16.06.2016, 16:20 Uhr

Frauen in Teil- und Vollzeitjobs

Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende Ulrike Ernstbrunner. (Foto: ÖGB Tirol)

Frauenvorsitzende Ernstbrunner stellt Sinnhaftigkeit von zwei Vollzeitjobs anstatt einer Ganztagsstelle in Frage

"Über grundsätzliche Arbeitsbewertung nachdenken"

„Die Unternehmen müssen sich langsam überlegen, ob es wirklich Sinn macht, zwei Teilzeitkräfte anstatt einer Vollzeitkraft zu beschäftigen“, kommentiert Ulrike Ernstbrunner, Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende den kürzlich veröffentlichten Bericht von der Statistik Austria, wonach mittlerweile jede zweite erwerbstätige Frau in Österreich Teilzeit arbeitet.

Die geringen Frauen-Einkommen führt sie auch auf die niedrigen Löhne in den klassischen Frauenbranchen zurück. „Wir sollten in Österreich grundsätzlich über die unterschiedliche Arbeitsbewertung nachdenken. Ist die Frauenarbeit tatsächlich oft so wenig wert, wie sie bezahlt wird?“, so Ernstbrunner. Oft müssten Frauen zwei Teilzeitjobs annehmen, um ausreichend zu verdienen. Aufgrund von Karenzzeiten fehlen ihnen zudem oft wichtige Vorrückungen im Gehaltsschema.

Teilzeit: Bruttostundenlohn deutlich niedriger als bei Vollzeit

„Teilzeitkräfte verdienen allerdings nicht nur aufgrund der geringeren Arbeitsstunden weniger, sondern auch, weil ihr Bruttostundenlohn deutlich unter dem der vollzeitbeschäftigten KollegInnen liegt“, informiert Sabine Lanthaler, Frauensekretärin des ÖGB Tirol.

Laut einer Erhebung von Statistik Austria aus dem Jahr 2012 verdienen Beschäftigte in Teilzeit in Österreich um ein Viertel weniger pro Stunde als Vollzeitkräfte. Lanthaler sieht auch die Frauen gefordert, mehr Selbstbewusstsein an den Tag zu legen: „Oft glauben Frauen beispielsweise, keinen Anspruch auf Fortbildungen zu haben, weil sie Teilzeit arbeiten. Auch bei der Besetzung von Leitungspositionen werden Teilzeitkräfte traditionell benachteiligt. Dem Teilzeit-Boom kann man nur dadurch Herr werden, indem man solche Diskriminierungen konsequent aufzeigt und verfolgt.“
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