Samhaber in seinem Element als Balladenerzähler.
  • hochgeladen von Ulrich B. Küntzel

GROSSHASELBACH (kuli). Einen Theaterabend der besonderen Art bekamen die Zuseher am Abend des 4. September 2020 im Pfarrsaal geboten. Thomas „Sam“ Samhaber brachte im Rahmen von EUROPA in SCHWARZENAU dem Publikum deutsche Balladen aus tausend Jahren näher, indem er solche nicht nur zitierte, sondern auch die dazu gehörigen Geschichten erzählte. Gekleidet zumeist wie ein Hofnarr ohne Schellenkappe deklamierte Sam zwei Stunden lang auswendig 14 lyrische Werke, teilweise gesungen zu Gitarre und Schellenband, teilweise mittels Tamburins rhythmisiert. Mimik, Gestik, Vokaldynamik und Bühnenposition wurden dabei dramaturgisch dergestalt eingesetzt, dass es echtes Theater wurde und kein Podcast, obwohl Brechts „Taoteking des Laotse“ als einziges Werk vorgelesen wurde. Zwischen den Stücken sorgte Brigitte Temper-Samhaber mit sphärischen Klängen aus ihrem Hang („Klang-Wok“) für angenehme Interludien.

Bekannte und weniger bekannte Klassiker

Neben Werken von so genannten Klassikern wie Goethe, Schiller, Herder und Heine waren Balladen von G.A. Bürger, A.v. Chamisso, C. Brentano und etwas jüngere von B. Brecht, und E. Kästner zu hören. Fehlen durfte auch nicht die mittelalterliche „Botenart“ von Anastasius Grün und die schottische Ballade „Heinrich“ in deutscher Übersetzung. Feines Detail: Es gab drei Versionen der "Loreley" zu hören. Den Abschluss bildete der bardierte Austropop-Klassiker „Da Hofer“ aus der Feder von J. Prokopetz und W. Ambros, dessen Text man selbstverständlich auch dem Dichtungsgenre „Makabre Ballade“ zurechnen darf. Als Zugabe gab es noch einen Heinz Ehrhard. Es war echt - wie angekündigt - so spannend wie ein Netflix-Stream.

Viel Aufwand, wenig Echo

Das anwesende Publikum beklatschte intensiv sämtliche Vorträge, zum Ende gab es sogar fast schon euphorische Bravo-Rufe, und das völlig zu Recht. Das sollte ein wenig darüber hinweg trösten, dass das allgemeine Publikumsinteresse sehr, sehr gering war. Von den 27 unter strengsten Anti-Corona-Maßnahmen im Saal versammelten Menschen waren zwei Vortragende, drei deren Freunde von auswärts, sechs Mitglieder des Teams von EUROPA in SCHWARZENAU, drei deren Angehörige, sieben Mitglieder des Pfarrgemeinderates, die hervorragend für Speis und Trank sorgten, und zwei deren Angehörige. Macht in Summe 25 Personen. Hinzu kommt noch eine Pressereporterin. Das heißt, es war nur ein einziger Vertreter der Bewohner der Marktgemeinde Schwarzenau, für die eigentlich der schon erhebliche Aufwand betrieben wurde, anwesend. Danke, Frau Österreicher, für das geschätzte Erscheinen!

Ausblick auf Kommendes

Dennoch wird plangemäß weitergemacht. Für den 2. Oktober ist „fabelhaft Niederösterreich“ angesagt, vormittags exklusiv für Schulklassen, und abends ab19:30 Uhr für alle, jeweils im Kulturstadel beim Döllerwirt in Großhaselbach. Info und Karten beim Gemeindeamt unter
02849 / 2247-0 oder gemeinde@schwarzenau.at
Am 3. Oktober, seit 1990 der Tag der deutschen Einheit, wird in Kooperation mit der Waldviertel-Akademie das Leben in Ost und West reflektiert. Es referieren eine Zeitzeugin und der Leiter des DDR-Museums Berlin über die so verschiedenen Zustände in der ehemaligen DDR beziehungsweise BRD, und das bei freiem Eintritt - in der Kaminstube Zlabinger ab 18 Uhr.

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