17.08.2016, 12:02 Uhr

Kapuziner in Hartberg: Danke für 360 gemeinsame Jahre

Das Kapuzinerkloster Hartberg geht mit 1. September ins Eigentum der Diözese Graz-Seckau über. Am 21. August verabschieden sich die Kapuziner von den Menschen in Hartberg. (Foto: Kapuziner)

Am 21. August verabschieden sich die Kapuziner von Hartberg. Die Diözese Graz-Seckau will das Kloster als geistiges Zentrum in der Region weiterhin führen.

Seit über 360 Jahren leben und wirken Kapuziner in Hartberg: Im Jahr 1654 wurde der Grundstein von Kapuzinerkloster und –kirche gelegt. Am 21. August 2016 um 9 Uhr in der Klosterkirche verabschiedet sich der Kapuzinerorden mit einem gemeinsamen Gottesdienst von den Menschen in Hartberg. „360 Jahre sind eine Zeit, in der Beziehungen gewachsen sind!“, so Br. Lech Siebert, Provinzial (Ordensoberer) der Kapuziner Österreichs und Südtirols, der bei der Feier vor Ort sein wird. „Wir Kapuziner und die Menschen in Hartberg sind einander vertraut geworden.“ Der bevorstehende Abschied wurde bereits im November 2014 bekannt gegeben. „Nun geht es um ein Danke für die gemeinsame Zeit!“, so der Provinzial.

Kirchliche Nachnutzung

Mit 1. September dieses Jahres gehen Kapuzinerkloster und -kirche in Hartberg in das Eigentum der Diözese Graz-Seckau über. „Eine kirchliche Nachnutzung ist für uns immer die erste Wahl!“, sagt dazu Br. Lech Siebert. „Es geht hier um viele Menschen, die bei uns religiöse Heimat haben. Dass diese nach Möglichkeit weiterhin einen Ort haben, Gottesdienst zu feiern, hat bei unseren Überlegungen eine wichtige Rolle gespielt. Die Diözese als Nachnutzerin kommt diesem Anliegen entgegen.“ Die beiden derzeit noch im Kloster lebenden Kapuziner werden Anfang September ausziehen. Br. Johannes Salawa (54) war viele Jahre Guardian und Leiter des Klosters Hartberg. Er nimmt ein Sabbatjahr in Anspruch, bevor ihm eine neue Aufgabe übertragen wird. Br. Werner Lechner (84) wird nach Klagenfurt übersiedeln. Im Kapuzinerkloster Klagenfurt hat die Sorge für ältere Brüder seit Jahren einen besonders hohen Stellenwert.

Bedauern über Abschied

Der Generalvikar der Diözese Graz-Seckau, Dr. Erich Linhardt: „Über 360 Jahre besteht die Niederlassung der Kapuziner in Hartberg; eine Zeit, in der sie nicht nur für die Stadt, sondern für die gesamte Region prägend und sehr segensreichgewirkt haben. Vor allem die Seelsorge am „einfachen“ Volk war ihre große Begabung, und viele haben von der Gründung bis heute im Kapuzinerkloster und in der dazugehörigen Kirche eine geistliche Heimat gefunden. Es macht daher sehr traurig, dass die Provinzleitung des Ordens beschlossen hat, das Kloster der Kapuziner in Hartberg zu schließen. Als Verantwortliche der Diözese haben wir aber die Entscheidung des Ordens – bei allem Bedauern – zur Kenntnis zu nehmen. Es bleibt uns nur, den Kapuzinern ein großes „Vergelt´s Gott“ für ihr Wirken in Hartberg zu sagen und ihnen den Segen Gottes für einen guten Weg in die Zukunft zu wünschen.
Ebenso dankt die Diözese dem großen Freundeskreis des Klosters und den unzähligen ehrenamtlichen Mitarbeitern, die in den letzten Jahren mit größtem Engagement zur geistlichen Lebendigkeit dieses Ortes beigetragen haben.
Die Diözese möchte das ehemalige Kloster als geistliches Zentrum erhalten. Einen ersten Schritt in diese Richtung bildet der Kauf der gesamten Anlage, was bereits geschehen ist. In weiterer Folge wird versucht, einer kleinen Gemeinschaft von pensionierten, aber noch rüstigen Priestern aus anderen österreichischen Diözesen im Kloster Wohnung zu geben, um weiterhin geistliche Angebote für die Menschen vor Ort zu gewährleisten.

