Laufbericht Phyrn-Priel-Trophy Bergmarathon 2019

Der Anstieg zur Roten Wand hat mich ziemlich gefordert
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  • Der Anstieg zur Roten Wand hat mich ziemlich gefordert
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"Es woa stoa hoat!" steht am Leibchen der Phyrn-Priel-Trophy und aus meiner Sicht muß ich sagen: Das stimmt zu 100%. Das war der schwierigste, anspruchsvollste Marathon-Trail den ich bisher gelaufen bin.

Die Speedtrail-Strecke kannte ich ja vom Vorjahr und auch die ist mit knapp 20Km und etwa 1200Hm nicht gerade fad. Aber im Vergleich zur Marathon-Strecke mit 43Km und 2500Hm ist sie nur eine Aufwärmübung.
Zunächst mal habe ich mich sehr gefreut, gleich am Freitag bei meiner Ankunft viele Freunde zu treffen: Natürlich Gregor Goldmann, der u. A. als Platzsprecher fungierte, Michael Schöppich und Philipp Kovac von den Tri Runners Baden, Renate Braimeier, Bernd Fleischmann ... Viel Zeit blieb aber nicht für Plaudereien: Auspacken, noch schnell auf einen Kaiserschmarrn in den Gasthof Post, das Laufzeugs herrichten und ab in's Bett.
Tagwache um 5:30, ein ordentliches Frühstück und um 7:00 geht es bei strahlendem Wetter 3 - 2 - 1 - LOS!

Michael hat mich schon vorgewarnt daß die Strecke ganz schön schwierig ist, also gehe ich es sehr ruhig an, genieße den Morgen, das lockere Laufen ... hoppla, da kommt ja der Philipp und schiebt sich an mir vorbei! Der hat es aber eilig ... auch Bernd leistet mir kurz Gesellschaft, bergauf zieht er davon, bergab hab ich ihn wieder, ein lustiges Spiel :-) Und - ist das nicht Cat die da vorne läuft? Tatsächlich, sie hat sich recht spontan zu einem Start entschlossen ... Trotz der frühen Stunde ist es recht warm, fast schwül aber die Strecke wirklich schön - traumhaft, als wir beim Lugkogel auf die Höhe hinaufkommen und die Sonnenstrahlen über den Kamm fluten ... herrlich, Traillaufen wie im Werbeprospekt ;-) Weiterhin locker geht es um das Karleck herum und den recht knackigen Anstieg zum Arlingsattel hinauf. Das ist schon schweißtreibend, die Sonne knallt bereits recht ordentlich herunter. Dennoch, alles tief im Grünen Bereich, Laufgenuß pur, auch das folgende Bergabstück hinuter nach St. Leonhard.

So, das war ungefähr die Strecke vom Speedtrail, ich hab zwar fast 30 Minuten länger gebraucht als letztes Jahr aber dafür fühle ich mich noch topfit und für den schwierigeren 2. Teil gerüstet. Es geht recht flach und teilweise idyllisch die Teichl entlang und dann über den riesigen Parkplatz der Wurzeralmbahn. Pffft ... der Asphalt scheint in der Sonne zu glühen, irre diese Hitze! Zum Glück gibt es gleich nachher eine Biker-Servicestelle mit Wasserschläuchen, die ich und einige andere Läufer zum Abkühlen benutzen - ein weiser Entschluß! Denn - so wie es ein Schild an der Strecke ankündigt - jetzt beginnen die Wadln zu glühen - und nicht nur die. Endlos zieht sich die Strecke großteils in der prallen Sonne bergauf, laufen ist kaum möglich, gleichmäßiges flottes Steigen angesagt. Nicht unbedingt meine Stärke ... aber zumindest lindern die nassen Haare und die nasse Kleidung die Hitze. Die letzten paar hundert Meter bis zur Wurzeralm begleite ich einen Mountainbiker der sich einen Platten geholt hat und sein Radl wieder zurück hinauf schiebt - die Plauderei lenkt von der Hitze und der Anstrengung ab. An der Labestelle Wurzeralm gönne mir eine längere Pause und tanke meine Batterien wieder etwas auf. Einem anderen Läufer scheint es deutlich schlechter zu gehen, er steigt aus dem Rennen aus.

Ich bin jetzt 4:30 unterwegs, fühle mich aber noch ganz passabel und laufe locker weiter. Die Wege hier sind voll mit Wanderern, einige feuern mich an oder fragen wieviele Kilometer ich schon hinter- und wieviele ich noch vor mir habe ... irgendwo steht ein Schild "30Km". Meine Uhr zeigt 31,5Km, gut, soll sein, so eng muß ich das nicht sehen. Abgesehen davon - jetzt kommt der Weg hinauf zum höchsten Punkt der Strecke, der Roten Wand in Sicht. Na bumm - DA hinauf geht es??? Ein steiler Pfad, durch felsdurchsetztes Gelände und sehr hoch droben, am Kamm, kann ich ein paar winzig kleine Gestalten erkennen ... und das alles in der prallen Sonne! Jammern hilft eh nix also Kriechgang einlegen und bergauf stapfen. Schritt um Schritt, ab und zu ein Blick hinunter auf die Alm mit dem kleinen See - ja, ich bin schon wieder ein Stückerl weiter oben. Ein Blick hinauf zum Kamm - ja, ich komme näher - aber sehr langsam ... dafür kreuzt Sabine, auch aus Baden, meinen Weg - eine nette Abechslung beim Aufstieg. Und irgendwann stehen wir oben, ein herrliches Gefühl und ein fantastischer Ausblick ... mit einem winzigkleinen Wermutstropfen: Ich muß da auch wieder runter ... und, nunja, jetzt, nach 5:30, fühle ich mich nicht mehr ganz fit, nicht so daß ich einen technisch schwierigen 1000m-Downhill ganz locker runterlaufe.

