Donaustadt
Die "Stadtstraße" wurde beschlossen

Die Bürgerinitiative "Hirschstetten-retten" protestierte vor dem Rathaus gegen die "Stadtstraße".
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  • Die Bürgerinitiative "Hirschstetten-retten" protestierte vor dem Rathaus gegen die "Stadtstraße".
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Die Baukosten für die "Stadtstraße" von Aspern bis Hirschstetten wurden im Rathaus nun freigegeben.

WIEN/DONAUSTADT. 3,2 Kilometer Straße, zwei Tunnels, 460 Millionen Euro: Das sind die Eckdaten der seit 1992 geplanten vierspurigen "Stadtstraße", die Aspern mit Hirschstetten und damit auch mit der Südosttangente verbinden soll.

Dass in Hirschstetten Ende des Jahres zu bauen begonnen wird, wurde nun im Rathaus entschieden: Dort hat der Mobilitätsausschuss mit den Stimmen von SPÖ, Neos, ÖVP und FPÖ jene 460 Millionen Euro freigegeben, die für das Monsterprojekt veranschlagt werden. Vorsitzender Erich Valentin (SPÖ) begründet die Entscheidung so: "Transitverkehr, der weder Ziel noch Ursprung in Wien hat, in die Stadt hineinzuziehen, ist widersinnig."

Der Bezirkschef ist dafür

Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) schließt sich dem an: "Die Stadtstraße bringt Lebensqualität für die Donaustädter und ist essentiell für den Wirtschaftsstandort im Norden Wiens." Auch die ÖVP lobt die Entscheidung: "Der Bau der Stadtstraße sowie des Lobautunnels ist ein wichtiges Infrastrukturprojekt zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen", erklärt Stadträtin Isabelle Jungnickel.

Auch Davor Sertic, Spartenobmann Transport und Verkehr der Wiener Wirtschaftskammer, ist für die Stadtstraße. Er sieht die geplante Trasse als wichtige Verkehrsstrecke für Autos und Lastwägen: "Ich freue mich, dass die Stadtstraße nun finanziell bewilligt wurde und bis 2025 fertig gestellt werden soll", so Sertic, "im 22. Bezirk gibt es in Wien das größte Reservoir an ungenutzten, freien Betriebsflächen. Die Wiener Stadtstraße wird künftig eine wichtige Verkehrsachse werden für alle, die vom Stadtrand und Umland direkt ins Zentrum des 22. Bezirks - und weiter bis nach Wien fahren wollen."

Nicht nur die Bewohner von Hirschstetten protestierten, auch "Fridays For Future" stand vor dem Rathaus.
  • Nicht nur die Bewohner von Hirschstetten protestierten, auch "Fridays For Future" stand vor dem Rathaus.
  • Foto: Hirschstetten-retten
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Gegen die "Stadtstraße" sind einzig die Grünen, Gemeinderätin Heidi Sequenz wohnt in der Donaustadt: "Die SPÖ verkauft die Stadtautobahn als 'Entlastung der alten Ortskerne' - die Stadtstraße wird aber noch mehr Verkehr in die Stadt spülen, weil sie direkt an die Transitroute Lobauautobahn angebunden wird." Mobilitätssprecher Kilian Stark: "Wissenschafter und Wissenschafterinnen sagen es deutlich: Diese Donaustadtautobahn durch Wien gehört gestoppt. Sie ist ein Uraltprojekt und keine Lösung für die Herausforderungen der Klimakrise. Sie ist Verkehrspolitisch ein Fiasko, Klimapolitisch eine Katastrophe und so erreichen wir niemals unsere klimapolitischen Ziele."

Bei der bz-Umfrage zur S1 und Stadtstraße sprachen sich 62 Prozent für den sofortigen Stopp der Baupläne aus. Was sagt Grünen-Klubobmann Wolfgang Orgler dazu? "Diese Umfrage zeigt sehr deutlich, wie die Donaustädterinnen und Donaustädter über eine weitere Schnellstraße samt Tunnel in einem einzigartigen Naturschutzgebiet denken", so Orgler, "wir wollen keinen zusätzlichen Verkehr mit noch mehr Abgasen, CO2, Feinstaub und Lärm. Wir brauchen einen deutlichen Ausbau des öffentlichen Verkehrs, vor allem in den Außenbezirken Wiens mit raschen Anbindungen in das Umland." Orgler fordert Maßnahmen zur Erleichterung von Radfahren und Zu-Fuß-Gehen sowie Investitionen in Öffis.

