Sigmund-Freud-Park
Mariahilfer Künstlerin schrieb Zitate auf Wasserrohre
Die Wasserrohre im Sigmund-Freud-Park haben eine blaue Kunststoff-Ummantelung mit allerlei Zitaten von Ingeborg Bachmann erhalten. Die BezirksZeitung weiß, was und wer dahinter steckt.
WIEN. "Ihr Menschen! Ihr Ungeheuer!", steht in großen, weißen Buchstaben auf einem blau ummantelten Rohr im Sigmund-Freud-Park gedruckt. Es ist eines der Wasserrohre, welches sich von einer der U-Bahn-Baustellen oberirdisch durch den 1. und 9. Bezirk schlängelt. Die Rohre dienen dazu, Grundwasser abzuleiten, das die Bauarbeiten stört.
Künftig sollen diese Rohre aber noch einen weiteren Zweck erfüllen. Die Mariahilfer Künstlerin Petra Stelzmüller hatte die Idee, die Rohre zu einem "Sprachrohr für Frauen" zu machen, wie sie sagt. Konkret sind ihr zwei Themen ein Anliegen: Erstens die Erwartungen der Gesellschaft an Frauen und zweitens die Beziehungen zwischen zwei Personen. Bei letzterem geht es ihr vor allem auch um die Gewalt von Männern gegen Frauen, die leider noch immer ein häufiges Phänomen ist.
- Die Zitate stammen von Ingeborg Bachmann. Die berühmte Schriftstellerin schrieb den Text "Undine geht" im Jahr 1961.
- Foto: Tobias Schmitzberger
- hochgeladen von Tobias Schmitzberger
Um diese Themen zu reflektieren und künstlerisch sichtbar zu machen, nahm sich die Künstlerin den als Monolog geschriebenen Text "Undine geht" von der feministischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann vor. " In diesem Text geht es eigentlich um eine Frau, die mit einem Mann zusammen lebt, der sie unterhält", erklärt Stelzmüller. Die Beziehung tut ihr nicht gut und sie kann sich schwer von ihm trennen, die Anziehung ist wohl sehr intensiv. "Schlussendlich glaube ich aber doch, dass sie erkennt, dass sie gehen muss und ihren eigenen Weg einschlägt", so Stelzmüller: "Das ist meine Interpretation des Texts."
Ehrwürdiger Text, aktuelles Thema
"Undine geht" entstand in den 1960er-Jahren. Das sich Frauen selbstbestimmt von Männern trennen war vielleicht noch stärker ein Tabu als heute. Laut einem Flyer zum Projekt stellte der Text damals die heile Welt der Ehe und Familie grundsätzlich in Frage. Das Thema ist aber nach wie vor aktuell, immerhin befinden sich nach wie vor Menschen in Beziehungen, die ihnen nicht gut tun und wo sie sich schwer trennen können. Das aber kann sogar zu Gewalt führen, gerade gegen Frauen. Dies ist etwa eine mögliche zeitgemäße Lesart des Textes.
- Künstlerin Petra Stelzmüller, SPÖ-Frauenstadträtin Kathrin Gaál, Alsergrunds SPÖ-Bezirksvorsteherin Saya Ahamd und Bildungsdirektor Heinrich Himmer bei den Rohren.
- Foto: Max Spitzauer
- hochgeladen von Tobias Schmitzberger
Stelzmüllers Installation läuft nun unter dem Titel "Undine kommt". Das Kunstprojekt wurde unter anderem von den Wiener Linien, der Stadt Wien sowie dem 9. Bezirk gefördert bzw. unterstützt. Für Bezirksvorsteherin Saya Ahmad (SPÖ) geht es auch darum, "Kunst mit einer Baustelle zu verbinden." Baustellen könnten auch ein Teil der Ästhetik im öffentlichen Raum werden, wie das Projekt zeige. Zudem würden die Passantinnen und Passanten durch "Undine kommt" angeregt, sich mit politischen und feministischen Themen näher auseinanderzusetzen.
Die Lehren eines Lebens
Die Frauenstadträtin Kathrin Gaál (SPÖ) betonte wiederum den gut sichtbaren Standort im Sigmund-Freud-Park: "Da ist viel Bewegung, da kommen viele Menschen vorbei. Sie lesen die Botschaften, nehmen sie mit, denken nach und diskutieren. Es ist absolut perfekt, so Frauenpolitik und Gleichstellung zu debattieren."
- So schauen die Rohre im Sigmund-Freud-Park aus.
- Foto: Tobias Schmitzberger
- hochgeladen von Tobias Schmitzberger
Auf den Text stieß Stelzmüller übrigens, als sie 17 war – damals noch in der Schule. Sie musste ihn für eine Aufgabe lesen. "Ich habe dieses Buch gewählt und es war wahnsinnig schwierig zu verstehen", erinnert sie sich. Damals sei sie einfach noch zu jung gewesen. Was sie nun bei der neuerlichen Auseinandersetzung mit dem Text für sich erkannt hat: "Es braucht viele Beziehungen, gute oder schlechte, um zu verstehen, wie das Leben zwischen zwei Menschen funktioniert. Das ist heute sozusagen eine gute Erfahrung für mich."
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