05.07.2016, 15:31 Uhr

Kölnbrein: Die Mauer lebt

Imposant ragt sie im Maltatal 200 Meter empor: Die Kölnbreinsperre (Foto: Verbund)

Thomas Jahn ist einer der Sperrenwärter der Kölnbreinsperre im Maltatal und ließ die WOCHE tief in die Mauer Einblick nehmen.

MALTA (ven). Imposant ragt sie am Ende des Maltatales empor und ist dabei das bestüberwachteste Bauwerk Österreichs auf 1.900 Metern Seehöhe: Die Kölnbreinsperre. Thomas Jahn ist einer der Sperrenwärter von Verbund, der seit 2013 dort seinen Dienst versieht.

4.500 Messpunkte

"Wir haben über 4.500 Messpunkte, die Mauer lebt", so Jahn zur WOCHE. Teilweise werden die Punkte elektrisch überprüft, großteils allerdings manuell, da sich die Mauer ständig bewegt. Sein Dienst verläuft immer von Dienstag früh bis zum darauffolgenden Dienstagmittag. "Sommer wie Winter. Im Winter werden wir mit dem Helikopter hier rauf gebracht", erzählt er. Da das Berghotel auch geschlossen hat, müssen sich die Sperrenwärter, die immer zu zwei Dienst haben, selbst versorgen. "Wir sind rund um die Uhr vor Ort."

Riss gebildet

Seine Aufgaben: Tägliche Messungen der Bewegungen und Datenerfassung mittels Barcode. Danach werden die Werte in Bezug auf die Stauhöhe verglichen, ob alles in der Norm ist. "Beim ersten Vollstau hat sich in der Stützmauer ein Riss gebildet, genau im Bereich, wo eine Statue der Heiligen Barbara steht", erzählt er. Nun wird überlegt: Hat die Figur Schlimmeres verhindert? Bei einem Vollstau drücken 5,4 Millionen Tonnen Wasser auf die Sperre, die 200 Meter hoch ist. Bei Vollstau liegt die Wasserhöhe auf 190 Metern. "Es ist ein Jahresspeicher, der über den Sommer mit Regen und Schmelzwasser gefüllt wird. 50 Prozent der Wassermenge wird - da es sich um ein Pumpspeicherkraftwerk handelt - in den Speicher gepumpt. Eigentlich besteht die Mauer aus 30 Blöcken mit einer Fuge und einer Dichtung, daher ist sie flexibel.

200 Millionen Kubikmeter Beton

Errichtet wurde das Mega-Bauwerk in den 1970er Jahren in sieben Jahren Bauzeit. Rund 1,6 Millionen Kubikmeter Beton wurden darin verbaut, später kam noch einmal ein Stützkörper mit 0,5 Millionen Kubikmetern Beton dazu. Die Kronenlänge beträgt bei der doppelt gekrümmten Bogenmauer 623 Meter, am Sockel ist die Mauer 40 Meter breit, auf der Krone 7,5 Meter. Im Inneren herrschen konstant sechs bis sieben Grad Celsius. Touristen, die zu jeder vollen Stunde eine Mauerführung machen, müssen sich daher auch im Sommer warm anziehen.

Speicher sollte voll sein

Jahn ist täglich zwischen 3,5 und fünf Kilometer in der Mauer unterwegs. Das hält fit. Dafür kennt er "seine Mauer" ganz genau. So zeigt er auch den Grundablass, bei dem rund 80 Kubikmeter Wasser pro Sekunde bei geöffnetem Hohlstrahlschieber durchschießen. "Es ist nicht gut, wenn die Sperre ganz leer ist, denn dann fehlt der Gegendruck", erklärt er, während er die Bewegungen der Mauer mittels Lot überprüft. Wenn irgend eine Messstation "anschlägt", wird dies im Krafthaus Rottau in der Gemeinde Reißeck registriert und das Telefon klingelt. Die Sperre ist über eine Druckrohrleitung mit Reißeck verbunden, das Wasser schießt vom Galgenbichl mit 500 Kilometern pro Stunde Geschwindigkeit in die 23 Kilometer Luftlinie entfernte Gemeinde. "Insgesamt bringen wir hier 1.300 Meter Fallhöhe zusammen, deshalb ist es auch eines der stärksten Kraftwerke Europas", so Jahn.

Zur Sperre:

Kölnbreinsperre
Erbaut: 70er Jahre
Beton: Insgesamt 200 Millionen Kubikmeter
Daten: 200 Meter hoch, am Sockel 40 Meter breit, Krone 623 Meter lang, 7,5 Meter breit
Kölnbreinstollen: 2.566 Meter lang
Unterwasserstollen: 192 Meter lang
Bestehend aus: Oberstufe, Hauptstufe, Unterstufe
Malta-Oberstufe: Speicher Kölnbrein
Malta-Hauptstufe: Speicher Galgenbichl, Speicher Gößkar
Malta-Unterstufe: Ausgleichsbecken Rottau
Gesamterzeugung: 775 Millionen Kilowattstunden Strom
Leistung: 891.000 Kilowatt
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Jo Hermann aus Spittal | 08.07.2016 | 16:26   Melden
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