27.10.2017, 17:30 Uhr

Fotokunst von Edgar H.J. Mall

V.li. Edgar H.J. Mall, Kuratorin Julia Sparber-Ablinger, "Hausherr" Andreas Ablinger, Wortkünstler Wilfried Schatz Fotos: Gerhard Flatscher / Christian Niederwolfsgruber
Hall in Tirol: Burg Hasegg | In der Burg Hasegg in Hall ist bis 3.12.2017 das besondere Licht- und Schattenspiel des Fotokünstlers Edgar H.J. Mall zu sehen. Er vereint die komplementären Pole jenseits von Zeit und Raum und eröffnet dem Betrachter das lebendige Sehen von Landschaftsfotografie.

Der Begriff Fotografie hat einen griechischen Wortursprung: „photo-graphein“ bedeutet so viel wie „mit Licht schreiben“. Es existiert eine Analogie zum Schreiben, zur Sprache und zu Texten. Manche Fotografien gleichen einem Aphorismus oder einer Textzeile, andere ähneln einer Kurzgeschichte, andere hingegen erzählen fast einen Roman.

Eine gute Fotografie entsteht jedoch zunächst im Kopf des Fotografen.
Edgar Mall erzählt von Landschaften - von natürlichen und von jenen, die Menschen verändert haben. Aber auch von Landschaften, in denen sich Geschichte widerspiegelt. Er hält Abstraktes als auch Gegenständliches fest. Er arbeitet mit Mystik ebenso wie mit Ambivalenz, er spielt mit Licht und Schatten, den wirklich bildentscheidenden Faktoren. Denn ohne Licht (Bestandteil des Terminus „Photo-graphie“) oder vielmehr die Reflexion von Licht, gäbe es keine Fotografie. Licht ist als Energieform bekanntermaßen eine Welle, die beim Auftreffen auf einen Gegenstand gebrochen, reflektiert oder verschluckt wird.
Licht ist der Stimmungsträger in den Bildern von Edgar Mall. Er spielt mit Doppelbelichtungen oder fängt Lichtspuren ein. Der Schatten ist die unbeleuchtete Fläche, die ein Projektionsbild erzeugt und vom Fotografen als Stilmittel benutzt wird.
Die Fotografie ist eine Kunstform, die ein Apparat vollbringt. Jedoch nur, wenn der Mensch dahinter einen besonderen Blick für Motiv und Hintergrund, für Farbenspiele und für den augenblicklichen Moment hat. All das hat Edgar Mall!

Er zeigt eine Anthologie seiner Landschaftsbilder, in denen die komplementären Pole Licht und Schatten dominieren. Edgar Mall widmet sich als Fotograf der seriellen Kunst – einer Kunstform, die durch Wiederholungen und Reihungen ein konstantes Prinzip erkennen lässt. Durch die individuelle Zusammenstellung im historischen Ambiente der Burg Hasegg werden seine Fotografien zu einer Variable aus verschiedenen Landschaften. Das Besondere an diesen Räumen sind nicht nur die alten Gemäuer, sondern auch das Schattenspiel der Beleuchtung, das fast einen zusätzlichen Bilderrahmen ergibt.

Edgar H.J. Mall ist ein Meister der Landschaftsfotografie.
Er wagt die ideale Darstellung ebenso wie deren visuelle Hinterfragung. Seine Bilder sind komplex, weil sie sich vielschichtig zerlegen lassen und immer neue Fragmente freilegen. In seinen Fotoserien zeigt er Landschaften, die er dem Kontext enthebt, intensiv ausleuchtet oder auch freistellt.
Die Landschaften wirken dann sonderbar fremd und abweisend, aber auch melancholisch unheimlich – immer aber schön im ureigenen, ästhetischen Sinne.
Wobei schön natürlich einer gewissen Ambivalenz unterworfen ist, die das Medium Fotografie in sich trägt. Edgar Mall spielt mit der ambivalenten Bildwahrnehmung des Betrachters, versteht es aber Auge und Seele zu beruhigen. Das Auge ruht auf Wassertropfen, taufischen Wiesen und am Wasserfall.
Auf erhabenen Bergmassiven, üppigen Wäldern und im hölzernen Dickicht ebenso wie auf Schnee, Felsen und Auen, auf die Edgar Mall seinen fotografischen Blick richtet. Doch er stellt auch Fragen mit seinen Bildkompositionen, lädt den Betrachter zum suchenden Verstehen ein.
Edgar Malls Bilder sind sorgfältig ausgewählte Ausschnitte zwischen Bildgrenzen, die nicht zufällig gesetzt sind. Der Fotograf begrenzt das Bild mit äußerster Präzision. So wird ein Licht- und Schattenspiel sichtbar, das ein Stück Land zeigt, in der Schwebe zwischen zwei Unendlichkeiten. Also jenseits von Zeit und Raum.
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