23.06.2016, 15:27 Uhr

Gesundheitsziele: Wo im Tiroler Unterland der Schuh drückt

Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg, TGKK-Direktor Arno Melitopulos, Selbsthilfe-Tirol Präsidentin Maria Grander, Wörgls Bürgermeisterin Hedi Wechner und TGKK-Obmann Werner Salzburger bei der Regionalveranstaltung "Gemeinsam Gesundheit gestalten" am 22. Juni im VZ Komma Wörgl.

Allein in Tirol bereits gravierende Unterschiede der Gesundheitssituation – Tiroler Gebietskrankenkasse will Probleme erfassen und Maßnahmen erarbeiten.

BEZIRK. Tirol ist nicht Wien und Innsbruck ist nicht Kufstein – regionale Probleme und Lösungsvorschläge aufzeigen, um die Gesundheit aller zu verbessern, das will die TGKK mit ihrer Initiative "Tiroler Gesundheitsziele" erreichen.
Ziel ist es, die verschiedenen Lebens- und Umweltbedingungen, die die Tiroler gesund erhalten, zu identifizieren und stärken, um auch für nachfolgende Generationen ein gesundes Lebensumfeld bieten zu können.

Regionaler Prozess bis November

Nach dem Start im Herbst 2015, steht nun die Situationsevaluierung sowie die Ideen- und Lösungsfindung in den Regionen am Programm. Am 22. Juni fand dazu im VZ Komma Wörgl unter dem Motto "Gesundheit geht uns alle etwas an" die Auftaktveranstaltung für das Tiroler Unterland statt. Die gesammelten Ideen und Strategien zu Gesundheitsthemen werden in den nächsten Monaten aufbereitet und im November in Innsbruck präsentiert.

Unterschiedliche Bedingungen, ähnliche Gesundheitslage

Obwohl sie geografisch so nahe beieinander liegen, könnten die Bezirke Kufstein und Kitzbühel nicht unterschiedlicher sein. Während Kufstein im sozioökonomischen Bereich (Einkommen, Bildung, Arbeitslosigkeit, Immopreise) laut Statistik Austria relativ gut dasteht, gestalten sich diese Faktoren in Kitzbühel wesentlich ungünstiger.
"Trotz unterschiedlicher Ausgangslagen sind die Gesundheitsdaten in diesen beiden Bezirken überraschenderweise relativ ähnlich", weiß der renommierte Gesundheitsforscher Wolfgang Dür bei seinem Vortrag im Komma Wörgl.
Er präsentierte am 22. Juni die aktuellsten Zahlen und Daten sowie die Rückschlüsse, die er daraus zieht. "Gesundheit setzt sich aus so vielen Faktoren, wie etwa Beruf, soziales Umfeld oder individuelles Befinden zusammen", so Dür. Daher sei es schwierig, einzelne Felder isoliert zu betrachten, es gehe um eine "ganzheitliche und nachhaltige" Evaluierung.

Unterländer sind zu dick und fühlen sich schlecht

Im Vergleich mit Rest-Tirol haben die Unterländer trotz hoher Lärm- und Luftbelastung die besten Gesundheitsdaten, vergleichsweise wenige chronisch Kranke und die zweithöchste Lebenserwartung in ganz Tirol. Relativ hoch sind aber die BMI-Werte, und auch die subjektive Einschätzung in Bezug auf Gesundheit und Lebensqualität fällt in den Bezirken Kufstein und Kitzbühel im Vergleich mit den Landskollegen wesentlich schlechter aus.
Umso wichtiger seien daher zielgenaue Priorisierungen der Gesundheitspolitik. "Die Einbeziehung der Regionen unter möglichst breiter Beteiligung der Bevölkerung ist wichtig, um ein wahrheitsgetreues Bild der gemeinsamen Wirklichkeit zu erzeugen und konsensfähige Strategien zu entwickeln", erklärt Dür. So könne man im Unterland etwa verstärkt auf Radwege oder Ernährungsschwerpunkte setzen, im Oberland seien hingegen ganz andere Maßnahmen gefragt.

Konkrete Forderungen in vier Teilbereichen

Gemeinsam mit Studenten des MCI erarbeiteten regionale Verteter aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen im Anschluss an den Vortrag die IST-Situation im Bezirk, sowie Probleme und Lösungen in den vier Kernbereichen unserer Gesundheit.
Die zusammengefassten Ideen für das Tiroler Unterland:

Individuelle Lebenswelt
Selbsthilfe fördern, Information, Prävention und Begleitung stärken, Gemeinden und Betriebe mit einbinden

Bildung
Generationsübergreifende Bildung fördern, Familien- und Gesundheitskompetenz stärken und vereinen, Buddy-System für Familien, druckentlastete Bildung

Versorgung
Gesetzesnovellen, die interdisziplinäre und integrierte Versorgung ermöglichen und finanzierbar machen

Chancengerechtigkeit
Niederschwelliger Zugang zu Versorgung und Prävention, Informationsmittelpunkt Arzt, ganzheitlicher Ansatz, Sozioökonomie

Die gesammelten Lösungsvorschläge werden in den nächsten Monaten im Detail ausgewertet und im November in Innsbruck präsentiert. Bei der nächsten Veranstaltung am 21. September in Landeck werden die wichtigsten Daten für das Tiroler Oberland evaluiert.
Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg zeigt sich erfreut über die Tiroler Gesundheitsziele: "Es geht nicht darum, über Strukturen zu sprechen, sondern über die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung." Auch TGKK-Obmann Werner Salzburger betont, dass man jetzt wisse, "wo der Schuh drückt".

Über die Tiroler Gesundheitsziele

Unter #GesundStecktAn starteten die Tiroler Gebietskrankenkasse und das Land Tirol zum Jahreswechsel die größte Gesundheitsoffensive, die das Land jemals gesehen hat. Mithilfe eines 30-Tage-Plans sollen die Tiroler unterstützt und motiviert werden, fit und gesund ins neue Jahr zu starten. Über eine eigene Facebookseite und soziale Medien konnten sich die Teilnehmer dabei auch untereinander vernetzen und versorgten sich so gegenseitig mit Gesundheitstipps. #GesundStecktAn sei laut TGKK-Obmann Werner Salzburger eine "wahre Erfolgsgeschichte" mit bereits mehr als einer Million Klicks und über tausend aktiven Teilnehmern.
In einem nächsten Schritt – beginnend mit der Regionalveranstaltung in Wörgl – werden die eingereichten Gesundheitstipps gemeinsam mit Experten diskutiert und analysiert und fließen so in die Tiroler Gesundheitsziele ein, die im Spätherbst in Innsbruck präsentiert werden.
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