Viele Bezirksbewohner demonstrierten vor dem Rathaus: "100.000 Quadratmeter wertvolles Grünland sollen durch diese vierspurige Autobahn versiegelt werden. Unsere Kinder werden einmal diese Suppe auslöffeln müssen, die ihnen die verantwortlichen Politiker einbrocken wollen", so "Hirschstetten-retten"-Gründer Werner Schandl, der durch die "Stadtstraße" vor steigenden Verkehrszahlen samt CO2-Emissionen und erhöhter Feinstaubbelastung warnt und für den Ausbau der Öffis eintritt.

Die Wissenschaft ist dagegen

Zahlreiche Wissenschafter aus Wien treten gegen die geplante "Stadtstraße" ein: In Zeiten der Klimakrise handle es sich um ein kontraproduktives Projekt. Hermann Knoflacher, emeritierter TU-Professor am Institut für Verkehrswissenschaften, Helga Kromp-Kolb, emeritierte Professorin am Institut für Meteorologie und Klimatologie an der BOKU, Barbara Laa, Verkehrswissenschafterin an der TU und Politikwissenschaftler Mathias Krams meldeten sich zu Wort.

Lobautunnel, S1 und "Stadtstraße" gehören laut den Projektgegnern zusammen.
  • Lobautunnel, S1 und "Stadtstraße" gehören laut den Projektgegnern zusammen.
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Knoflacher erklärte die Bezeichnung "Stadtstraße" als irreführend, denn es handle sich tatsächlich um "eine vom lebenden Organismus der Stadt getrennte vierspurige Fahrbahn“. Die ersten Pläne zur Stadtstraße gab es bereits in den 1970er-Jahren, schon damals sei versucht worden, mit dem Begriff „Hochleistungsstraße“ die Bevölkerung zu „täuschen“. Nach viel Widerstand wurde das Vorhaben 1972 einstweilen gestoppt. Laut Knoflacher „eine kluge und weitblickende Entscheidung für die Stadt Wien“. Der Wissenschafter tritt für den Ausbau der Öffis und der Radwege ein, besonders für Fußgänger sollte mehr getan werden.

Barbara Laa, Verkehrswissenschafterin an der TU Wien erklärt, dass es "erschreckend ist, dass Politiker immer noch mit dem Versprechen der Verkehrsentlastung solche Megaprojekte forcieren. Das Phänomen des ‚induzierten Verkehrs‘ ist längst bekannt: Mehr Straßen führen zu mehr Autoverkehr.“ Laa hält es für verantwortungslos, "dass mitten in der Klimakrise immense Summen für den Bau von neuen Schnellstraßen aufgebracht werden." Der Bau würde über Jahrzehnte hinweg zu höheren Kohlendioxid-Emissionen führen.

Der Protest gegen die "Stadtstraße" war recht bunt.
  • Der Protest gegen die "Stadtstraße" war recht bunt.
  • Foto: Hirschstetten-retten
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"Stadtstraße widerspricht Klimazielen"

Helga Kromp-Kolb sagte, dass die Pläne zur "Stadtstraße" aus der Zeit lange vor den aktuellen Klimazielen stammen: "Bevor weitere Beschlüsse zur Umsetzung dieses Verkehrsplanes getroffen werden, sollte das gesamte Konzept auf seine Verträglichkeit mit den Klimazielen überprüft werden."

Politikwissenschafter Mathias Krams sieht die "Stadtstraße" als nicht geeignet an, um die Ziele der Verkehrsreduktion und der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen, sie sei vielmehr kontraproduktiv und führe zu mehr Verkehr. Die Stadtstraße Aspern setze falsche Anreize. „Der Gemeinderat erweist sich am Weg zur ‚Klimamusterstadt‘ einen Bärendienst."

"Platz für Wien" vergleicht die Baukosten der Stadtstraße mit den Radwegen, die um denselben Betrag in Wien errichtet werden könnten.
  • "Platz für Wien" vergleicht die Baukosten der Stadtstraße mit den Radwegen, die um denselben Betrag in Wien errichtet werden könnten.
  • Foto: Platz für Wien
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Auch Ulrich Leth von der Initiative "Platz für Wien" ist gegen die "Stadtstraße": Der TU-Wissenschafter kritisierte Erich Valentin, den Vorsitzenden der Mobilitätsausschusses im Rathaus: "In der Stadtplanung werden laut Valentin mit dem Programm 'Raus aus dem Asphalt' und jährlich 20 Millionen Euro für Entsiegelungsmaßnahmen Akzente gesetzt." Leth zieht einen Vergleich mit den 460 Millionen Euro Baukosten der "Stadtstraße" und den 100 Millionen Euro, die Wien in den nächsten fünf Jahren für Klimaschutz ausgeben will: "Man versiegelt also für 460 Millionen, während man für 100 Millionen entsiegelt."

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