Christian Altenweisl im Interview
„Wir bauen auf grüne Schwarm-Intelligenz!"

Christian Altenweisl ist seit 2019 Landessprecher der Tiroler Grünen und damit statutarische Parteispitze.
  • Christian Altenweisl ist seit 2019 Landessprecher der Tiroler Grünen und damit statutarische Parteispitze.
  • Foto: Grüne Tirol (Sebastian Miller)
  • hochgeladen von Michael Kendlbacher

Seit genau einem Jahr ist Christian Altenweisl Sprecher der Tiroler Grünen. Mit den BEZIRKSBLÄTTERN blickt der Haller zurück.

TIROL. Altenweisl gilt als verbindender Realo wie auch Repräsentant der Regionen und ist in der Tiroler Politik schon lange kein Unbekannter mehr. Im November 2019 folgte er Barbara Schramm-Skoficz an der statutarischen Parteispitze nach. Der 34-Jährige wuchs in Obertilliach auf und studierte Politikwissenschaften sowie Psychologie an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Seit 2004 ist er Mitglied bei den Grünen und seit 2009 in verschiedenen Parteifunktionen aktiv. Nunmehr leitet er den Landesvorstand, ist Mitglied im erweiterten Bundesvorstand und Delegierter zum Bundeskongress.

Bezirksblätter: Was ist passiert, seitdem Sie Landessprecher sind?
Altenweisl: Wir haben schnell einiges angepackt und weitergebracht. Mit der ebenfalls neuen Landesgeschäftsführerin Natascha Chmelar empfinde ich uns als tolles Duo und so haben wir kürzlich unsere erste digitale Landesversammlung glatt über die Bühne gebracht. Aktuell sind wir dabei, interne Neuerungen voranzutreiben: Das heißt, wir haben die Statuten weiterentwickelt, neue Formate für unsere Mitglieder erarbeitet und mit den „SympathisantInnen“ einen neuen Status der Mitgliedschaft geschaffen. Wir möchten als Partei unsere Basis verbreitern und unsere Türen für TirolerInnen öffnen, die nicht unbedingt Mitglied einer Partei sein wollen.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Als Landessprecher ist eine meiner Kernaufgaben, die interne Kommunikation zu stärken. Über das tagespolitische Geschehen informiere ich mich, blicke aber mehr auf Strategie als Taktik. Daneben habe ich die Aufgabe, unsere Strategieprozesse voranzutreiben und Wahlen vorzubereiten. So beginnt mein Tag politisch mit dem Tagespressespiegel, der Beantwortung dringlicher Anfragen und neben nötigen Meetings muss Zeit für die eigentliche politische Arbeit bleiben. Im Frühjahr stehen uns die Landwirtschaftskammerwahlen ins Haus und die Vorbereitungen für die Gemeinderatswahlen 2022 laufen schon jetzt auf Hochtouren.

In Ihrer Laufbahn haben Sie viele Ideen eingebracht. Gab es darunter ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen lag?

Ein rege genutztes Format sind unsere Diskussionsverteiler. Das Projekt endet aber noch lange nicht da, sondern geht weiter zu einem vernünftigen Daten- und Wissensmanagement, das wir etablieren wollen, um die grüne Schwarm-Intelligenz mehr zu nutzen. Wir haben einfach sehr viele EinzelkämpferInnen in den Gemeinden und dieses Fachwissen wollen wir bündeln.

