Hebamme in Corona-Zeiten
Christine Eisenführer: "Frauen haben mehr Angst die Geburt alleine durchstehen zu müssen, als vor Corona!"

Hebamme aus Leidenschaft: Christine Eisenführer (30) aus Schwand lebt seit acht Jahren ihren beruflichen Traum.
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SCHWAND (kw). Dreifach-Mama Christine Eisenführer (30) ist freiberufliche Hebamme und spricht im Interview mit der BezirksRundschau über die Liebe zu ihrem Job, die besondere Herausforderung in Corona-Zeiten und sie gibt Tipps für werdende Eltern.

Christine, schon früh war dir klar, dass du Hebamme werden möchtest - ein eher ungewöhnlicher Berufswunsch, oder?
Das stimmt. Schon mit zwölf schmiedete ich den Plan Hebamme zu werden. Ein Interessenstest auf einer Berufsinfomesse hat mich darauf gebracht. Daraufhin startete ich Recherchen was genau eine Hebamme macht und wie ihr Arbeitsfeld aussieht. Meine erste Live-Geburt war mit 16 im Stall bei einer trächtigen Kuh. (lacht) Von da an war es endgültig um mich geschehen. Es war sehr besonders dem Wunder Geburt so nah gewesen zu sein - ich war einfach nur fasziniert.

Wie lange bist du nun schon Hebamme?
2012 habe ich meine Ausbildung an der Fachhochschule Puch absolviert und arbeite seither im Landesklinikum Salzburg. Nach der Geburt meiner ersten Tochter habe ich den Schritt in die Freiberuflichkeit gewagt. Seit 2014 betreue ich Familien nach der Entlassung aus dem Krankenhaus - damit habe ich mir einen weiteren Traum erfüllt.

Wie kann man sich den Arbeitsalltag einer freiberuflichen Hebamme vorstellen?
Einen Alltag gibt es nicht wirklich. Jeder Tag, jede Familie, jeder Hausbesuch sieht anders aus. Und genau das macht es so spannend. Ich muss mich immer wieder neu auf die Familie, die Frau mir einstellen und herausfinden wie ich sie am besten unterstützen kann. Eine Arbeitswoche lässt sich also nur grob planen, denn die Kinder schlüpfen dann wann sie wollen. Dadurch muss man flexibel sein und manchmal das Private hinten anstellen. Doch zum Glück haben wir ein tolles Team an freiberuflichen Hebammen im Bezirk Braunau, und können uns so bei Krankheit oder Urlaub perfekt vertreten.

Du bist mittlerweile selbst Mama von drei Kindern. Hat sich deine Arbeitsweise dadurch irgendwie verändert?
Ja, in einer gewissen Weise schon. Ich habe am eigenen Leib erfahren dass Zuhören und Zuspruch von immenser Bedeutung sind. Oft stehen da sogar die medizinischen Ratschläge hinten an. Viele Frauen sind oft verunsichert durch gut gemeinte Ratschläge von außen. Da ist es sehr wichtig der Frau den Rücken zu stärken um ihren Weg gehen zu können.

Was liebst du am meisten an deinem Job?
Auf alle Fälle die Vielseitigkeit und Abwechslung: jede Frau, jede Familie und jede Betreuung ist anders. Ich bekomme Einblick in den wohl einzigartigsten, wunderbarsten und auch intimsten Augenblick des Frauseins. Es ist einfach phänomenal bei dem größten Wunder dabei sein zu dürfen. Die beste Belohnung ist die Frauen nach dem Wochenbett wieder zu treffen und zu sehen wie sie ihre Mutterrolle auf ihre ganz eigene Art und Weise meistern.

Kannst du dich noch an deine erste Geburt erinnern?
Oh ja, das war Adrenalinrausch pur. (lacht) Ich weiß noch, dass die Frau ihr zweites Kind erwartete und eine Wassergeburt geplant hatte. Nach der Eröffnungsphase entschied sie sich doch lieber aus der Wanne zu steigen und das Kind "an Land" zu bekommen. Da war ich dann noch mehr gestresst, denn die Geburt ging bereits ziemlich zügig voran. Mit Müh und Not schaffte sie es mit meiner Hilfe aus der Wanne und bis zum Gebärbett. Dort brachte sie dann im Stehen ihr Kind zur Welt. Ich war heil froh dass ich die Hände nicht von Ort und Stelle nahm und so die kleine Maus gesund und munter in Empfang nehmen konnte.

Eine Schwangerschaft beziehungsweise Geburt ist ein ganz besonderes Ereignis – wie gehen Mütter oder Paare damit um?
Wir sind gewohnt vieles zu planen und zu kontrollieren. Bei einer Schwangerschaft und Geburt funktioniert das nicht, man muss es so nehmen, wie es eben kommt. Und genau das ist für viele sehr schwierig. Auf der einen Seite freut man sich über den Nachwuchs, auf der anderen Seite ist die Ungewissheit, wie das alles seinen Weg nimmt, beängstigend. Verständlich, es gibt auch nicht wirklich etwas Vergleichbares. Plötzlich hat man Verantwortung für einen anderen Menschen, das kann einem schon mal zu schaffen machen. Hier sind wir Hebammen gefragt, um die Frauen/Paare zu erden, ermutigen und durch die spannende Anfangszeit der Elternschaft zu begleiten.

