15.04.2016, 10:38 Uhr

Hotel Lebensfreude: "Völlig frei und wie zu Hause"

Hotelfachfrau Doris Musill ist bei allen Qualitäten vor allem eines: eine wahre Frohnatur.

Das Bad Mitterndorfer Hotel "Lebensfreude" zelebriert das Leben - nicht aber die Krankheit.

Als Doris und Peter Musill vor zwei Jahren in Bad Mitterndorf das "Hotel Lebensfreude" eröffneten, hatten sie ein Konzept, wie es in Europa in dieser Form kein zweites Mal vorkommt. Doris, gelernte Hotelfachfrau und Krankenschwester, hatte geraume Zeit ihrer medizinischen Karriere auf Onkologieabteilungen in der Bundeshauptstadt verbracht - Ehemann Peter war als Küchenchef tätig. Die Kombination aus "Krankenpflege und Gastronomie" lag also irgendwie schon immer in der Familie.
"Die Krankheit allerdings im Hotel in den Vordergrund zu stellen, das war niemals unser Ansinnen", erklärt die Hotelbesitzerin gegenüber der WOCHE. "Natürlich gehen wir auf die speziellen Bedürfnisse unserer Gäste ein - was wir aber bieten soll ein unbeschwertes Urlaubserlebnis, eben weit weg von der 'Station' sein und keine schlichte 'Pflegeverlagerung'", fügt sie hinzu. "Alle Gäste - die gesunden wie die kranken - sollen sich hier in Bad Mitterndorf so frei und entspannt fühlen als ob sie zu Hause wären. Das ist unser Ziel!"

Neu in Hinterberg

Dass sich innerhalb der einheimischen Bevölkerung bald ein gewisses Image - "manche nennen uns 'das Krebshotel'" - aufbauen würde, damit hatten die beiden Gastronomen nicht gerechnet. "Schließlich haben wir ja für alle geöffnet - und 'beim Sterben zusehen' wird man bei uns auch niemals jemandem", sinniert Doris Musill.
"Patienten, die tatsächlich terminal sind, können schließlich schon auf Grund ihrer Transportunfähigkeit nicht 'auf Urlaub fahren'", fügt sie hinzu und startet im selben Atemzug den Aufruf an die "Dosigen" doch auch einmal das Restaurant, welches sich auf Hausmannskost, vegane und vegetarische Küche spezialisiert zu besuchen. "'Normalität' ist wichtig für alle unsere Gäste und die soll bei uns auch gelebt werden", sagt sie. Undenkbar sei für sie die strikte Trennung zwischen krank und gesund.
"Wir versuchen uns dementsprechend mit den verschiedensten Kulturtreibenden der Region zu vernetzen, um so etwas wie einen 'Salon' zu etablieren", erklärt Musill, "... eben um selbst 'dosiger' zu werden und mittels Veranstaltungen das Leben der ganzen Gemeinde zu bereichern."
Ein Plan, der bisher nur mit bedingtem Erfolg aufging.

Tabus brechen

Wellness, Workshops und Vorträge, das gesunde Essen und natürlich die fantastische Aussicht auf das Hinterberger Tal und den Grimming, die schon heute feste Bestandteile des "Programmes des Hauses" darstellen, sind Aspekt der Entspannung, die nicht allein für kranke Menschen Gültigkeit haben. Ganz im Gegenteil! Abseits von Tabus, aber auch von Konventionen, ist ein Aufenthalt in der ungezwungenen Atmosphäre des Hauses Lebensfreude für jedermann genau dies: Ein Quell der Lebensfreude. Und das "g’sund Essn" dieser Tage keine "Nischenbeschäftigung", sondern ein Trend ist, der von der breiten Masse getragen wird, das beweist der Höhenflug von Vollwert-Küchen überall im Lande. Auf die Vorzüge des Hotels und Restaurants "Lebensfreude" zu verzichten, nur, weil eben auch Patienten hier genießen, scheint also ganz objektiv betrachtet, schlichtweg eines zu sein: Ein Versäumnis.
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