05.10.2014, 21:51 Uhr

Enthauptung abgeblasen!

(Foto: Projekttheater Hall)

Erfolgreiche Premiere der “Hinrichtung” im Projekttheater Hall
Theaterbesprechung von Peter Teyml

Die Bühne: ein schwarzes Quadrat, ein Violinspieler im Scheinwerferkegel (Saw Thet
Tun Oo): dramatisch fährt der Geigenbogen über die Saiten, lauernd, erzählend, bedrohlich, dissonant – und das jeweils am Beginn der acht Bilder des Theaterstücks „Die Hinrichtung“, seinerzeit geschrieben und uraufgeführt 1965 von Carl Merz & Helmut Qualtinger, hier im Lobkowitzhaus Hall inszeniert von Hermann Freudenschuss, Leiter des Projekttheaters.
Nach und nach belebt sich die Bühne mit erhellenden, zitathaften Requisiten, auch mit einer Art Guillotine (Sebastian Saurwein & Co.), das frivole Unternehmen der Vermarktung einer Hinrichtung kann beginnen. Der freiwillige Delinquent Reindl wird gefunden, seine Frau wird 1 Million kassieren, die Behörden sagen ja, die Kinder flennen, die Massen werden Eintritt zahlen. Aber Reindl verliebt sich, allerdings verlässt ihn die Geliebte, als er beschließt, doch nicht mehr der prominente Todeskandidat zu sein. Eine mysteriöse Organisation will ihn zu Aufgabe ermuntern, was den diplomierten Hobbyhenker und Gemütsathleten Engel gar nicht freut.
Regie und das Ensemble von zwölf Damen bzw. Herren treiben das Stück ohne Leerlauf voran. Peter Holzer verkörpert durchgehend glaubwürdig den hin- und her gerissenen Reindl, Yvonne Krejci mimt flott den kaltschnäuzigen Eventunternehmer, vielleicht etwas zu forciert, Hanspeter Höllriegl setzt den unterwürfigen Assistenten gut in –Szene, Kurt Benkovic glaubt man den korrupten Juristen, Andrea Perle ist die unheimlichen Taucherin, und Annette Lechner gefällt als Zahnarzthilfe Inge.
Theo Moschen und Gogo Moser bringen ihren Part als Beamtenkarikaturen komödiantisch geschickt ein, und Mirjam Lintner tobt sich kreativ in Lack und Leder aus. Ein erfreulicher Theaterabend, der sich dadurch auszeichnet, die legendäre Aufführung Qualtingers nicht zu kopieren – und damit ihre Authentizität bewahrt. So hat sich Erich Thummer als Scharfrichter durchaus bewährt, ehrlich und originell. Im „Schurkischen Kuno“ würde man das Aussetzen der Hinrichtung wohl nicht akzeptieren, im vorliegenden Fall kann man aufgrund der schrecklichen Nachrichten im Fernsehen ruhig verzichten.
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lui holzer aus Innsbruck | 06.10.2014 | 20:37   Melden
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