An der Grenze Asten/Enns
ÖBB planen riesige Photovoltaik-Anlage im Aussiedler-Gebiet

Karl Schneeberger, Franz Witzeneder, Harald Pramhaas, Eva Wartlik, Elfriede Witzeneder, Monika und Hans Haslhofer (v. l.) sind mit dem Standort der Anlage nicht einverstanden.  | Foto: Ulrike Plank
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  • Karl Schneeberger, Franz Witzeneder, Harald Pramhaas, Eva Wartlik, Elfriede Witzeneder, Monika und Hans Haslhofer (v. l.) sind mit dem Standort der Anlage nicht einverstanden.
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So groß wie 28 Fußballfelder soll eine Anlage für Sonnenstrom nahe der B1 in Enns werden. Anrainer sehen das Projekt mit Sorge. 

ENNS, ASTEN. "Warum baut man im Aussiedler-Gebiet eine riesengroße Photovoltaik-Anlage? Warum zerstört man dafür hochwertige Ackerflächen und das Naherholungsgebiet? Und was passiert mit der Anlage, wenn das Hochwasser wieder kommt?": Diese und noch viele Fragen mehr beschäftigen derzeit Bürger in Enns und Asten. Sie wurden kürzlich darüber informiert, dass die ÖBB eine rund 20 Hektar große Photovoltaik-Anlage im Bereich Erlengraben planen.

Nördlich der B1 und Weststrecke

Im Juni hat die ÖBB Infrastruktur AG beim Ministerium von Leonore Gewessler um die eisenbahnrechtliche Genehmigung des Projektes angesucht, die Prüfung läuft derzeit. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, soll eine "Photovoltaik-Freiflächenanlage mit 21,75 Megawattpeak", errichtet werden. Hintergrund: Bis 2023 beabsichtigen die ÖBB 80 Prozent des Bahnstromverbrauches aus Eigenerzeugung abzudecken. Die Flächen im Bereich der Gemeindegrenze Enns/Asten liegen "größtenteils nördlich der B1 Wiener Straße und der ÖBB-Strecke Wien Meidling Linz Hbf. Ein kleinerer Teil der Anlage befindet sich südlich der B1 zwischen den Bahngleisen der Weststrecke". Es handle sich "ausschließlich um intensiv genützte landwirtschaftliche Flächen", so die ÖBB im Antrag. Mit den Grundeigentümern gebe es bereits Pachtverträge. Der Baustart ist für 2025, die Inbetriebnahme 2026 geplant. 

Die erste ÖBB-Photovoltaikanlage für Bahnstrom in Wilfleinsdorf (Bruck an der Leitha, NÖ). Diese befindet sich nicht im Hochwassergebiet und hat eine niedrigere Aufständerung.  | Foto: ÖBB/Fritscher
  • Die erste ÖBB-Photovoltaikanlage für Bahnstrom in Wilfleinsdorf (Bruck an der Leitha, NÖ). Diese befindet sich nicht im Hochwassergebiet und hat eine niedrigere Aufständerung.
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Frist bis 9. August

Bis 9. August haben die verständigten Anrainer nun Zeit, Stellungnahmen und Einwendungen zum Projekt abzugeben. "Die Frist fällt mitten in die Urlaubszeit. Eine Infoveranstaltung soll es erst im Herbst geben, wenn alles gelaufen ist. Ich glaube, man versucht hier, das Projekt unter dem Radar genehmigen zu lassen", beschreibt Stefan Auinger die Stimmung der Gruppe beim Lokalaugenschein am nahen Eglseergut. Dessen Besitzerin, Biobäuerin Eva Wartlik, bewirtschaftet Flächen gleich angrenzend an die geplante Anlage. Auch sie macht sich Sorgen: "Die Auswirkungen von so großen Anlagen sind ja noch gar nicht bekannt. Wie wird sich etwa die Wärmeabstrahlung auswirken? Der ganze Bereich soll außerdem eingezäunt werden, wo sollen die Tiere hin? Es gäbe wirklich bessere Flächen dafür als das hochwertige Ackerland hier." Dem pflichtet Harald Pramhaas bei: "Es gäbe genug Alternativen, Dächer von Einkaufszentren, Park and Ride-Anlagen. Entlang der Bahnstrecke sind kilometerlang Lärmschutzwände, die alle gegen Süden ausgerichtet sind. Warum nutzt man nicht solche Flächen?" "Uns hat man abgesiedelt wegen dem Hochwasser, die Häuser mussten abgerissen werden und die bauen jetzt eine solche Anlage genau dorthin?", wundert sich Elfriede Witzeneder. 