Dennoch, hinunter zur nächsten Labestelle bei der Dümlerhütte geht es zwar schaumgebremst aber besser als erwartet. Bei der Dümlerhütte warnt man uns: Passt's auf, der Graben hinunter zum Gleinkersee ist sehr schwierig und rutschig! Gut, ich nehme es mir zu Herzen, gehe es vorsichtig an und trabe so locker wie es noch geht bergab - aber nicht lang. Dann meldet sich der linke Oberschenkel innen mit Stechen - ach du Scheiße, das fühlt sich nach Krampf an :-( Ich stelle sofort auf Gehen um, in diesem Gelände gleichbedeutend mit Schneckentempo. Aber immer noch fast zu schnell, der Oberschenkel will sich kaum beruhigen ... als er dann nach 15Minuten endlich Ruhe gibt und ich mich mühsam eine Steinstufe hinunterlasse sticht es plötzlich im Rechten Oberschenkel - das darf doch nicht wahr sein! Verf... weiter geht es im Schleichtempo, immer wieder überholen mich LäuferInnen während ich mich bemühe mit "normalen" Wanderern Schritt zu halten ...

Eine halbe Ewigkeit dauert es bis der Weg knapp vor dem See flacher wird und ich mich traue wieder ein paar Laufschritte zu machen. Ja, es klappt, ganz vorsichtig trabe ich die Uferpromenade entlang. Trotz lächerlichem Tempo feuern mich viele Leute an und klatschen und winken mir zu - das tut echt gut :-) Die paar hundert Meter bis zur letzten Labestelle versuche ich wieder etwas flotter zu laufen - schaut so aus als ob die Oberschenkel halten. Also ein letztes Mal Melonen, Wasser, Banane - und etwas irritiert mich. Meine Uhr zeigt 44Km, der ganze Lauf sollte aber nur 43Km lang sein und bei der Labe sagen sie "nur noch 7Km!" !??? Eine Forststraße zieht sich gefühlt endlos dahin, es ist brütend schwül und eigentlich reicht es mir. Irgendwann das Schild "40Km" - meine Uhr zeigt 47Km. Bei Km30 hat sie 1,5 zuviel angezeigt, jetzt gleich 7??? Waren die letzten 10Km 15,5km lang??? Wie das??? Egal, ich muß weiter, der Weg führt nun in der prallen Sonne die Autobahn entlang, viel öder geht's nimmer aber immerhin laufe ich noch. Endlich ein Schild "Nur noch 1Km" - jippiieee!!! Und es geht auf Asphalt bergab! Meine Uhr zeigt 7:52, sehr gut, das schaffe ich noch unter 8 Stunden!

Die Freude währt jedoch nicht lange - scharf links geht es auf einen Waldweg, bergauf, daneben ein Schild "Das Hügerl schaffst auch noch :-)" Leichte Mordgedanken, wem ist dieser Sadismus eingefallen??? Grummelnd stapfe ich bergauf ... und geb Gas sobald es wieder bergab geht. Vielleicht schaffe ich es ja doch noch unter 8 Stunden ... zwischen Häusern durch, ein paar Leute rufen "Super, nur noch da um's Eck!", am Gasthof "Post" vorbei, die Einfahrt hinunter zum JUFA-Hotel. Im Durchgang zum Zielraum stehen ein Haufen Leute. Ich Rufe "Vorsicht, bitte Platz machen!" währen ich die Einfahrt runtersause - keine Reaktion. "Voooorsiiicht!" - ein paar schauen auf aber noch immer ist der Durchgang ziemlich verstopft. Im Zickzack zische ich zwischen den Leuten durch, auf das Ziel zu und durch - in 7:59:25 ... nicht berühmt aber ich bin zufrieden. Letztes Jahr hätte ich diese Strecke sicher nicht geschafft. Und heuer im Frühling, beim wesentlich leichteren IATF K42 in Innsbruck ist es mir auf den letzten Kilometern und im Ziel deutlich schlechter gegangen als hier. Mein Trainingsplan vom Gerhard Schiemer trägt offensichtlich Früchte ... mal sehen, wie es mir beim nächsten Härtetest, dem Dachstein-Torlauf Bergmarathon Anfang September gehen wird ...

Soviel vom Phyrn-Priel-Trophy Bergmarathon,

viele Grüße

Hans

P.S.: Info's, Ergebnisse und Fotos gibt es auf http://pyhrn-priel-trophy.at
Vielen Dank an Gregor Goldmann und sein Team für diesen anspruchsvollen und dennoch familiären Lauf, ich freue mich schon auf nächstes Jahr - dann hoffenlich ohne Krämpfe :-) Und danke den PPT-FotografInnen für die Bilder von der Strecke!
P.P.S: Gratulation Cat, Sabine Grafl, Johanna Simmer, Claudia Sonntag, Renate Braimeier, Michael Schöppich, Bernd Fleischmann, Michael Wächter zu euren tollen Zeiten!
P.P.P.S.: Mein GPS sagt mir nach dem Lauf es waren über 51Km und fast 2700Hm, warum auch immer ... verlaufen habe ich mich sicher nicht :-)

Autor:

Hans Stockinger aus Baden

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