„RENT“ im FoRum
Theaterkritik: "La Bohème auf amerikanisch"

Das Ensemble des Theater Rum begeistert mit einer leidenschaftlichen und packenden Inszenierung des Kult-Musicals „RENT“.
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  • Das Ensemble des Theater Rum begeistert mit einer leidenschaftlichen und packenden Inszenierung des Kult-Musicals „RENT“.
  • hochgeladen von Michael Kendlbacher

Temperamentvoll, mitreißend, musikalisch und darstellerisch perfekt inszeniert – das Musical RENT des Theater Rum im FoRum.

Der Komponist der Oper „La Bohème“, Puccini, sowie die Librettisten Illica und Giacosa sowie der Romanautor Henri Murger hätten wohl kaum erwartet, dass ein junger New Yorker namens Jonathan Larson gut 100 Jahre später aus ihrem Werk die Inspiration für sein Musical RENT schöpfen würde. Das Theater Rum hat erneut den Mut aufgebracht, unter der exzellenten Regie von Ursula Lysser (Ass. Eva Pichler) ein Musical auf die Bühne zu bringen. Spielleitung und Choreographie lagen in ihren Händen, die musikalische Leitung übernahmen Ewald Brandstätter und Thomas Prenn, die eindrucksvolle Bühnengestaltung einer ehemaligen Industrie-Loft entstand unter Martin Moritz, die stimmigen Kostüme gestaltete Salha Fraidl, das Vocal Coaching übernahm Alexander Giner, das Tango Coaching Julia Polai, das Lichtdesign Florian Weisleitner, Masken und Frisuren Barbara Wanka und Barbara Trenker und das Tondesign Hannes Wetzinger. Die Hauptakteure – drei Damen und fünf Herren – sowie das Ensemble aus sechs Damen und fünf Herren tanzten, turnten und sangen in einer perfekt abgestimmten Choreographie von 20:00 bis 22:45 Uhr (nur durch eine kleine Pause unterbrochen) vor einem spürbar begeisterten Publikum, begleitet und getragen vom inspirierenden Sound der fünfköpfigen Band im Hintergrund.

Die Story spielt 1991 in New York. Aids, ein prekäres Leben, Drogen und die Schikanen reicher Immobilienhaie prägen den Alltag der Künstler und Außenseiter. Der Filmemacher Mark und der Musiker Roger können die Miete für ihr ärmliches Appartement nicht mehr aufbringen. Es ist Weihnachten, sie frieren, und ihr Vermieter sowie Ex-Mitbewohner Benny will sie rauswerfen, um Alphabet City im East Village umzugestalten. Doch die Bohemiens und Obdachlosen wehren sich: Marks Ex-Freundin Maureen und ihre neue Geliebte, die Anwältin Joanne, ersinnen einen Plan, um den zum Immobilienmogul aufgestiegenen Freund aus früheren Tagen, Benjamin Coffin III., umzustimmen.

Martin Moritz als Mark Cohen zieht körperlich, stimmlich und gestisch alle Register seiner beeindruckenden darstellerischen Begabung. Georg Mader verkörpert charmant und facettenreich den Musiker Roger Davis. Michael Huber stellt glaubwürdig und sympathisch den gefeuerten Professor und Philosophen dar. Theresa Kiechl gelingt es, die Rolle der Mimi Marquez – Tänzerin und Drogensüchtige – mit leidenschaftlicher Tiefe zu füllen. Sarah Prenn verleiht der starken Figur der Anwältin Joanne Jefferson Sensibilität, während Sibylle Giner die Maureen Johnson ebenfalls mit stimmlicher Kraft und Präsenz belebt. Adrian Haslwanter brilliert als Immobilienmakler Benjamin Coffin III. Eine besondere Herausforderung bietet die Rolle der Drag-Queen Angel Dumott Schunard, die Adrian Zöschg mit großer komödiantischer Wandlungsfähigkeit umsetzt – zunächst beweglich und agil, dann ergreifend zurückgenommen als Sterbender in den Armen seines Partners Tom.

Neben allen großartigen Einzelleistungen ist das hervorragende Zusammenspiel des gesamten Ensembles sowie der Musiker und des Kreativteams in jeder Phase spürbar. Dass der 35-jährige Gesamtautor und Komponist Larson in der Nacht vor der Premiere des Musicals an einem rätselhaften Aneurysma verstarb, hat zweifellos zur Legendenbildung und dem Kult um RENT beigetragen.

Die sympathische und überzeugend professionelle Inszenierung dieses Stücks sollten Sie sich nicht entgehen lassen – gespielt wird noch bis zum 22. November, sonntags bereits um 18 Uhr.

Eine Theaterkritik von Peter Teyml

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