28.06.2017, 08:57 Uhr

Berufsfischer hadern mit zerstörten Netzen am Neusiedler See

Leopold Krenn findet immer öfter durchschnittene Netze vor.
PURBACH/DONNERSKIRCHEN (ft). Seit 1969 ist Leopold Krenn aus Donnerskirchen nun schon als Berufsfischer am Neusiedler See tätig. Doch dies gestaltet sich in den letzten Jahren immer schwieriger: Immer öfter gelangen Segler und andere Boote in die Netze der Berufsfischer und lassen diese mit einem Totalschaden zurück.

Finanzieller Schaden

Da besagte Schiffsführer oft Fahrerflucht begehen, obwohl sie im Regelfall versichert sind, bleiben Krenn und seine Kollegen auf den hohen finanziellen Schaden sitzen. Schließlich koste ein einzelnes Netz rund 3.500 Euro. Für Krenn, dem Obmann des Fischereiverbandes Neusiedler See, tragen vor allem die Nachtfahrer am See Schuld am Desaster: "Viele, die in der Nacht am See unterwegs sind, verlieren die Orientierung und geraten so in unsere Netze. Um dann weiter fahren zu können, schneiden sie die Netze mit Messern durch."

Fünf Netze in drei Wochen


Innerhalb von nur drei Wochen seien dem 76-Jährigen gleich fünf Netze zerstört worden. Und dies sei wahrlich kein Einzelfall: "Das ist schon vielen Fischern rund um den See passiert und ist in Wahrheit existenzbedrohend." Aber nicht nur für die Fischer selbst: "Es gibt zahlereiche Gaststätten und Restaurants, wo Fische aus dem Neusiedler See auf der Speisekarte stehen."

Ein Problem seit Jahren

Grundsätzlich bestehe das Problem schon seit Jahren, "in letzter Zeit ist es aber immer stärker geworden." Wie es dazu kommen kann, dass ein Schiffsführer die Orientierung verliert, erklärt sich Krenn so: "Entweder sie sind betrunken, passen nicht auf oder wissen grundsätzlich nicht, was sie tun. Jedenfalls scheint das ein Kavaliersdelikt zu sein, was es natürlich nicht sein darf."

Immer mehr Fischer hören auf

Obwohl man das Problem neben der Polizei auch schon der Landesregierung mitgeteilt hat, scheint sich nichts zu ändern. "Man könnte den Booten, die in der Nacht am See unterwegs sind, Scheinwerfer gesetzlich verordnen, damit sie die weißen Bojen, an denen unsere Netze angebracht sind, nicht übersehen", schlägt Krenn vor.

Verband gefährdet

Denn sollte sich die Zerstörung der Netze fortsetzen, würden immer mehr Berufsfischer ihre Netze endgültig an den Nagel hängen. "Unser Verband hat derzeit 14 Berufsfischer. Wenn es so weiter geht, wird es den Verband aber nicht mehr lange geben, da immer mehr aufhören werden und wir dann die Pacht für den See nicht mehr bezahlen können", schildert Krenn.
Und das wäre auch für die Sauberkeit des Sees fatal: "Wir haben schon Autoreifen, große Batterien und Relikte aus dem zweiten Weltkrieg aus dem See gefischt. Wir sind diejenigen, die den See sauber halten."
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