09.03.2016, 16:43 Uhr

Bundespräsidentenwahl: Gequältes Lächeln am Karlsplatz

Andreas Khol besuchte die Polizei-Station am Karlsplatz. (Foto: ÖVP Wien)

Andreas Khol tourt zum Wahlauftakt durch Wien. Er verteilte Würstel beim Bitzinger, besuchte die Bürgerinitative beim Hörndlwald und die Polizeistation am Karlsplatz. Eine kritische Betrachtung.

WIEN. Links hinten, in der Polizeiwache am Karlsplatz, hängt eine Lebensrettungstafel mit einem Defibrillator. Darüber ein Bild von Bundespräsident Heinz Fischer. So wie man ihn eben kennt. Ein bisschen staatsmännisch, aber hauptsächlich lieb. Lang wird es dort nicht mehr hängen. Im April wird schließlich gewählt. Und einer, der Fischers Platz einnehmen will, soll heute die Polizeiwache besuchen: Andreas Khol, der von der ÖVP ins Rennen um die Hofburg geschickt wird. Und schon läutet es an der Tür. Obwohl man diese einfach aufdrücken kann.

Khol ist auf Wahlkampf-Tour in Wien. Dabei will er wohl auch staatsmännisch wirken. Mit seiner schon fast schreiend rot-weiß-roten Krawatte. Davor war er schon bei der Bürgerinitiative im Hörndlwald, die um den Erhalt des Naturjuwels in Hietzing kämpft. Einen Fototermin beim Würstelstand Bitzinger hat er auch schon hinter sich. Nach Bürgernähe und Würstel ist die Polizei dran. Und wo lohnt sich ein medienwirksamer Besuch mehr als am Drogen-Hotspot Karlsplatz?

Khol tritt also ein. Begleitet wird er von ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel. Und von ganz vielen Kameras. Es werden Hände geschüttelt und Fotos gemacht. Und dann versucht Khol launig in das Gespräch einzusteigen. „Ich habe einmal auf einer Polizeistation gefragt, was sie denn machen, wenn nicht viel los ist. Die Antwort war 'Befehle lesen'.“ Kohl lacht. Die Polizisten lachen auch. Allerdings gezwungen. Blümel lacht nicht. Er steht einfach daneben.

Dann folgen ein paar Dialoge. Khol gibt sich alle Mühe ein interessantes Gespräch in Gang zu bringen.

„Gibt es hier viele Probleme mit Drogen?“
„Ja.“
Kurze Pause. Blümel steht teilnahmslos daneben.

„Und wer hat die Probleme mit Drogen?“
„Quer durch alle Schichten.“
Kurze Pause. Schon wieder kein Aufhänger für ein flüssiges Gespräch. Blümel steht teilnahmslos daneben.

„Und die Drogen werden wo genommen? In den U-Bahn-Stationen?“
„Ja, auch in den U-Bahn-Stationen.“
Ein Themenwechsel muss her. Blümel steht teilnahmslos daneben.

„Und die Kollegen sind zufrieden mit dem Arbeitsplatz?“
„Ja, die sind zufrieden.“
Was soll der Polizist auch sonst antworten? Die Armada an Kameras und Mikrofonen lädt nicht gerade zu Offenheit ein. Blümel steht immer noch daneben. Aber jetzt lächelt er leicht. Vielleicht ist auch er gerade mit seinem Arbeitsplatz zufrieden.

Ein bisschen geht es so noch hin und her. Dann ist es Zeit sich zu verabschieden. Nach fünf Gesprächsminuten, gefühlt waren es in etwa 30. Dann setzt Khol zum großen, humorigen Finale an. „Melde gehorsamst: Hat mir g'falln.“ Diesmal lacht niemand. Nicht einmal gezwungen.
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Markus Cade aus St. Pölten | 14.03.2016 | 08:06   Melden
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