Ab Herbst wird sich besonders auch der neu ernannte Bischofsvikar MMag. Hermann Glettler in Absprache mit Dechant Dr. Josef Reisenhofer und Pastoralassistent Mag. Andreas Pichlhöfer um die grundsätzliche Neuausrichtung des ehemaligen Kapuzinerklosters kümmern.“ Hermann Glettler wird auch von Seiten der Diözese an der Feier am Sonntag teilnehmen.

Personelle Schwerpunktsetzungen im Orden

Hintergrund dieses Abschieds der Kapuziner sind verschiedene ordensinterne Maßnahmen, die die Zukunft der Kapuziner mittel- und langfristig sichern sollen. Br. Lech Siebert: „Ordensgemeinschaften befinden sich im Umbruch, da sind wir Kapuziner keine Ausnahme. Wir dürfen nicht abwarten, was die Zeit bringt, sondern müssen selbst aktiv werden.“ Unter Einbindung aller Brüder wurden 2013 verschiedene Schritte beschlossen und in die Wege geleitet. Einer davon ist die personelle Schwerpunktsetzung. „Kapuzinerleben bedeutet Leben in Gemeinschaft!“, erläutert der Provinzial. „Wir sind heute in Österreich und Südtirol etwa 115 Brüder, von denen der Großteil jetzt schon über 70 Jahre alt ist. Wir wünschen uns aber größere Gemeinschaften, in denen Jung und Alt zusammenleben. Um das zu erreichen, kommen wir nicht darum herum, manche Standorte aufzugeben.“ Gleichzeitig mit Hartberg ziehen sich die Kapuziner 2016 auch von Imst, Nordtirol zurück. Der Abschied von Schlanders, Südtirol wurde für September 2017 angekündigt. Mit den personellen und strukturellen Maßnahmen gehen inhaltliche Maßnahmen einher: U.a. setzen sich die Kapuziner in einem auf drei Jahre anberaumten Prozess mit ihrem Grundauftrag auseinander.

360 Jahre waren Kapuziner in Hartberg

Bereits 1650 wurde die Errichtung des Klosters in Hartberg beschlossen: Das in Graz tagende Provinzkapitel (Versammlung) der steirischen Kapuziner genehmigt ein entsprechendes schriftliches Ansuchen von P. Christoph von Cividale und Wolf Rudolf, Graf von Saurau, dem Herrn von Neuberg. Nach vier Jahren kam es zur Grundsteinlegung und nochmals vier Jahre später, im Jahr 1658 wurde die Kirche durch den Fürstbischof von Seckau, Johann Markus Graf von Altringen zu Ehren Mariä Himmelfahrt geweiht. Über die Jahrhunderte hatte das Kapuzinerkloster eine wechselvolle Geschichte: So blieb es von dem verheerenden Stadtbrand 1715 wie durch ein Wunder verschont. Im Jahr 1789 lebten 27 Kapuziner (18 Patres und 9 Brüder) im Haus – eine für den Kapuzinerorden ungewöhnlich hohe Zahl: Die Gemeinschaften umfassen üblicherweise zwischen 3 und 12 Brüder. Während Hartberg der Klosteraufhebungswelle unter Joseph II. entging, wurde es 1940 von den Nationalsozialisten enteignet. 1945 konnten die Kapuziner zwar zurückkehren, ein Großteil des Hauses blieb allerdings bis 1955 Bezirksaltenheim. Von 1956 bis 1967 war eine Haushaltungsschule im Kapuzinerkloster Hartberg untergebracht.
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