Auf Grund von Corona durften teilweise Väter nicht oder nur sehr kurz bei der Geburt dabei sein. Was hältst du von dieser Maßnahme?
Ich kann die Besorgnis der Träger der Krankenhäuser und Spitäler verstehen – sie haben viel Verantwortung. Laut dem Bundesministerium für Soziales und Gesundheit dürfen gesunde Väter während der Geburt im Kreißsaal mit einem Mundnasenschutz anwesend sein. Dies war und ist in den umliegenden Krankenhäusern auch so umgesetzt worden. Dennoch ist die Auslegung wann eine Geburt stattfindet von Haus zu Haus unterschiedlich. In manchen Spitälern dürfen Väter ab der Aufnahme der Gebärenden mit in den Kreißsaal, egal wie weit die Geburt schon fortgeschritten ist. Und in anderen Häusern erst dann, wenn definitiv ein Geburtsfortschritt, wie regelmäßige Wehen erkennbar ist. Der Partner ist für die Gebärende der Fels in der Brandung. Deshalb ist für Frauen zur Zeit die Angst vor einer Geburt ohne Partner größer, als die Angst vor Corona.

Wie gefährlich ist Covid-19 für eine Schwangere oder ihr Kind?
Da der Covid 19 Virus noch sehr jung ist, ist er auch noch nicht gut erforscht. Aktuell geht man davon aus, dass Schwangere nicht mehr gefährdet sind als andere Personen. Bis jetzt hat man bei betroffenen Schwangeren einen milden bis schwachen Verlauf beobachtet. Laut aktueller Studienlage besteht kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Ob eine Ansteckung bereits im Mutterleib stattfinden kann oder erst nach der Geburt beispielsweise durch Körperflüssigkeiten ist noch nicht geklärt.

Was hat sich für dich durch die Corona-Pandemie verändert?
Verändert hat sich für mich die tägliche Schrittanzahl – ich muss in neunzig Prozent der Fälle immer noch zurück zum Auto um den Mund-Nasenschutz laufen, weil ich ihn wieder mal vergessen habe. (lacht) Das Arbeitspensum ist deutlich gestiegen, da die Schwangeren und Wöchnerinnen viele Fragen haben. Außerdem planen zurzeit sehr viele Schwangere eine ambulante Geburt – also eine Entlassung aus dem Krankenhaus innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt. In diesem Fall benötigt es etwas Vorbereitung und mehr Nachsorgetermine. Und auch die Maske bringt unweigerlich Distanz. Wir sind körperliche und auch physische Nähe gewohnt und schätzen dies auch in unserer Arbeit. Positiv ist allerdings, dass der Besucheransturm im Krankenhaus und zuhause weg fällt. Die Frauen sollen sich gut erholen, da ist ein stundenlanger Besuch sehr anstrengend. Deshalb bestehe ich auch darauf, dass „meine Frauen“ im Wochenbett einen Gang runter schalten und die Wäsche mal in der Ecke liegen lassen. Das Baby ist jetzt wichtiger.

Mit welchen Herausforderungen bist du zurzeit konfrontiert?
Aktuell sind wir mit sehr vielen organisatorischen Fragen konfrontiert. Viele Frauen haben Angst, wie die Geburt in Zeiten von Corona ablaufen wird. Hier ist die Herausforderung immer auf dem neuesten Stand zu sein. Es finden sich leider viele falsche Informationen und Halbwahrheiten, dass man schnell den Überblick verliert. Auch der Umgang mit der Ungewissheit, wie es weiter gehen wird, soll man einen Kurs planen oder nicht, soll man noch eine Frau für die Nachbetreuung annehmen oder nicht - weil man vielleicht selbst mit möglichem Homeschooling der Kinder schon ausreichend eingeteilt sein wird.

Was wünschst du dir in Bezug auf Corona seitens der Regierung?
Aus meiner Sicht ist es derzeit für uns freiberuflichen Hebammen gut geregelt und kommuniziert. Wir wissen unsere Rahmenbedingungen und haben klare Handlungsempfehlungen. Aber sämtliche Kursangebote leiden darunter. Durch die maximal Teilnehmeranzahl ist oft ein Kurs nicht wirklich wirtschaftlich für uns Hebammen oder schwierig eine geeignete Location zu finden, um die Vorgaben einzuhalten. Kurse wie Geburtsvorbereitung oder Rückbildung sind aber ein wichtiger Teil der unbedingt angeboten werden sollte.

Welchen Tipp hast du für werdende Eltern – gerade jetzt in dieser besonderen Zeit?

Mein Tipp: Lasst euch nicht verrückt machen. Vertraut darauf, dass alles gut wird, man kann es sowieso nicht planen. Es nimmt einem viel Angst wenn man sich gut auf die Geburt vorbereitet, egal in welcher Form, ob man Dinge fürs Baby besorgt, Yogaübungen durchführt, ein gutes Buch liest oder einen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Jeder soll sich das für sich am besten geeignetste einfach aussuchen.

Geburtsvorbereitungskurse

Ort: Schmieding 1, 5134 Schwand
Termin: 4. Dezember 2020, 13-18 Uhr (nur Frauen) & 5. Dezember 2020, 8-12 Uhr, 13-17 Uhr (mit Partner)
Kosten: 120€ pro Paar

Ort: EKIZ Mattighofen
Termin: 23. Februar 2021 (4x wöchentlich), 25. Februar 2021 (4x wöchentlich)
Uhrzeit: 17-20 Uhr

Nähere Details unter: www.bauchgefuehl-hebamme.at

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