Erbschleichen in Hall leicht gemacht

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HALL. Der reiche, aber geizige Venezianer Kaufmann Volpone, angeblich ohne Anhang, macht sich ein perverses Vergnügen daraus, zu verbreiten, er läge im Sterben, was alle Erbschleicher der Stadt auf den Plan ruft. Dabei hilft ihm sein Einflüsterer Mosca mit einem höchst intriganten Vorhaben. Doch Volpone treibt es zum Äußersten – und wird so selbst zum Opfer seiner Gier und Lust. Eine böse Geschichte, zwar angesiedelt im alten Venedig, aber aktuell wie eh und je, deshalb hat sich auch Stefan Zweig des historischen Stücks des englischen Dichters Ben Jonson angenommen und in die Sprache von heute transferiert. Spielleiter Alexander Sackl (Regieassistenz Theresa Kraus) hat es für die Gassenspiele adaptiert und einen musikalischen Rahmen mit schrägen Tönen kreiert.
Was eine reine Komödie sein könnte, wird zur Tragödie, mit großer Spielfreude und akrobatischer Präzision in gut zwei Stunden im stimmungsvollen Innenhof der Haller Burg Hasegg im Schatten des Münzerturms nahezu zelebriert.
Zweifelloser Mittelpunkt des Geschehens bleiben Christian Margreiter als Volpone & Wolfgang Viertl als Schmarotzer Mosca, ebenbürtig präsent in ihrer Eloquenz und Gestaltungskraft. Auf Augenhöhe dazu Markus Knauseder, unübertroffen originell als schmieriger, alter Wucherer, ihm gegenübergestellt der fatzkenhafte Schönling Corvino, von Maximilian Stroka glaubhaft und lebendig vermittelt. Wolfgang Klingler vermag dem arroganten und korrupten Notar Voltore überzeugend Gesicht und Stimme leihen, Caroline Mercedes Hochfellner ist die hübsche, naive und bigotte Colomba. Simona Schett setzt ihre Rolle als bemalte Schlampe mit Hingabe um, Monika Strobl bringt sich als gestrenge, aber auch komischen Richterin ein, Maximilian Kindler kann mit komödiantischem Geschick in die martialische Figur des Capitano Leone schlüpfen. Markus Wessiak glänzt mit Gesang und starker Bühnenpräsenz als Gondoliere, dessen Darbietungen allerdings Moritatenliedern gleichen, Florian Margreiter, Juliane Haider & Christine Nessmann sowie Ali Sackl vermögen sich in kleinen Rollen und im Gebrauch ihrer Instrumente einzubringen.
Ein besonderes Lob erheischt das Bühnenzitat Venedigs mit echten Holzpfählen, flatternder Wäsche und gelegentlichem Gondelverkehr, Ausstattung, Requisite und Kostüme lagen in der perfektionistischen Hand von Berta Posch. Ein großartiges Zusammenspiel des gesamten Ensembles, das bis zum 28. Juli „erbschleicherisch“ unterwegs sein wird.

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