"Frau* schafft Raum"
Neue Schau am Alsergrund gibt Opfern von Femiziden eine Stimme
- "Sie war(en) da" beschäftigt sich mit dem alltäglichem Leben von Femizidopfern.
- Foto: Sade Jerabek/MeinBezirk
- hochgeladen von Fabian Franz
"Frau* schafft Raum" beschäftigt sich bereits seit seiner Gründung mit dem Leben der ermordeten Trafikantin Nadine W., und Femiziden im Allgemeinen. In der neusten Schau geht es darum, dass alltägliche Leben der Opfer in den Mittelpunkt zu rücken und den Fokus nicht länger auf die Täter zu legen.
WIEN/ALSERGRUND. "Sie hat beim Kaffee am Morgen immer gerne Zeitung gelesen", "Egal, wie viel Stress in der Früh war, sie blieb herzlich und hat Ruhe ausgestrahlt." – Es sind alltägliche, leise Erinnerungen wie diese, welche den Ausstellungsraum "Frau* schafft Raum" derzeit erfüllen.
Erinnerungen an Trafikantin Nadine W., die an ihrem früheren Arbeitsplatz in der Nußdorfer Straße 4 einem Femizid zum Opfer fiel. Wo einst ein Gewaltverbrechen das Grätzl erschütterte, ist mit dem feministischen Kunstraum ein Ort der Solidarität und Prävention entstanden.
Partizipatives Projekt
Mit der Ausstellung "Sie war(en) da" von Julia Bugram eröffnete nun die zwölfte Schau des Projekts, das im Dezember sein dreijähriges Bestehen feiert. "Ich möchte damit jene zu Wort kommen lassen, die häufig nicht gehört werden – Angehörige, Wegbegleiterinnen, Menschen, die sie wirklich kannten –, um ihre Erinnerung in einem respektvollen Rahmen lebendig zu halten", erklärt die Künstlerin. Die Audioinstallation verwebt Sprachaufnahmen von Wegbegleitern zu einem vielschichtigen Flüstern, kombiniert mit von der Decke abgehängten, tagebuchartigen Zeichnungen.
- Künstlerin Julia Bugram möchte jene zu Wort kommen lassen, die sonst oft nicht gehört werden.
- Foto: Sade Jerabek/MeinBezirk
- hochgeladen von Fabian Franz
Das Denkmal versteht sich als partizipativer Prozess: Über WhatsApp und Signal (0677 627 412 21) können Besucher persönliche Erinnerungen an ermordete Frauen einreichen. Anonymisiert und sorgfältig aufbereitet, wächst die Klanglandschaft bis zum Ausstellungsende im Dezember dadurch monatlich weiter an.
Wichtiger Diskurs
"Dieser Raum war ein Tatort – der Schock im Grätzl saß tief", betonte Bezirksvorsteherin Saya Ahmad (SPÖ) bei der Vernissage. Kunst erreiche Ebenen, die reine Politik oft nicht ansprechen könne, und halte den Diskurs im öffentlichen Raum präsent, unterstreicht sie die Bedeutung von "Frau* schafft Raum".
Wie dringlich dieser Dialog bleibt, schildert Kerstin Bohner, Teamleiterin der Informationsstelle gegen Gewalt bei den Autonomen Österreichischen Frauenhäusern (AÖF): Jede dritte Frau in Österreich erlebe körperliche oder sexuelle Gewalt. Strukturelle Abhängigkeiten und gesellschaftliche Täter-Opfer-Umkehr seien nach wie vor gravierende Hürden. "Gewalt an Frauen dürfe niemals als Privatsache abgetan werden, sondern gehe die gesamte Gesellschaft an", so Bohner.
Boden für eine gewaltfreie Zukunft
Kuratorin Anna Valentina Ennemoser erklärt des Weiteren, dass eine kontinuierliche Erinnerungskultur den Boden für eine gewaltfreie Zukunft ebnen könne. "Sie war(en) da" verzichtet bewusst auf Anklagen oder Heldinnenverklärungen. Die Installation schaffe vielmehr einen Resonanzraum, der das Unfassbare greifbar machen soll und das Leben der ermordeten Frauen in Ehren hält.
Da die kostenlose Ausstellung immer Ende des Monats um die neuen Aufnahmen ergänzt wird, lohnt sich auch ein mehrmaliger Besuch. Geöffnet ist täglich von 8 bis 20 Uhr.
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