25.03.2016, 15:26 Uhr

Schneller als es das Internet erlaubt

Nina Stastny in der großen Kinderbuchabteilung. Sie führt das Unternehmen Kerbiser bereits in dritter Generation.

Nina Stastny, Chefin Kerbiser Mürzzuschlag, über ihre Firmenphilosophie und das E-Book.

Das Geschäft Kerbiser in der Wienerstraße in Mürzzuschlag gibt es bereits seit 80 Jahren. 1936 hat es Alexander Kerbiser als Papierwarenhandlung gemeinsam mit seiner Schwester eröffnet. 1970 übernahm Tochter Edda das Geschäft, baute es 1978 mit ihrem Mann Max Mück aus und erweiterte es um eine Buchhandlung. Seit 2002 führt Tochter Nina Stastny das Unternehmen.

Wir schaut Ihre Firmenphilosophie aus?
Stastny: Wir sind zu dritt, ein ganz kleines Team und bemühen uns, dass wir sehr nah am Kunden sind. Wir schauen, dass wir alles möglich machen, dem Kunden alle Wünsche erfüllen. Das wird auch honoriert. 95 Prozent der Bücher, die wir vor 12 Uhr bestellen, haben wir, außer es passiert etwas mit dem Lkw, am nächsten Tag in der Früh. Dadurch sind wir einfach schneller als das Internet und das ist schon ein Bonus in der jetzigen Zeit.

Wie schafft man es, sich gegen die Online-Konkurrenz und große Buchhandelsketten durchzusetzen?
Stastny: Es ist sehr persönlich bei uns, das ist das Um und Auf. Viele Kunden kommen, mit einem Zettel in der Hand zu uns, die selber im Internet recherchiert haben und sagen, das hätte ich gerne, aber ich will es einfach bei euch kaufen. In den letzten Jahren merken wir, dass das Bewusstsein zurückkommt und auch junge Leute sagen, das Buch kostet überall dasselbe, weil wir ja die Buchpreisbindung haben, ich will aber, dass es auch noch in fünf Jahren eine Buchhandlung gibt. Wir haben auch ganz viele Wochenend-Wiener, die hier Häuser haben und die das Persönliche sehr schätzen.

Wie wichtig ist das Zusatzgeschäft mit Papier- und Schreibwaren sowie Geschenksartikeln?
Stastny: Es würde auch nur mit Büchern funktionieren. Ich glaube aber, dass es schon wichtig ist, darüber hinaus ein bisschen ein anderes Sortiment dabeizuhaben. Für uns ist es schon sehr wichtig, weil wir einfach die Frequenz brauchen. 80 Prozent des Umsatzes macht aber der Bücherverkauf aus.

Das E-Book, der größte Konkurrent?
Stastny: Ich glaube nicht, dass es die größte Konkurrenz ist. Meistens ist es so, dass Frauen von Männern das E-Book geschenkt bekommen, weil die Männer sagen, du hast so viele Bücher zu Hause. Was in manchen Fällen ja sehr praktisch ist, wenn man nicht mit zehn Büchern in den Urlaub fahren will. Ich glaube, in gewissen Bereichen kann es schon sein, dass es das Buch ersetzt. Beispielsweise wenn es spezielle Fachmedien fürs Studium sind. Jeder verbringt so viel Zeit vor dem Computer, in welcher Form auch immer. Ich mag nicht, wenn ich zu meinem Vergnügen lese, dann auch noch in irgendein Kastl schauen. Das E-Book wird aber nie einen Bildband, ein schönes Kochbuch ersetzen können. Alleine von der Haptik ist es ja auch etwas ganz anderes. Und, es wird halt auch nie nach Buch riechen.

Wo liegt der Schwerpunkt beim Buch-Sortiment?
Stastny: Wir richten uns halt danach, was nachgefragt wird. Wir sind immer sehr stark aufgestellt in den Bereichen Wandern, Reise, Kochen, Garten. Wir haben eine kaum vorhandene Kunstbuch-Abteilung. Auch Bücher rund um Feste im Jahresverlauf sind bei uns immer ein Thema, ebenso ganz viele Kinderbücher. Dadurch wir viele Wiener Kunden haben, ist auch das, was in Wien aktuell ist, für uns von Bedeutung.
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