02.10.2014, 00:15 Uhr

Cannabis: Fluch oder Segen?

Dr. Martin Pinsger

Die (umstrittenen) Wirkstoffe der Hanfpflanze können in der Schmerztherapie wahre Wunder wirken.

Man sieht Barbara van der G. nicht an, dass sie achtmal wegen Bandscheibenvorfällen operiert wurde. Acht Jahre lang hatte sie unglaubliche Schmerzen. Sie war nicht mehr fähig ihre Kinder zu versorgen oder gar arbeiten zu kennen, sie schlitterte in eine Depression. Heute kann die 43-Jährige wieder lachen. Sie fand im Schmerzkompetenzzentrum in Bad Vöslau die passenden Ansprechpartner für ihr Leiden – und sie fand das Medikament Nabilone. Es enthält Cannabinoide, also Stoffe der Hanfpflanze, auch als Cannabis bekannt.
Dr. Martin Pinsger, Gründer des Schmerzkompetenzzentrums in Bad Vöslau, bricht für Cannabis in Pillen-Form eine Lanze. „Es hat kein Suchpotenzial, keine Nebenwirkungen und hilft punktuell.“ Wenn's der Chefarzt genehmigt, dann kann es dem Schmerzpatienten den Aufbruch in ein neues Leben ermöglichen. Immerhin leidet jeder Vierte und lebensbeeinträchtigenden Schmerzen.
Doch beim Stichwort „Cannabis“ klingen bei vielen Menschen die Alarmglocken. Nicht nur ist es in seiner medizinischen Einsetzbarkeit umstritten (und wird von der Krankenkasse nur unter Umständen bezahlt), seit Jahren tobt auch ein politischer Kampf um die Freigabe des (vielleicht) seligmachenden Wirkstoffes. Dr. Karin Ermacora, Präsidentin des kürzlich gegründeten Schmerzverbandes, warnt jedoch: „Cannabinoide sind in der Schmerztherapie und in Pillenform sehr wirksam. Ich bin jedoch gegen die Freigabe im Alltag. Denn meinen Informationen zufolge enthält ein Joint mehr krebserregende Stoffe als eine normale Zigarette. Und vor allem gehören Jugendliche vor Cannabis geschützt. Nicht nur wegen der Suchtgefahr sondern auch wegen der schädlichen Auswirkungen auf Konzentration und Merkfähigkeit. Es kann nicht sein, dass jeder seine eigene Hanfplantage betreibt.“
Für den einen also Segen, für den anderen Fluch? Über diese und viele andere Fragen im Zusammenhang mit Schmerz und Schmerztherapie kann man bei den 1. Vöslauer Schmerztagen am 11./12. Oktober im Kurzentrum Bad Vöslau diskutieren. Das gesamte – medizinisch sehr vielfältige – Team des Schmerzkompetenzzentrums steht für Anfragen bereit, und natürlich gibt es auch Vorträge und Beratungen. www.voeslauer-schmerztage.at
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.