90 Krippenfiguren auf Herbergssuche

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In der Kunstsammlung des Stiftes Heiligenkreuz befinden sich 90 kunstvoll gearbeitete Krippenfiguren aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die bisher vergessen waren, weil die Krippe dazu fehlte. Zwei Studierende am Institut für Konservierung und Restaurie- rung der Universität für angewandte Kunst Wien haben sich der krippenlosen Figuren angenom- men, erforschen ihre Herkunft und restaurieren sie fachgerecht. Für eine Neuaufstellung im Stift muss freilich eine passende Behausung gefunden oder hergestellt werden. Die Mönche des Stif- tes Heiligenkreuz statteten am 10. Dezember der Universität für angewandte Kunst Wien einen Besuch ab, um sich in der Adventszeit vom Fortschritt der Restaurierung ihrer herbergssuchen- den Krippenfiguren ein Bild zu machen.
Die Hochzeit zu Kana, die Verkündigung des Engels, der Zug der Weisen und Darstellungen im Tempel, diese Szenen lassen sich nach einer ersten Bestandserfassung durch die Studierenden Philippine Lagardère und Michael Bollwein mit den 90 Krippenfiguren darstellen. Analysen der Figuren und ihres Materials weisen auf eine Herstellung großteils in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert im deutsch- sprachigen Raum hin. Sie stellen neben der Heiligen Familie und den Heiligen drei Königen Bauern, Handwerker und Priester dar sowie Jesus als 12-Jährigen, der im Tempel lehrt. Aufgrund ihrer Machart mit Wachsköpfen sowie textil bekleideten Draht- oder Holzkörpern dürften sie Teil einer Krippe „baro- cken“ Stils gewesen sein. Weiters erhalten sind einige Miniatur-Möbelstücke, Tierdarstellungen fehlen.
„Die Krippenfiguren sind ein besonderes Zeugnis der Volkskunst im 19. Jahrhundert. Wir freuen uns, das Stift Heiligenkreuz bei der Herbergssuche für die Figuren mit deren Restaurierung unterstützen zu dür- fen“, sagt Univ.-Prof. Mag. Dr. Gabriela Krist, Leiterin des Instituts für Konservierung und Restaurierung an der Universität für angewandte Kunst Wien.
„Wir Mönche von Heiligenkreuz sind dankbar, dass 90 wertvolle Krippenfiguren, denen die Herberge ab- handengekommen ist, sachgerecht restauriert werden. Ein 900 Jahre altes Stift hat eben die Aufgabe, solch wertvolles Kulturgut zu erhalten. In dem geradezu ‚liebevollen‘ Umgang der Angewandten mit histo- rischen Krippenfiguren sehe ich aber auch eine Einladung, über unseren Umgang mit den real existieren- den Menschen nachzudenken, die heute weder Heimat noch Herberge haben“, so Prof. Pater Dr. Karl Wallner OCist, Rektor der Hochschule Heiligenkreuz.
Wiederaufstellung mit Krippe im Stift Heiligenkreuz
In die Sammlung des Stiftes Heiligenkreuz kamen die Figuren aus einem privaten Nachlass vermutlich in den 1980er Jahren. Wieder zum Vorschein brachte sie die Aufarbeitung des Depots durch den Kustos der Sammlung, Pater Roman Nägele. Im Rahmen ihrer Vordiplome nehmen die beiden angehenden Tex- til- bzw. ObjektrestauratorInnen seit Semesterbeginn den Bestand auf, analysieren die Schadensbilder und erforschen die Herkunft der Figuren sowie ihre Kunstgeschichte. 2015 werden sie ihre Musterrestau- rierungen an weiteren fünf Figuren fortsetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei Maßnahmen zur Reduzierung der Oberflächenverschmutzung und Deformationen sowie die Befestigung loser Teile. Damit die Her- bergssuche zu einem guten Ende findet, will das Stift eine geeignete Krippe finden. Mit dieser neuen Heimat sollen dann die Figuren in den Räumen des Stiftes Heiligenkreuz besichtigt werden können.

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