07.06.2017, 13:26 Uhr

"Impfen muss mehr Wertschätzung erfahren"

(Foto: KK/Pixabay/CC0)

Die Durchimpfungsrate sinkt zunehmend-

HERMAGOR (aju). Aufgrund von vermehrten Masernfällen hat Italien nun eine Impfpflicht für Schulkinder eingeführt. Auch in Österreich, sinkt die Durchimpfungsrate. Das könnte das Wiederaufkommen gefährlicher Krankheiten zur Folge haben.

Klettern ohne Seil

"Eine gesunde Einstellung zum Körper und überlegtes Handeln in Sachen Gesundheit ist natürlich wichtig, trotzdem sollte aber die Wertschätzung für den Beitrag den Impfungen dazu leisten erhalten bleiben", sagt der Hermagorer Kinderarzt Thomas Reiter. Erwachsene seien dabei meist geimpft, würden aber für ihre Kinder entscheiden, dass diese sich möglichen Krankheiten ohne Impfschutz entgegenstellen. "Das ist als wenn man selbst gesichert und mit Rettungsseil auf das Matterhorn klettert, sein Kind aber ungesichert den Berg erklimmen lässt", so Reiter. Impfungen sind für den Arzt dabei eine Errungenschaft durch die wir uns manchen Krankheiten gar nicht mehr ausgesetzt sehen. "Wir müssen uns vor Augen halten wie viele Kinder vor 60 Jahren noch an, aus jetziger Sicht, banalen Krankheiten gestorben sind. Doch das ist uns oft nicht mehr bewusst", erklärt Reiter.

Nicht impfen

Wer sich dafür entscheidet, trotzdem nicht zu impfen, sollte sich laut Reiter auf diesem Gebiet gut auskennen. "Beim Einsteigen ins Auto setzen wir auf den Airbag und weil wir oft die Folgen eines Unfalles nicht abschätzen können gibt es eine Versicherung. Bei Krankheiten ist es ähnlich. Dass zum Beispiel eine Masernerkrankung eines Einzelnen für die ganze Region Folgen hätte ist uns oft nicht bewusst und deshalb gibt es Impfungen", sagt Reiter. Auch stehe hinter den Impfempfehlungen keine Lobby sondern ein Expertengremium auf das man sich verlassen könne. "Trotzdem sagt die Statistik der Gesundheitsbehörde in Österreich vom Jänner 2017 dass zu spät und nicht komplett geimpft wird und die europäischen Staaten teils weniger durchgeimpft sind als andere ehemalige Entwicklungsländer", erklärt Reiter. Deshalb sei vor allem die Wertschätzung für Impfungen und Gesundheitserziehung der Kinder besonders wichtig.

Impfberatung

Christiane Buxbaum, Amtsärztin der Bezirkshauptmannschaft (BH) Hermagor sieht die Situation ähnlich: "Die Durchimpfungsrate vor allem für Masern, Mumps und Röteln ist in Österreich nicht ausreichend, sodass für das Gesundheitssystem Anstrengungen notwendig sind, um das Erkrankungsrisiko zu reduzieren. Mit entsprechender Aufklärung zum Thema Impfen sollte der Impfmüdigkeit der Bevölkerung entgegengewirkt werden." Aufgrund des Rückganges von Erkrankungen durch die Impfung würden die Risiken aber immer weniger wahrgenommen. "Bei einer hohen Durchimpfungsquote der Bevölkerung könnten Krankheiten regional ausgerottet und weltweit eingedämmt werden", so Buxbaum. Klar sagt sie auch, dass wer sich und seine Kinder gegen bestimmte Krankheiten schützen wolle, solle sich impfen lassen. Denn Krankheiten wie Masern seien auf keinen Fall harmlos sondern können schwerwiegende Folgen. "Daher kann man sich jeden Dienstag oder nach telefonischer Rücksprache im Gesundheitsamt Hermagor impfen lassen. Alle empfohlenen Impfstoffe sind lagernd und auch persönliche Impfberatungen können in Anspruch genommen werden", erklärt Buxbaum.

Gegenstimme

Irmgard Janschitz hingegen ist Mutter eines Sohnes der seit einer Impfung mit psychische Problemen und einer geistigen Beeinträchtigung durchs Leben gehen muss. "Da ich auch kein Arzt bin, kann ich weder bestätigen noch dementieren wie wirksam eine Impfung ist oder sein könnte. Aus eigener Erfahrung jedoch kann ich bestätigen, dass eine Impfung, wie bei meinem Sohn, enorme Schäden anrichten kann. Schäden für die hinterher leider niemand die Verantwortung übernehmen will und niemand mehr zuständig ist", sagt Janschitz. In erster Linie fehle es ihr hier an einer ehrlichen und offenen Aufklärung den Eltern gegenüber. "Anstatt dessen werden Krankheitsfälle wie Masern hochgespielt und Impfschädigungen mit allen Mitteln negiert oder totgeschwiegen", sagt Janschitz. Würde diese Aufklärung stattfinden, so ist sie sich sicher, würden auch mehr Eltern ihre Kinder impfen lassen. "Von einer Impfpflicht halte ich natürlich nichts. Im Gegenteil, das würde ich als Eingriff in meine persönliche Freiheit empfinden. Meiner Meinung nach geht das viel zu weit und entmündigt die Bürger noch weiter. Meiner Meinung nach geht das viel zu weit und entmündigt die Bürger noch weiter", erklärt Janschitz.
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