Welche Erfolge machen Sie als Grüner stolz?
Generell freue ich mich, dass die Bereiche Transit, Wohnen, Gleichstellung und Tourismus im Schlaglicht stehen und offener debattiert werden als früher. Unser LA. Georg Kaltschmid hat in einigen Bereichen viel weitergebracht, wie z. B. im Kampf für die Kennzeichnungspflicht. Es soll ein Qualitätsmerkmal sein, dass auch in der Gastronomie mein Fleisch, meine Eier und die Milch aus der Region kommen und biologisch produziert werden. In Sachen Tourismus zeigt er, wie auch unsere NR. Barbara Neßler, auf, dass Tirol mehr ist als Après-Ski und Massenabfertigung. Sanfter Tourismus, der nachhaltig und auch für die Einheimischen erträglich ist, schließen sich nicht aus. LAbg. Stephanie Jicha hat kürzlich mit ihren Vorschlägen zur ganzjährigen und -tägigen Kinderbetreuung für Aufsehen gesorgt: Diese soll so selbstverständlich sein wie ein Kindergarten- oder Volksschulplatz. Nicht zu vergessen natürlich unsere Landesrätinnen, wo sich Ingrid Felipe um die weitere Unterstützung der aktuell fünf Tiroler Naturparke und der Aufwertung von Naturschutzgütern einsetzt und Gabriele Fischer für Gleichstellung, Teilhabe und gegen die Gewalt an Frauen stark macht. Darauf bin ich sehr stolz.

Wie steht es um die grünen Bauern in Tirol?
Die Standpunkte der grünen BäuerInnen sind auch für LandwirtInnen außerhalb der Grünen attraktiv: Das geht von den Forderungen nach einer Kennzeichnungspflicht über die Förderung von biologischer Landwirtschaft bis hin zu finanziellen Erleichterungen durch Kostenwahrheit in der Produktion. Diese wären besonders im Interesse unserer kleinteiligen Landwirtschaft. Aber ähnlich wie es bei der Wirtschaftskammer früher war, so ist auch die Landwirtschaftskammer mit dem Bauernbund schwer ÖVP-lastig, sodass der Unterschied zwischen den beiden Organisationen lange nicht gegeben schien. Jetzt sind wir dabei, diese verkrustete Organisation aufzubrechen und sorgen so dafür, dass man sich auch als Bäuerin und Bauer für die Entscheidung zur nachhaltigen, biologischen Landwirtschaft nicht mehr genieren muss.

Was sind Ihre nächsten Ziele? Haben Sie Ambitionen auf ein Mandat bei der Landtagswahl 2023?

Mein Anspruch ist es, in meiner aktuellen Rolle mein Bestes zu geben. Wir haben unseren Strukturprozess und zwei wichtige Wahlen vor uns. Ich freue mich, so große Vielfalt und Kompetenz in der Partei zu wissen, sodass wir nicht an Personalmangel für Listen leiden werden. Und wenn ich, gemeinsam mit dem tollen Team im Landesbüro, meine aktuellen Aufgaben zum Gefallen der Basis erledige, bin ich nach diesen Erfahrungen sicher bereit für noch mehr Verantwortung.

Wo sehen sich die Grünen in den nächsten drei Jahren?

Am Weiterarbeiten nach innen, am sich Vorbereiten für die nächsten Wahlen auf Kammer-, Gemeinde- und Landesebene und letztlich dem fortgesetzten Dialog mit der Bevölkerung. Wir machen das Beste aus der Verantwortung, die uns übertragen wurde und blicken dem Urteil der Wählerinnen und Wähler optimistisch entgegen. Wir glauben fest, dass die Zukunft ökologischer und weiblicher sein muss und ich finde, dass wir im breiten Austausch am besten erkennen, wo der sprichwörtliche Schuh am meisten drückt. Wenn wir aus dieser Haltung den Menschen begegnen, lernen wir als Organisation dazu und legen verstärkt Augenmerk darauf, die Kommunikation unserer Inhalte zu verbessern.

Nach dem Scheitern bei der Wien Wahl fürchtet man jetzt vielleicht, dass es bei den nächsten Landtagswahlen in Tirol gleich gehen könnte?
Birgit Hebein ist nicht nur eine großartige Sozialpolitikerin, sondern für mich auch Vorbild im Umgang mit den Nachwehen, die dieses extrem gute Wahlergebnis nach sich zog. Es hat sich gezeigt, dass sich Ludwig von seinem Vorgänger Häupl emanzipieren wollte und deswegen mit der guten Koalitionsarbeit gebrochen hat. Ich persönlich bedaure das zwar, bin mir aber sicher, dass tiroler Kolleginnen wie Berivan Aslan und Viktoria Spielmann sowie der erste offen schwule Stadtrat Peter Kraus, gute und konstruktive Oppositionspolitik machen werden.

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