02.09.2014, 15:46 Uhr

Schulterschluss für Bildungsreform dringend notwendig

LH Dr. Peter Kaiser mit Dr. Hannes Androsch (Foto: LPD/Just)

LH Kaiser und Hannes Androsch: Bildung ist der wichtigste Rohstoff. Zuversicht, dass es Ruck für Bildungsreform geben kann. Androsch dankt Kaiser für bildungspolitisches Engagement

Die Zeit ist reif! Es braucht dringend einen Schulterschluss für eine Bildungsreform. Das bekräftigten Bildungsreferent Landeshauptmann Peter Kaiser und der Hauptinitiator des Bildungsvolksbegehrens, Hannes Androsch, in einer gemeinsamen Pressekonferenz heute, Dienstag, in Klagenfurt. Bildung sei die entscheidende Zukunftsfrage. Daher müsse ein modernes Bildungssystem mit gemeinsamer Schule und verschränkter Ganztagesbetreuung das Ziel sein. „Bildung ist unser wichtigster Rohstoff“, verdeutlichten Kaiser und Androsch unisono.

Beide sagten, dass es sehr hohe, teils über 90 prozentige Übereinstimmung quer über Parteien und Sozialpartner zu den Forderungen des Bildungsvolksbegehrens gebe. Nun erwarte man sich von der neuen Regierung rasch Maßnahmen zur Umsetzung. „Die vertiefte sozialpartnerschaftliche Linie durch die neuen Vertreter in der Bundesregierung verstärken die Erwartung, dass die Notwendigkeit einer Bildungsreform erkannt und Maßnahmen umgesetzt werden“, so Kaiser. Auch Androsch erwarte sich einen Ruck für die Bildungsreform.

Das Jahr 2015 sollte somit ein Jahr der Bildung werden, damit Österreich weiter Vorreiter bleibe. Im Hinblick auf das Bildungsvolksbegehren stellte Androsch fest, dass der große Durchbruch noch nicht erfolgt sei. Er erwähnte Länder wie Südtirol oder Skandinavien wegen ihrer innovativen Bildungssysteme. Es gehe auch um die Hebung des Niveaus und gleichzeitig darum, Schwächere nicht zurückzulassen. Dazu brauche es gezielte Förderung und Infrastruktur.

Eine wichtige Forderung sehen Androsch und Kaiser in mehr Autonomie für Schulen und in einem Abbau an Schulbürokratie. Flexible Rahmenbedingungen sollten für die jeweiligen Schulen und die dortigen Gegebenheiten Vorteile für LehrerInnen und SchülerInnen bringen. Erwähnt wurden auch viele Schulen, die von sich aus sehr innovativ vorgehen. Der Landeshauptmann erwähnte auch, dass im Bezirk Hermagor die gemeinsame Schule wegen des Fehlens einer AHS-Unterstufe praktisch realisiert sei. Auch Androsch lobt Kärntner Initiativen wie die Internationale Schule in Villach.

Der Landeshauptmann informierte, dass viele Punkte des Bildungsvolksbegehrens in Kärnten umgesetzt wurden oder auf einem guten Weg seien. Er nannte Beispiele wie das beständig verbesserte Angebot an elementarpädagogischen Einrichtungen, das verpflichtende Kindergartenjahr und die Schaffung von Bildungszentren. 26,1 Mio. Euro würden in den Kinderbetreuungsbereich investiert werden. Auch bei der Inklusion sowie bei der Ausbildung der Pädagoginnen und Pädagogen sei Kärnten auf einem sehr guten Weg, betonte Kaiser und verwies in diesem Zusammenhang auf die gebündelte Kompetenz der Hochschulkonferenz. Die vom Land kostenlos angebotene Sommerakademie sei eine enorme Hilfestellung für Schülerinnen und Schüler, sie werde immerhin von über 1.200 Personen beansprucht. Damit würden den Eltern und Erziehungsberechtigten hohe Nachhilfekosten erspart.

„Ein Großteil der aktuellen Bildungs-Diskussionspunkte könnte durch die flächendeckende Umsetzung einer Ganztagesschule mit verschränktem Unterricht gelöst werden. Das ist die Schule der Zukunft“, machte Kaiser, der den Lernraum Schule zum Lebensraum Schule machen will, deutlich. Androsch ergänzte, dass 70 Prozent der Mütter berufstätig seien, viele davon müssten aufgrund des Fehlens von flächendeckenden Ganztagesschulangeboten Teilzeitbeschäftigungen annehmen.

Wichtig sei es, dem Aufholbedarf bei Forschung, Innovation und Technik stärker nachzukommen. Der Landeshauptmann, derzeit auch Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz, lud Androsch zu einem Bildungspolylog am Vorabend der am 28. November stattfindenden Landesbildungsreferenten-Konferenz in Klagenfurt ein. Bei diesem Polylog sollen neben den Bildungsreferenten auch die mit Bildung befassten Beamten sowie Sozialpartner und auch Gewerkschafter teilnehmen, um den Schulterschluss in Bildungsfragen voranzutreiben, sagte Kaiser. Diese Einladung nehme er gerne an, sagte Androsch und dankte dem Landeshauptmann für seine bildungspolitischen Initiativen.

Beide zeigten sich zuversichtlich, dass in Sachen Bildungsreform, gerade wegen der hohen Übereinstimmung aller Beteiligten, viel weitergehen könne. Androsch führte auch die internationale Ungleichheitsdiskussion an, die ebenfalls zeige, wie wichtig es sei, Chancengleichheit in der Bildung zu gewährleisten. Mehr Anerkennung der LehrerInnen sowie SchulleiterInnen und eine Aufwertung der Lehre insgesamt nannte Androsch als weitere Forderungen.
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