Harald Pramhaas sowie Elfriede und Franz Witzeneder beim Lokalaugenschein im Bereich Erlengraben, wo die PV-Anlage entstehen soll.  | Foto: Ulrike Plank
  • Harald Pramhaas sowie Elfriede und Franz Witzeneder beim Lokalaugenschein im Bereich Erlengraben, wo die PV-Anlage entstehen soll.
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"Energie vor Ort nutzen"

Die Wahl des Standortes erklärt ÖBB-Sprecher Christopher Seif so: "Der Standort Asten befindet sich in der Nähe der vielbefahrenen Weststrecke, wodurch die erzeugte Energie vor Ort direkt genutzt werden kann und damit Transportverluste weitestgehend vermieden werden. Die Ableitung der Energie erfolgt über das nahegelegene ÖBB-Unterwerk Asten. Das Hochwasser stellt keine Gefährdung der Photovoltaikmodule dar." Auch verbaute Flächen würden bereits genutzt, so Seif: "Die ÖBB haben im Mai 2024 bereits die 100. Photovoltaikanlage in Betrieb genommen. Diese wurden vorrangig auf Gebäudedächern und weiteren versiegelten Flächen errichtet. Auf Schallschutzwänden wurden bisher Pilotanlagen errichtet." Auch eine Agri-PV-Anlage, also die gleichzeitige Nutzung der Fläche für Landwirtschaft und Stromerzeugung, sei denkbar: "In Asten werden die Möglichkeiten einer landwirtschaftlichen Nutzung evaluiert. Aktuell werden zwei Agri-Photovoltaikanlagen für Bahnstrom in Thalsdorf (Kärnten.) und Riedau (OÖ.) errichtet." Die betroffenen Gemeinden seien über die Pläne informiert worden: "Es gab bereits eine Projektvorstellung vor Ort mit dem Gemeinderat Asten, natürlich wurde auch mit mehreren Gesprächen vor Ort die Gemeindevertretung von Enns informiert. Die ÖBB legen viel Wert auf ein gutes Einvernehmen mit der Stadt Enns und der Gemeinde Asten. Eine Infoveranstaltung für interessierte Bürger:innen, Anrainer:innen und Volksvertreter:innen ist am 2. Oktober 2024 geplant."

Einsicht in Projektunterlagen

Die Unterlagen zum Projekt sind aktuell online öffentlich zugänglich unter DIESEM LINK. Überdies können Interessierte bis 9. August am Stadtamt Enns Einsicht nehmen.

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Karl Schneeberger, Franz Witzeneder, Harald Pramhaas, Eva Wartlik, Elfriede Witzeneder, Monika und Hans Haslhofer (v. l.) sind mit dem Standort der Anlage nicht einverstanden.  | Foto: Ulrike Plank
Die erste ÖBB-Photovoltaikanlage für Bahnstrom in Wilfleinsdorf (Bruck an der Leitha, NÖ). Diese befindet sich nicht im Hochwassergebiet und hat eine niedrigere Aufständerung.  | Foto: ÖBB/Fritscher
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ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif informiert über das Projekt.  | Foto: ÖBB/Wegscheider
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